Nachruf auf Prof. Hans Christoph Binswanger

Nachruf auf Prof. Hans Christoph Binswanger

Der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger ist am 18.01.2018 in St. Gallen gestorben. Hansruedi Weber, der Vorsitzende des Schweizer Vollgeld-Vereins "Monetäre Modernisierung" (MoMo) und Mitbegründer der Schweizer Vollgeld-Initiative schrieb folgenden Nachruf:

Mit H.C. Binswanger ist ein großer Ökonom und Humanist gestorben. Seine umfassende kulturelle Bildung ermöglichte ihm einen unorthodoxen Blick auf sein Fachgebiet. Als souveräner Analytiker gehörte er sowohl zu den ersten ökonomischen Vertretern der Nachhaltigkeitsbewegung als auch zu den kompetentesten Kritikern der Wirtschafts- und Geldtheorie. Letzteres war seinerzeit der Grund, warum sich die Initianten der Schweizer Vollgeld-Initiative an ihn wandten und in ihm einen klar denkenden und unbestechlichen Berater fanden.

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Jens Weidmann: Sicheres Geld für die Bürger gefährdet die Finanzstabilität!

In einem Artikel in der Wirtschaftswoche warnt Bundesbankpräsident Jens Weidmann vor BitCoin, schließt ein Verbot aber aus. Viel interessanter ist allerdings Weidmanns Aussage zu digitalem Geld der Zentralbanken:

"Der Bundesbank-Präsident setzte nun auch hinter die Idee ein Fragezeichen, als Notenbank eigenes digitales Geld herauszugeben: „Digitales Notenbank-Geld ist ja nichts anderes, als ein Konto bei einer Notenbank zu haben.“ Für Bürger sei das zwar sehr sicher. Spätestens in Krisenzeiten wäre dies allerdings eine Gefahr für die Finanzstabilität, da Kunden ihr Geld dann von den Geschäftsbanken abziehen und zur sicheren Notenbank umziehen würden."

Man kann den Bürgern also kein sicheres Geld geben, weil das die Finanzstabilität gefährdet. Eine schönere Beschreibung der Perversität des heutigen Geldsystems kann man sich kaum wünschen. Herr Weidmann, vielen Dank für diese Klarstellung!

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Bericht Jahrestagung 2017 "Geld. Macht. Ungleich."

Bericht Jahrestagung 2017 "Geld. Macht. Ungleich."

„Geld.Macht.Ungleich – Spaltet die Geldordnung unsere Gesellschaft?“ war am 11./12. Nov. 2017 das Thema unserer diesjährigen Jahrestagung im Frankfurter Ka Eins, die traditionell im herbstlichen November an Geldsystem und Geldreform Interessierte zu uns führt. In diesem Jahr zum 6. Mal und bereits zum 3. Mal in Frankfurt mit gut 70 Teilnehmenden (Flyer hier).
Wir wollten das Thema Geld und Ungleichheit einmal nicht – wie es alle anderen machen – von der Verteilungsseite, sondern eben bereits von der Entstehungsseite her unter die Lupe nehmen: Ob und ggf. inwieweit ist schon die Konstruktion des bestehenden Geldsystems ursächlich für Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen? Liegt z.B. ein Problem darin, dass typischerweise Kredit nur gegen Sicherheiten gewährt wird, also dem, der bereits über Vermögen verfügt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der überproportionalen Zunahme der Geldmenge und der immer grösser werdenden Kluft zwischen Arm und Reich?

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Die Bilanzen der Zentralbanken sind veraltet

Claus Köhler, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank von 1974 bis 1990, schrieb schon im Jahr 1962 folgendes: "Banknoten sind ein abstraktes Zahlungsmittel. Zwar stehen sie auf der Passivseite der Bilanz der Zentralbanken und bilden damit eine Verbindlichkeit der Notenbank, jedoch schulden die Zentralbanken tatsächlich nichts. Wer einer Zentralbank einer von ihr emittierte Note vorlegt, erhält die Note gewechselt." (1) 

Der Grund dafür ist historisch: Früher waren Banknoten mit Gold gedeckt. Diese Deckung ist allerdings schon lange aufgehoben. Wir meinen dazu: Die Verbuchung von neuem Zentralbankgeld als Verbindlichkeit ist deshalb heute eine unrealistische Fiktion und muss geändert werden. Das betrifft nicht nur Banknoten, sondern auch die unbaren Zentralbankreserven, mit denen die Zentralbanken zum Beispiel ihre riesigen "Quantitative-Easing"-Programme finanzieren. 

Auch Zentralbanken sollten Geld als Aktivum verbuchen, genauso wie sie es heute schon bei Münzen machen. Dann wären ihre Aktivitäten transparenter und besser kontrollierbar. 

Klaus Karwat

(1) Quelle: Das Buch "Geldwirtschaft" von Claus Köhler, S.7. Einen Auszug des Buches, in dem auch die Bilanzierung von Münzen als Aktivum korrekt beschrieben wird, finden Sie hier.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Können Banken "umsonst" einkaufen gehen ?

Dass die Banken selbst Geld über Kredite schöpfen können und dafür keine vorher eingezahlten Spareinlagen brauchen, ist mittlerweile durch Publikationen der Deutschen Bundesbank bestätigt. Der Autor Horst Seiffert,  der unter anderem das Buch "Geldschöpfung - die verborgene Macht der Banken" publiziert hat, weist darauf hin, dass Banken aber auch für den Eigenbedarf Geld schöpfen können und auch dafür keine vorher erwirtschafteten Gewinne brauchen. Die Bilanzierung, wie sie für normale Wirtschaftsunternehmen angewendet wird, vermittelt laut Seiffert für geldschöpfende Banken ein grundlegend falsches Bild. Vielmehr neutralisieren sich Erträge und Verluste der Banken, wenn verschiedene Banken bei ihrer Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung im Gleichschritt vorgehen: Dann gleichen sich die Forderungen der Banken untereinander weitgehend aus und alle Banken profitieren davon. So eröffne die derzeitige Bilanzierungspraxis laut Seiffert gerade großen Banken bzw. Bankengruppen weite Spielräume für Vorteilsnahme und Machtmissbrauch durch Geldschöpfung. Lesen Sie den Beitrag von Horst Seiffert hier, seine Webseite finden Sie hier.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Der Börsencrash steht bevor: Was man nicht tun sollte.

Artikel von Hans Scharpf, Erstveröffentlichung auf www.geldhahn-zu.de

Augen zu und durch?

„Augen zu und durch“, so lautet die Titelüberschrift eines Artikels von Anne Seith im letzten Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017). Thema des Artikels ist das permanente Steigen der Aktienkurse in den letzten Jahren. 
Am Schluss des Artikels wird der Verbraucherschützer Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, zitiert.
Er rät dazu, Geld in Aktien anzulegen, als Mittel einer langfristigen Altersvorsorge und empfiehlt ETFs (Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfond https://www.justetf.com/de/academy/was-sind-etfs.html).

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Deutsche Bank befürchtet eine baldige neue Finanzkrise

In einem Bericht (auf Englisch) mit dem Titel "Long-Term-Asset-Return-Study: The next financial crisis" vom September 2017 beschreibt die Deutsche Bank die Krisenanfälligkeit des Geldsystems, das nach der Abkehr von der Goldbindung 1971 entstanden ist und uns noch heute regiert:

We think the final break with precious metal currency systems from the early 1970s (after centuries of adhering to such regimes) and to a fiat currency world has encouraged budget deficits, rising debts, huge credit creation, ultra loose monetary policy, global build-up of imbalances, financial deregulation and more unstable markets (aus dem executive summary am Anfang der Studie).

Interessanterweise beklagt die Deutsche Bank also auch die übermäßige Geldschöpfung (huge credit creation) und die zu hohe Verschuldung (rising debts). Anschließend wagt die Deutsche Bank eine beunruhigende Prognose:

So we’re quite confident that there will likely be another financial crisis/shock pretty soon with their frequency continuing to be high until we create a more stable global financial framework.

Da würde sich doch das Vollgeldsystem als neues "financial framework" in der "fiat currency world" anbieten! Die Geldschöpfung wäre endlich unter Kontrolle und die enge Verzahnung von Verschuldung und Geldschöpfung gestoppt!

Weitere Kommentare zu dem Bericht finden sich etwa beim Economist, bei CNBC oder den Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Die Banken erzeugen "Ungleichheit auf Knopfdruck"

Der Autor Aaron Sahr, der auch auf der Monetative-Jahrestagung am 11. - 12.11. 2017 in Frankfurt auftritt, beschreibt in seinem Buch "Keystroke-Kapitalimus: Ungleichheit auf Knopfdruck" die sozialen Auswirkungen der Banken-Geldschöpfung. Lesen Sie dazu die Rezension von Stefan Freichel:

Um es gleich vorab zu sagen, mit diesem im Bibel-Taschenbuchformat publizierten 176 Seiten hat Dr. Aaron Sahr einen großen Beitrag zur Klärung der soziologischen Frage nach dem Wesenskern unserer heutigen Epoche geleistet.

Was eigentlich ist im heutigen Zeitalter des globalisierten, finanzgetriebenen Kapitalismus anders als früher? Wieso kehren sich ursprüngliche Trends der gesellschaftlichen Entwicklung seit den 70er Jahren um? Wieso wird die Entwicklung zunehmend aus der „Triade aus wachsendem privaten Wohlstand, anschwellenden Schuldenbergen, und zunehmender gesellschaftlicher Ungleichheit“ bestimmt?
Aaron Sahr ist es gelungen, die Strukturen zu identifizieren, die einige wenige bevorzugen und so viele benachteiligen. Dass er dabei die Rolle des Finanzsystems und das ihm innewohnende Geldschöpfungsprivileg der Banken mittels Tastendruck - von Aaron Sahr als „Keystroke-Kapitalismus“ bezeichnet - in den Mittelpunkt seiner soziologischen Ausführungen stellt, mag unter Vollgeld-Diskutanten eine Trivialität darstellen. Jedoch kann das Wie der Darstellung, das Aufzeigen der Verbindungen und Strukturen und das Herausarbeiten der Illegitimität des Geldschöpfungs-Privilegs nur als herausragende soziologische Arbeit bezeichnet werden. Die zunehmende Steigerung der Nachfrage nach Finanzanlagen wird von drei Kräften angetrieben:

1.) Durch die Reichen, die ihre Geldzuwächse anlegen müssen.
2.) Durch institutionelle Investoren, denen es gelungen ist, die solidarischen Pensionssysteme zu kannibalisieren.
3.) Durch die Realwirtschaft selber, wo viele Unternehmen inzwischen durch Investitionen in Finanzanlagen mehr Kapital generieren als im Kerngeschäft.

Im Vergleich zur Vor-Finanzialisierungs-Epoche ist somit die Bedeutung des in Form von Bankschulden mittels „Keystroke“ erzeugten Kapitals in solch unvorstellbarer Weise angestiegen, dass für Aaron Sahr neben den Akteuren Staat und Märkten ein neuer dritter „Aneignungsakteur“ geboren wurde. Die klare Herausarbeitung der Bedeutung und der Illegitimität dieses neuen „Aneignungsakteurs“, der zunehmend die traditionellen „Aneignungsakteure“ Staat und kapitalistische Märkte unter Druck setzt, ist die große Leistung dieses Buches.

Der Maschinenraum des Finanz-Kapitalismus wird immer stärker durch das Kapital, das durch den Finanzsektor durch „paraökonomischen Prozesse“ erzeugt wird, befeuert. Bankkredite sind für Aaron Sahr „paraökonomische Praktiken, eine Anomalie im Herzen der kapitalistischen Ökonomie“. Der Soziologe wählt den Begriff paraökonomisch. Mir fällt bei diesem schmerzhaften Befund eher die Bezeichnung parasitär ein, was vermutlich ein Beleg ist, keine wissenschaftliche Contenance wahren zu müssen. Der neue dritte „Umverteilungsapparat“ agiert für Aaron Sahr im Gegensatz zu den alten Apparaten Markt und Staat illegitim. Im Gegensatz zur Realwirtschaft, „wo Können immer Haben voraussetzt“, benötigt der neue Apparat kein Haben zur Aneignung. Im Gegensatz zu über Wahlen legitimierter Staatsmacht arbeitet dieser zudem undemokratisch und höchst intransparent im Verborgenen. Dabei sollten, nach Aaron Sahr, selbst „glühende Neoliberale, die als standhafte Verteidiger unregulierter Märkte auftreten und die Fahne der Freiheit schwingen, die legitimatorische Obdachlosigkeit des Keystroke-Kapitalismus eingestehen müssen.“ Die durch illegitime Umverteilung entstandenen Schäden im Sozialgefüge sind bis dato weitgehend intransparent und daher kaum quantifizierbar. Auch die durch den Apparat generierten Zinsgewinne können als weitgehend illegitime Bereicherung angesehen werden: „Man kann deswegen festhalten, dass die Allgemeinheit (als politische Gemeinschaft) und die Mittel- und Unterschichten (als sozialstrukturelle Gruppen) die Kosten der paraökonomischen Geldschöpfung tragen, während private Unternehmen und Vermögende die Gewinne einbehalten.“

Die Hauptprofiteure sind somit die innerhalb des Apparats tätigen Akteure: Ob Bank- oder Konzerneigentümer oder ihre Funktionsträger - alle sind sie Teilnehmer eines „Plünderungszirkels“ und schustern sich risikolos mittels paraökonomischer Prozesse immer mehr Eigentumsansprüche zu. Diese Entwicklung findet vor den Augen der Öffentlichkeit und 10 Jahre nach der beinah stattgefundenen Kernschmelze der Finanzwelt immer noch im Verborgenen statt. Ein Skandal, der aus meiner Sicht  weitgehend dem Versagen der Ökonomen geschuldet ist. Sie sind teils Lichtjahre von einer wirklichkeitsnahen Beschreibung der ökonomischen Strukturen und Kräfteverhältnisse entfernt. Allzu oft begnügen diese sich lediglich damit, die Aneignungs-Privilegien der Märkte gegenüber dem Staat zu verteidigen und ignorieren zugleich den neuen illegitimen Aneignungsakteur Finanzsektor. Da stellt sich – meiner Meinung nach - schon die Frage, warum man die deutschen VWL-Lehrstühle weiterhin mit Steuergeldern alimentiert und diese nicht direkt mit ihren Ansprüchen an die Profiteure des neuen Apparates verweist. Dass Soziologen wie Aaron Sahr diese Lücke füllen und eine treffende Bestandsaufnahme der heutigen ökonomischen Machtverhältnisse und der daraus resultierenden zunehmenden Ungleichheit liefern, lässt hoffen. Zumal er nicht bei seiner soziologischen Beschreibung verharrt, sondern neue Handlungsmuster zur Auflösung der „legitimatorischen Obdachlosigkeit“ des Keystroke-Kapitalismus einfordert.

Für ihn zeichnen sich zwei Optionen ab, die sich auch gegenseitig ergänzen können: Die erste Option wäre, Banken mittels Vollgeldreform zu ökonomisieren. Die zweite, die Geldschöpfung durch Übertragung des Geldschöpfungsprivilegs auf politische Akteure zu demokratisieren. Dass der Autor höchste Handlungsnotwendigkeit sieht und eher der zweiten Option zuneigt, ohne eine Patentlösung anbieten zu wollen, dokumentiert er im Schlusssatz seines Buches: „Trotz all der nachvollziehbaren Bedenken, die den Alternativen des privatisierten paraökonomischen Privilegs entgegengehalten werden und werden könnten, stehen eher die Bedenkenträger in der Pflicht, das ökonomische und soziale Scheitern des Experiments rein privatwirtschaftlicher Erzeugung von Geld aus dem Nichts zur Kenntnis zu nehmen und sich für das Nachdenken über Alternativen zu öffnen.“

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Es ist schwer, ein sprachlich und inhaltlich so kompaktes Werk in einer Rezension nicht bis zur Unkenntlichkeit zu komprimieren. Viele soziologischen Begrifflichkeiten und logischen Ableitungen des Autors mussten unerwähnt bleiben. Ich empfehle daher allen mit einer soziologischen Sprachwelt vertrauten und an einer „gerechteren Welt“ interessierten Menschen dieses Buch in Gänze zu lesen. Es führt uns nicht nur das Wesen unserer Epoche, sondern auch die Dimension der zukünftigen gesellschaftlichen Verteilungs-Auseinandersetzungen im ungleichen Kampf 2-gegen-1 vor Augen und erklärt uns plausibel und wertneutral die „eingeführten Muster und Aktivitäten“ der Akteure. Dass Aaron Sahr mit seiner älteren Dissertationsveröffentlichung "Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits" für den "Opus Primum" Preis für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation nominiert wurde, ist ein weiterer Beleg für die Qualität des Autors. Es wäre schon verwunderlich, wenn er diesen Preis aufgrund der Bedeutsamkeit seines Forschungsgenstandes und seiner sprachlichen Präzision am 22. November 2017 nicht erhalten würde.

Rezension von Stefan Freichel

Aaron Sahr: "Keystroke Kapitalismus" - Untertitel: Ungleichheit auf Knopfdruck - Hamburger Edition 12.- €, 170 Seiten / kleines handliches Format

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Österreichische Zentralbank schreibt an Monetative Austria

Es gibt seit einigen Monaten nun auch in Österreich eine Vollgeldinitiative. Sie kritisiert die Geldschöpfung durch Geschäfts­banken als ungerecht und sieht in ihr die Hauptursache für die schwere Finanzkrise 2007ff. Geldschöpfung durch Geschäftsbanken sei wie eine Droge, von der sich das Finanzsystem abhängig gemacht hat, behauptet Dr. Raimund Dietz von der Monetative Austria. Geldschöpfung in öffentlicher Hand würde vieles ins Lot bringen.

In einem schriftlichen Meinungstausch mit der Oesterreichischen Nationalbank bringt Dietz seine Initiative in Position. Die OENB reagiert scheinbar gelassen. Alles im Griff, sagt sie. Wir haben andere Instrumente, obwohl sie heute Instrumente einsetzt, von der sie vor 10 Jahren nicht mal zu träumen gewagt hätte. Dietz erwidert: Die Argumente der OENB seien auf Sand gebaut, sie würden den Standpunkt der Geschäftsbanken vertreten und dem ordnungspolitischen Mandat der OENB nicht nachkommen. Lesen Sie hier den Briefwechsel– die Schreiben klären auf, was Sache ist …. Geld ist zu wichtig, um es nur Experten zu überlassen.

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Ökonomen Jahrestagung (VfS): "Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“

Ökonomen Jahrestagung (VfS): "Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“

Als vor 10 Jahren die Finanzkrise einschlug, wurde die Zunft der Mainstream-Ökonomen davon völlig überrascht, denn typischerweise beschäftigte man sich primär mit theoretischen Gleichgewichtsmodellen, in denen Geld und Banken schlichtweg nicht vorkamen. Geld war für Ökonomen ungefähr so, wie für Fische das Wasser – es war halt irgendwie da.
Aufgrund der andauernden Krise(n) hat sich daran nun einiges geändert und dieses Jahr hat der Verein für Socialpolitik (VfS), die größte deutschsprachige Ökonomenvereinigung, die mehrtägige Jahrestagung vom 03.-09. September 2017 sogar zum Thema „Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“ in Wien ausgerichtet.

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Was die politischen Parteien zum Geld- und Finanzsystem fordern

Am 24.9. sind wir aufgerufen, einen neuen Deutschen Bundestag zu wählen. Deshalb hat Monetative e.V. die Programme der dort antretenden Parteien durchgesehen.  Wir veröffentlichen jetzt die Zusammenstellung der entsprechenden Programmteile zum Thema Geld/Finanzen, aufgegliedert in kleine und große Parteien. Zu manchen Passagen haben wir auch einen kurzen Kommentar aus unserer Sicht verfasst. Die Synopse der Programme und unsere Kommentare dazu finden Sie hier.
 

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Stellungnahme von Prof. Joseph Huber zur Schweizer Bankiersvereinigung

Die Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) hat vor einigen Wochen eine Studie zur Vollgeldreform gesponsort, in der die Vollgeld-Initiative vehement zurückgewiesen wird. Nun hat Prof. Joseph Huber, Vorsitzender unseres Wissenschaftlichen Beirats, eine Stellungnahme dazu fertiggestellt, in der er einige zentrale Aspekte der Studie zurückweist und insbesondere auf den Zusammenhang von Geld und Kredit und deren Rolle bei der Entstehung von Bank- und Finanzkrisen eingeht. Seine Stellungnahme ist verfügbar auf Deutsch hier und auf Englisch hier

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Das Finanzsystem aus der Sicht eines Mathematikers

Der Mathematiker Walter Tydecks beschäftigt sich mit Geldschöpfung, Derivaten und dem immer komplizierteren Finanzsystem. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass viele Mathematiker und Physiker inzwischen von der Naturwissenschaft in die Finanzbranche gewechselt sind und sich im Auftrag der Banken komplexe Modelle und Mechanismen ausdenken, die heute die Finanzmärkte dominieren. Lesen Sie seinen Beitrag hier.

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Wir sind Weltmeister im Derivatehandel

Es sind nicht irgendwelche "bösen" ausländischen Staaten,  sondern wir ordentlichen Deutschen selbst: Unser Land liegt weit vorn beim Derivatehandel. Siehe eine Infografik vom Herbst 2016. Gibt es da bei uns eine Regulierungslücke oder warum werden diese Geschäfte vor allem hier getätigt?

Klaus Karwat

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Ein neues Buch darüber, warum die Banken-Buchhaltung unsolide ist und zu Bankenkrisen führt

Rezension des Buches von Michael Schemmann „Offenbarungseid der Deutschen Bundesbank“: Kritik am Aufsatz der Deutschen Bundesbank über die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbanken im Geldschöpfungsprozess, erschienen bei amazon.

Michael Schemmann  ist Bankkaufmann, Betriebswirt, emeritierter Professor für Finanz- und Rechnungswesen,  Wirtschaftsprüfer und Betreiber des  IICPA, eines internationalen Instituts für Wirtschaftsprüfer. In seinem knapp 100 Seiten umfassenden Buch antwortet er auf den Monatsbericht April 2017 der Deutschen Bundesbank.  Kernteil ist die Kritik der Buchhaltungsmethodik der Banken, die von der Bundesbank in diesem Monatsbericht ausführlich dargestellt und verteidigt wird. Die Bundesbank beschreibt in diesem Monatsbericht auf S.18, wie die Banken Geld schöpfen:

"Die Gutschrift des Geldbetrages in Form einer Bankeinlage erscheint in der Bilanz des Kunden X als Forderung an die Bank, die Verpflichtung zur späteren Zurückzahlung des Kredits stellt in gleicher Höhe eine Verbindlichkeit des Kunden X an die Bank dar. Spiegelbildlich zum Kundenkonto erhöhen sich in der Bilanz der Bank X deren Forderungen gegen den Kunden und deren Verbindlichkeiten an den Kunden. Im Ergebnis kommt es beim Kreditnehmer und bei der Bank zu einer sogenannten Bilanzverlängerung, zugleich wurden durch diese Buchungsvorgänge 1000 € Buchgeld (hier auch Giralgeld genannt) geschaffen."

Schemmann kommentiert diese Geldschöpfungspraxis der Banken aus dem Blickwinkel des internationalen Standards für Rechnungslegung IFRS. Dort ist definiert, welche Voraussetzungen sowohl Vermögenswerte erfüllen müssen, die auf der Aktivseite eines Unternehmens verbucht werden, als auch Verbindlichkeiten, die auf der anderen Seite der Bilanz stehen.

Die Kernaussage von Schemmann ist: Die Praxis der Bilanzverlängerung bei Banken-Kreditvergaben und damit die Schöpfung von Buchgeld entspricht nicht den IFRS-Kriterien für eine ordnungsgemäße Buchhaltung. Ein neu abgeschlossener Kredit, der als Vermögenswert (Aktivum) gleichzeitig mit einer Verbindlichkeit auf Auszahlung von Geld (Passivum) in der Bankbilanz verbucht wird, so wie es die von der Bundesbank beschriebene Praxis ist, kann weder einen Vermögenswert noch eine Verbindlichkeit begründen, die den IFRS-Kriterien genügen.

Warum:
-Der Vermögenswert (die Kreditforderung der Bank) beruht nicht auf einem echten Geschäftsvorgang und hat keine Kostenbasis, da ja keinerlei Geld dafür tatsächlich ausbezahlt wurde
-Die Verbindlichkeit ist keine echte Verbindlichkeit, da sie ja größtenteils gar nicht ausbezahlt wird, und sie beruht ebenfalls nicht auf einem vergangenen tatsächlichen Geschäftsvorgang.
Der IFRS-Standard schreibt aber sowohl tatsächliche Geschäftsvorgänge als auch eine Kostenbasis für den Eintrag von Vermögenswerten/Verbindlichkeiten in eine Bilanz vor.
Der Kommentar dazu von Schemmann: Moderne Banken sind lediglich zu Unrecht "glorifizierte Buchhaltungsbetriebe" in tempelartigen Gebäuden, die mit einem Vorgang aus der "Trickkiste" der 500 Jahre alten venezianischen "Doppelten Buchführung" Buchgeld schöpfen. Das müsste nicht so sein!

Die Lösung: Vollgeld

Der Autor zeigt in seinem Buch auch, wie die Banken-Buchhaltung korrekt aussehen sollte: Geld muss von den Banken genauso als Aktivum in der Bilanz verbucht werden wie von anderen Unternehmen. Die vom Kreditnehmer benötigte Summe müsste dann mit liquiden Mitteln der Bank ausgezahlt werden, die von der Aktivseite der Bankbilanz abgebucht werden. So wäre das keine Bilanzverlängerung mehr, sondern lediglich ein Aktivtausch in der Bilanz. Eine solche Buchungspraxis würde dann auch den internationalen Standards für Rechnungslegung entsprechen. Dies entspricht auch den Forderungen des Vereins Monetative e.V. (siehe Erklärung "Was wir wollen") und anderen, die sogenanntes „Aktivgeld“ fordern.

Mehrfache „Offene Briefe“ von Schemmann an internationale Wirtschaftsprüfungs-Organisationen (ein aktuelles Beispiel hier), dass die Buchhaltungspraxis der Banken von korrekt arbeitenden Wirtschaftsprüfern nicht akzeptiert werden sollte, hatten bisher keinen Erfolg.

Hoffentlich kann dieses Büchlein dazu beitragen, dass mehr über das Thema Buchhaltung der Banken nachgedacht wird. An Aktualität fehlt es jedenfalls nicht: Jüngst werden wieder italienische Banken gerettet, weil sie unter „notleidenden“ Krediten zusammenzubrechen drohen. Diese Kredite sind nichts anderes als genau die Aktiva, die ohne echte Kostenbasis von Banken in ihre Bilanz aufgenommen werden können und jetzt viel weniger wert sind als vorher behauptet. Das Problem wird uns immer wieder auf die Füße fallen, wenn wir nicht unser Geldsystem ändern!

Klaus Karwat

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Österreichische Diskussion über Geldreform in Seitenstetten

Im Bildungszentrum Seitenstetten fand vom 12. - 14.5. eine Dialogveranstaltung mit dem Titel "Schritte in Richtung friedensfähige Geldordnung statt. Hier ein Auszug aus den Aufzeichnungen:

Podium Nachhaltige Geldordnung

Kathrin Latsch MONNETA Hamburg, Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Senft, WU Wien, Mag. Dr. Marianne Schallhas, Arbeitsgemeinschaft Gerecht Wirtschaften und Univ. Prof. Dr. Richard Werner, Southampton, stellten vor wie Schwierigkeiten in der Finanzarchitektur entstanden sind und in welche Richtungen Auswege gefunden werden könnten. 

 

Kathrin Latsch sprach über Chancen von mehr an Vielfalt bei den Geldsystemen. Über 90% allen Geldes entsteht durch Kredite, geschöpft bei privaten Banken. Dieses Quasi-Monopol sollten wir brechen, u. a. weil es ist nicht demokratisch kontrolliert ist. Wir brauchen Alternativen. Es stimmt nicht, dass man nichts machen kann: Man kann z.B. bei einer Regionalwährung wie „WIR GEMEINSAM“ mitmachen, sich bei der Gemeinwohl-Ökonomie engagieren, oder die Gemeinwohl-Bank unterstützen.

Derzeit müssen in jeder betriebswirtschaftlichen Investition Kapitalrenditen angerechnet werden. Die Kapitalgeber werden systematisch bevorteilt. Es kommt zu: „Wer hat, dem wird gegeben“ – Leute die Wirtschaftswissenschaften studiert haben, verstehen das zu wenig!

Wir brauchen Wachstum an Wissen!

Die Finanzwirtschaft ist ca. 10-mal so groß wie die Realwirtschaft. Dabei entsprechen die Geldvermögen den Schulden, denn Geld entsteht durch Kredit! Die Schulden weltweit betragen 200 Billionen US Dollar.

Ist es eine gute Nachricht, dass die Schulden der Banken relativ zu den Schulden der Staaten und der privaten Haushalte abgenommen haben? Sie sind bei den Staaten gelandet!

Die Bitcoin-Währung ist eher kritisch zu betrachten, die dazu angewendete Blockchain-Technik ist dagegen als positiv zu werten, da sie dezentral, transparent und manipulationssicher ausgeführt werden kann.

 

Gerhard Senft erzählt, dass Adam Smiths Überlegungen mit der Kritik am Merkantilismus begonnen hätte (er stimmt ihm nicht zu, sieht aber Entwicklung durch Kritik.)

Der Euro ist eine große Monopolwährung – Krisen entstanden durch einen zu raschen Einigungsprozess. In den USA dauerte das Ringen für einen gemeinsamen Dollar 100 Jahre.

Es gibt Beispiele aus dem 20. Jhd. dafür, dass Währungsunionen zerfallen sind, wo die Basis gefehlt hat.

Überfluss an Geld bringt überhaupt nichts! Im Dezember 2015 betrug der Umsatz an weltweit gehandelten Derivatpapieren 493 Billionen Dollar, während die globale (reale) Wirtschafts-leistung im ganzen Jahr 2015 rund 73 Billionen Dollar ausmacht. Dies zeigt die Größenordnung der in Gang befindlichen Spekulationsbewegungen.

 

Wir brauchen neue Rahmenbedingungen gegen den Hochfrequenzhandel und können auch beim Bestehenden anfangen.

Derivatehandel kann ja auch sinnvoll sein, z.B. für Fluggesellschaften, wegen des Ölpreises.

Wir brauchen große politische Visionen.

 

Richard Werner studierte 12 Jahre lang das japanische Wirtschaftssystem, konnte Probleme im Voraus erkennen und erklären, da er die Machenschaften der Zentralbanken und ihren Enfluß auf den Bankkredit analysierte. Geld sollte für echte, positive Werte geschöpft werden. Es gibt Probleme, wenn Geld für noch mehr schädlichen Konsum oder für das Recht Vermögenswerte zu kaufen geschöpft wird. Letzteres schafft die Blasen und Bankenkrisen.

Durch Kreditschulden für Finanztransaktionen muss der Preis der Ware ansteigen. Es kommt zur Pyramidensituation - sobald der Preis stoppt, bricht alles zusammen. Bisher haben Zentralbanken diese Zyklen erzeugt, doch könnte Kreditlenkung, z.B. durch ein Verbot für unproduktive Geldschöpfung, diese Blasen und Krisen leicht vermeiden und stattdessen könnten echte Werte finanziert werden. Warum wird das so nicht gemacht?

40% der Kreditausweitung in Spanien und Irland gingen nicht ins BP!

Wurden Krisen bewusst erzeugt? Der heutige Negativzins macht die Kleinbanken kaputt, den Großbanken geht es gut, weil sie spekulieren können. Bezüglich Lösungen erklärte Prof. Werner, dass man die Geldproduktion und –Verteilung in die Hand der Bürger geben müsse, was am Besten in Deutschland durch die 1500 Genossenschaftsbanken und Sparkassen umgesetzt wurde - daher viele Kredite an kleine und Mittelständische Unternehmen und wenig Spekulationskredite in Deutschland, warum in den letzten 80 Jahren auch keine Finanzblase und einheimische Bankenkrise in Deutschland stattfand. Prof. Werner warnte vor Abschaffung des Bargelds, Abschaffung der Bankkreditschöpfung und Einführung von zentralem ‚Vollgeld‘, da dies die Macht der Zentralbanken erhöht, die planen, das Geldmonopol zu erhalten und uns einen Geld-Mikrochip unter die Haut zu pflanzen, was sie mit der Einführung des ‚uneingeschränkten Grundeinkommens‘ verkaufen möchten.

 

Die Frage nach dem „Feind“ führte in einem Pausengespräch zur Gegenfrage: „Ist er überhaupt ein Mensch?“

Es gibt Hinweise darauf, dass er die Ersatzbefriedigung jener Menschen ist, welche den Sinn ihres Lebens, auf Grund ihrer unvorstellbar großen Vermögen, in ihrer Überlegenheit gegenüber der Politik sehen und diese erhalten möchten. 

 

Marianne Schallhas ging auf das vom Moderator Alfred Strigl zitierte Wort von Hölderlin ein: 'Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch'. Es gibt bereits eine Reihe zukunftsweisender Reformvorschläge für ein friedensfähigeres Geldsystem. Diese sollten dringend wissenschaftlich ausgewertet und weiterentwickelt werden. Wünschenswert wäre ein subsidiäres Geldsystem, das sowohl auf die Bedürfnisse der Regionen wie auch auf die Erfordernisse im nationalen und globalen Bereich abgestimmt ist. Frau Schallhas ging anhand des 'Gewaltdreiecks' des Friedensforschers Johan Galtung auch auf Strategien zur Überwindung von direkter, kultureller und struktureller Gewalt ein (nachzulesen z.B. im Ausstellungsführer "Segen und Fluch des Geldes" auf www.arge-gerecht-wirtschaften.at) und verwies auf den "Movement Action Plan" von Bill Moyer (https://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/kampagnen-und-aktionen/phase-ii-die-analyse/exkurs-der-movement-action-plan/). Wir brauchen Mut zur Utopie, sollten mehr anstreben, als erreichbar zu sein scheint.

 

Podium zur Vorstellung der Monetative

 

Das „Vollgeldkonzept“ – Geldschöpfung als Privileg des Staates, wurde von Dr. Raimund Dietz, Monetative A, Thomas Betz, Monetative D und Ewald Kornmann, Vollgeld Schweiz vorgestellt. Siehe www.monetative.at  www.monetative.de  www.vollgeld.ch

Raimund Dietz und Thomas Betz ergänzten einander in der Darlegung.

Geldschöpfung ist ein außerökonomischer Akt. Daher steht sie nur dem Souverän – einer unabhängigen Zentralbank – zu. Sie sollte dem Gemeinwohl verpflichtet, aber absolut unabhängig agieren (wie etwa der Verfassungsgerichtshof) und in den Rang einer vierten Macht im Staate, neben die Legislative, Exekutive und Judikative gehoben werden. Wirtschafts­subjekte, auch Banken, sollen nur normale Geldgeschäfte – Kauf und Verkauf, Kredit und Investments – auf ihre Verantwortung betreiben. Dabei soll jedoch kein Geld entstehen. Geldschöpfung und Geldverwendung würde dann getrennt sein. Das würde das ganze Finanzsystem beruhigen und auf ein vernünftiges Maß zurückführen.

Geld muss in einer bestimmten Menge vorhanden sein. Daher muss es von irgendwoher kommen. Modernes Zeichengeld (Papier- und Buchgeld) kann faktisch kostenlos und unbegrenzt geschöpft werden. Wer, wenn nicht der Souverän, soll für die Steuerung der Geldmenge verantwortlich sein? Außerdem: Die Schöpfung von Zeichengeld führt zu einer kostenlosen Kaufkraftaneignung. Dieses Vorrecht steht nur dem Souverän zu. Die Instabilität der historischen Geldsysteme beruht vor allem darauf, dass diese Grundregel nicht eingehalten wird. Das heutige Geldsystem ist gespalten. Das eigentliche, legale Geld (Banknoten und Münzen) macht nur mehr Bruchteile aus. Über 90% der Geldmenge sind Buchgeld, geschaffen von Banken.

Daher ist die Geldschöpfungsmacht, die nur dem Souverän – einer unabhängigen, und demokratisch zu legitimierenden Institution zusteht, den Geschäftsbanken zugefallen.  Mit schlimmen Folgen, wie die Finanzkrise, die noch lange nicht überwunden ist.

Unter Vollgeldbedingungen wäre das Geld (M1) völlig sicher. Das Geld würde schuldenfrei in die Wirtschaft kommen, die Gesellschaft würde viel weniger von Schulden bedrückt sein. Dem Staat, nicht den Banken, würde der Geldschöpfungsgewinn zufallen. Beim Übergang des alten zum neuen System würde ein Geldschöpfungsgewinn anfallen, der so hoch wäre, dass ein Großteil der Staatschulden getilgt werden könnte. Banken würden wie bisher agieren. Vollgeld bedeutet keine Zentralisierung des Kreditwesens! Es sei mit den liberalen Grundsätzen einer Gesellschaft voll kompatibel.

Das Konzept erfreute sich zunehmenden Interesses. Es gibt bereits in mehr als 25 Ländern eine Vollgeldbewegung.

Raimund Dietz auf die Frage zur Sicherheit von Sparguthaben und anderen Geldvermögen: Diese seien nie ganz sicher, weil die Zukunft nicht sicher ist.

 

Ewald Kornmann (Schweiz) erzählte von der Vollgeld Initiative Schweiz: In der Schweiz haben sich ca. 130.000 Menschen für dieses Konzept ausgesprochen. Es wird bald zu einer Volksabstimmung kommen. Es gibt hier 55 Mitarbeiter, ehem. Politiker, Leute aus dem IT- und auch Bankenbereich. Man hat sich tolle Ideen einfallen lassen, um das Konzept unter die Leute zu bringen. Man ließ z.B. ein aufblasbares riesiges rotes Sparschwein mit der Aufschrift: „Nur echte Franken für mein Konto!“ durch die Landschaften schweben.

Das gesamte Protokoll finden Sie hier.

 

 

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Nachruf auf Stephen Zarlenga (1941 - 2017)

Am 25 April verstarb Stephen Zarlenga in seinem Haus in Chicago. Er war auf dem Weg der Besserung nach einer Hirnoperation im Jahr zuvor, aber es stellten sich doch Komplikationen ein.

Mit Stephen verliert die neuere amerikanische und internationale Geldreformbewegung einen ihrer Wegbereiter und profiliertesten Köpfe. 1996 gründete er zusammen mit Lucienne DeWulf das American Monetary Institute (AMI), dessen Direktor er seither war. Die von ihm organisierten jährlichen Monetary Reform Conferences am Chicago University Center sind Legende. Sie waren – und bleiben hoffentlich – ein Treffpunkt von Geldsystemanalytikern und Reformern aus den USA, Europa und anderen Ländern, Leuten unterschiedlicher fachlicher Funktion in Wissenschaft, Finanzpraxis und Politik, und jeden Alters.

Stephen wurde 1941 in Chicago als Kind italienischer Einwanderer geboren. Nach Beendigung des Studiums an der University of Chicago 1963 bereiste er zunächst Europa und arbeitete dann in den USA über drei Jahrzehnte als institutioneller Anleger im Versicherungs-, Fonds- und Immobiliengeschäft.

In den 1990ern wandte er sich vom Investment Business ab, um sich der Finanzwissenschaft und besonders der Geldgeschichte zu widmen. 1999 erschien sein Hauptwerk, zuerst auf Deutsch in Zürich unter dem Titel Der Mythos vom Geld, die Geschichte der Macht, 2002 dann die amerikanische Ausgabe The Lost Science of Money. The Mythology of Money, the Story of Power – eine faktenreiche, in hohem Maß Wissens-bildende und exzellent geschriebene Geschichtsreise von der Antike bis zur Gegenwart.

Während der 2000er Jahre arbeitete Stephen vor allem an einer Geldsystemanalyse auf der Höhe der Zeit und der Entwicklung eines dementsprechenden Reformansatzes für die USA, anfänglich noch beeinflusst von den Ideen einer 100%-Reserve aus den 1930ern, bald aber im Sinn des heutigen Vollgeldansatzes jenseits des Reservebanking.

Das Ergebnis war der Entwurf des N.E.E.D. Act (National Emergency Employment Defense Act, HR 2990). Vorgesehen ist darin erstens die Verstaatlichung der immer noch privaten Federal Reserve der USA und ihre Weiterführung als eine National Monetary Authority (dt. Monetative), zweitens die Ersetzung des Bankengiralgeldes durch das Vollgeld dieser Monetative, dadurch drittens die Ablösung des heutigen geteilten Geldkreislaufs – einerseits unter Banken mit Reserven, andererseits unter Nichtbanken mit Giralgeld – durch einen allgemeinen Vollgeldkreislauf, sowie viertens die Inumlaufbringung neuen Geldes u.a durch umfangreiche öffentliche Infrastruktur-Investitionen. Fünftens sollte die einmalige Konversions-Seigniorage dazu dienen, die US Bundesschulden abzubauen. Der N.E.E.D. Act steht damit in einer Linie mit dem Reformprogramm des Vereins Monetative, der Londoner Positive Money und anderer Geldreform-Initiativen. Zwischen Stephen und diesen bestanden über die Jahre hinweg freundschaftliche Beziehungen.

Im Sept 2011 wurde der N.E.E.D. Act vom Demokratischen Kongressabgeordneten Dennis Kucinich aus Ohio ins Repräsentantenhaus eingebracht. An diesem Prozess wie schon der Ausarbeitung des Plans war auch Jamie Walton beteiligt. Kaoru Yamaguchi unternahm eine System Dynamics Modellierung des N.E.E.D. Act. Der Gesetzesentwurf wurde von vielen Abgeordneten unterstützt, eine schließliche Abstimmung blieb jedoch aus.

Stephen hinterlässt eine große schmerzliche Lücke. Es bleibt zu hoffen, dem Freundes- und Kooperantenkreis des AMI möge es gelingen, Stephen's Werk für eine Vollgeldreform in Amerika auf noch verbreiterter Grundlage fortführen.  

Joseph Huber

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Ergebnisse unserer Umfrage zu Arbeitsschwerpunkten von Monetative e.V.

Im April 2017 hatten wir bei Mitgliedern und Unterstützern eine Umfrage zu Schwerpunkten unserer Arbeit durchgeführt. Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:  Als Spitzenreiter bei den Schwerpunkten unserer Arbeit wurden zwei Themen gewählt: „Bildungsarbeit mit gut verständlichen Erklärungen über das Geldsystem“ und „Das Thema in die Medien bringen“.

Die beiden Forschungsthemen, die das meiste Interesse weckten waren „Auswirkungen von Vollgeld auf das Eurosystem“ und „Demokratisierung von Zentralbanken“.

Das politische Thema, das die Befragten am meisten besorgte, waren die extremen Vermögensunterschiede in unserer Gesellschaft, auf Platz zwei folgte der Klimawandel und die Zerstörung unserer Umwelt.

Wie wahrscheinlich sind konkrete Schritte Richtung Vollgeld in den nächsten Jahren: Das schätzten die Befragten sehr unterschiedlich zwischen „sehr optimistisch“ und „sehr pessimistisch“ ein (mit einem pessimistischen Übergewicht), die meisten Teilnehmer lagen ungefähr in der Mitte. Die genauen Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Als eine Konsequenz dieser Umfrage wird sich unsere nächste Jahrestagung in Frankfurt/Main am 11.11.2017 mit dem Thema „Vermögensverteilung und Geldschöpfung –  Zusammenhänge und Reformvorschläge“ (Arbeitstitel) befassen. Wer dazu etwas einbringen will bzw. interessante Referenten kennt, soll bitte mit uns in Kontakt treten (mail@monetative.de).  

Klaus Karwat

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.