Bericht zum internationalen Geldreformer-Treffen in Berlin

Stan Jourdan, der bisherige INternationale Koordinator

Stan Jourdan, der bisherige INternationale Koordinator

Vergangenes Wochenende, vom 17.-19. Februar haben wir in Berlin ein Treffen der internationalen Geldreformbewegung (International Movement for Monetary Reform = IMMR) ausgerichtet und möchten in diesem Blogbeitrag von den Inspirationen, Erfolgen und Begegnungen berichten.

Der Hintergrund:

Ein erstes IMMR Treffen hatte genau ein Jahr zuvor in Brüssel stattgefunden, ausgerichtet von unserer Schwesterorganisation Positive Money zum Weitergeben ihrer Erfahrungen und Erfolgspraktiken (hier ein Bericht dazu). Generell hatte Positive Money als wohl größte und bedeutendste Vollgeldbewegung in den letzten Jahren die Führung übernommen, das IMMR errichtet und vor anderthalb Jahren Stan Jourdan als internationalen Koordinator eingestellt. Bedauerlicherweise war die Finanzierung für Stans Stelle jedoch mittlerweile ausgelaufen und er mit anderen Aufgaben vollauf beschäftigt. Dazu kam, dass ihm alleine im Prinzip die Legitimation fehlte, Entscheidungen im Namen des IMMR zu treffen, etwa bezüglich der Aufnahme neuer Mitgliedsländer. Daher stand das IMMR zuletzt vor großen Unsicherheiten und strukturellen Problemen. Da jedoch bisher kein zweites Treffen in Sicht war, hatten wir uns als Monetative e.V. entschieden, vor diesem Hintergrund selber die Initiative zu ergreifen und ein zweites IMMR Vernetzungstreffen in Berlin auszurichten.

HerkunftsLänder der Teilnehmer

HerkunftsLänder der Teilnehmer

Ziel des Treffens war somit einerseits das gegenseitige Kennenlernen und Vernetzen aber andererseits vor allem auch der Aufbau stärkerer Strukturen der internationalen IMMR Dachorganisation und dazu die Errichtung einer "Core Group", die dies koordiniert.
Gut 40 Teilnehmer aus über 20 Ländern nahmen schließlich an dem Treffen teil. Die meisten kamen aus dem Euroraum, aber es gab auch Vertreter aus ferneren Ländern wie Südafrika, Israel oder den USA.

Verlauf und Programm:

Das Programm begann Freitag Nachmittag mit mehreren kurzen Impuls-Kurzvorträgen zu verschiedensten Themen und Ideen. Lars aus Schweden berichtete beispielsweise von erfolgreichen Treffen mit der schwedischen Riksbank, die dadurch angeregt nun das Thema digital cash proaktiv aufgreift. Joseph Huber stellte sein neues Buch „Sovereign Money“ vor. Angela aus Spanien zeigte künstlerische Grafiken, um damit Menschen für das Thema Geldreform zu erreichen und Luuk aus den Niederlanden stellte deren brandneues Gesellschaftsspiel „The Money Makers“ vor, in dem die Mitspieler sich in die Rolle von Banken begeben, die wild spekulieren und dabei schließlich eine Finanzblase entstehen lassen. Ein Exemplar hatte er auch dabei, das an den Abenden intensiv bespielt wurde und sehr viel Begeisterung und auch Erkenntnisgewinn unter den Spielern hervorrief. In den nächsten Monaten soll das Spiel auch auf Deutsch und Englisch übersetzt werden und wir können es kaum erwarten, auch in Deutschland bald Exemplare zu verkaufen und zu bespielen!

Nach den Impulsvorträgen verbrachten wir den Rest des Abends mit einer Vorstellungsrunde, in der die verschiedenen Gruppen von ihrem Stand, ihren Herausforderungen und Erfolgen berichteten. Dabei war es sehr interessant, die Verschiedenartigkeit der Gruppen und der Teilnehmer wahrzunehmen. Von jung bis alt, Wissenschaftler über Künstler war es sehr spannend, die verschiedenen Herangehensweisen der Gruppen an das Thema Geldreform zu beobachten. Gerade die Diversität der Gruppen bietet natürlich extrem viel Potenzial für Vernetzung und Austausch der jeweiligen Stärken.

Abschließend spielte Stig aus Dänemark mit seiner Gitarre noch ein selbstkomponiertes Lied über Banker und den Wahnsinn des Geldsystems, ein wirklich stimmiger Abschluss für den ersten Tag!

Der Samstag begann mit einer offenen Fishbowl-Diskussion zur Zukunft des IMMR und den diversen Bedürfnissen, Herausforderungen und Ideen der Anwesenden. Nach diesem sehr offenen Format ging es nach dem Mittagessen weiter in Kleingruppen, in denen verschiedene Punkte diskutiert wurden, wie etwa die Kriterien für die Aufnahme neuer Mitgliedsländer, die Errichtung einer „Core Group“ als Quasi-Vorstand oder auch die Verabschiedung einer offiziellen IMMR Charta. Die Ergebnisse der Kleingruppen wurden dann zusammengeführt und in Fokusgruppen zu den jeweiligen Themen vertieft, um konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Am späteren Nachmittag gab es verschiedene „Open Spaces“, um sich entweder ganz anderen Themen und Ideen zu widmen oder um die Arbeit der Fokusgruppen weiter zu vertiefen. Nach einem langen Arbeitstag und dem Abendessen war es schließlich Zeit für etwas Unterhaltungsprogramm. Dafür hatten wir einen professionellen Zauberer engagiert, der im Gegensatz zu den Geschäftsbanken, die ja „nur“ Giralgeld schöpfen können, sogar echtes Bargeld aus dem Nichts zaubern konnte. Da staunten die Teilnehmer nicht schlecht!

Danach ließen die meisten den Abend gemütlich bei einem Kneipenbesuch und etwas Bier ausklingen oder spielten das „Money Makers“ Brettspiel. Lediglich die Fokusgruppe zur „Core Group“ arbeitete noch länger weiter und diskutierte deren Ausgestaltung und Aufgabenprofil.

Am Sonntag morgen wurde als Ergebnis ein konkreter Vorschlag für die „Core Group“ vorgestellt und nach einer angeregten Diskussion schließlich beschlossen! Daraufhin wurden die sieben Mitglieder der Core Group über ein sehr interessantes Konsent-Verfahren gewählt, darunter Vertreter aus Island, Schweden, den Niederlanden, Südafrika, Griechenland, Kroatien und auch ich, Lino Zeddies aus Deutschland.

Die frisch gewählte IMMR Core Group

Die frisch gewählte IMMR Core Group

Als die Core Group endlich stand, machte sich große Erleichterung und Begeisterung breit, denn deren Errichtung war eines der Hauptziele des Treffens gewesen und machte nun den Weg frei für eine erfolgreiche Zukunft des IMMR.
Während daraufhin sogleich das erste Treffen der Core Group stattfand, gab es für die anderen noch einmal „Open Spaces“ für verschiedenste Themen von Geldreform in der Eurozone über den gemeinsamen Aufbau von Datenbanken bis Social Media. 
Daraufhin wurden Ideen aus der ersten Core Group Sitzung zur Aufnahme neuer Mitgliedsländer präsentiert und von den Anwesenden auch gleich noch die Aufnahme einer Gruppe aus Italien ins IMMR offiziell beschlossen und gefeiert!

Abschluss, Fazit, Ausblick

Zum Abschluss fand im Stuhlkreis eine kurze Abschlussrunde zu Nachgedanken und Fazit des Treffens statt („I’m looking forward to looking back to this meeting“) sowie eine kleine Aufstellung im Raum unter anderem hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit, der Erschöpfung und dem Optimismus für die Zukunft des IMMR. Das Ergebnis: Alle waren mit dem Treffen sehr zufrieden, die Erschöpfung war sehr unterschiedlich (vor allem bei den Organisatoren aber ganz erheblich) und alle waren höchst optimistisch hinsichtlich der Zukunft des IMMR. Ein fantastischer Abschluss - mehr hätten wir uns als Ausrichter des Treffens wohl kaum wünschen können!

Erfreulich war auch noch, dass dank solidarischer, selbst-bestimmter Geldbeiträge der Teilnehmer am Ende des Treffens die Finanzen genau ausgeglichen waren und unser Verein somit auf keinen ungeplanten Kosten sitzen bleibt. Auch dies war ein schöner Ausdruck der erfolgreichen, solidarischen Zusammenarbeit und des Vertrauens. Zudem hatte es sehr gut funktioniert, viele der Teilnehmer in die Organisation vor Ort durch Freiwilligenteams einzubinden (z.B: Kaffee & Tee bereitstellen, Geschirrspüler ausräumen, Pausen/Zeit überwachen). Dies sparte nicht nur zusätzliche bezahlte Helfer ein, sondern förderte auch das Gemeinschaftsgefühl. Und zu guter Letzt hatten die verschiedenen interaktiven und teils selbstorganisierten Diskussionsformate und Methoden (Fishbowl, Open Spaces, Konsent-Wahl…) hervorragend funktioniert und das volle kreative Potenzial der Gruppe entfalten können.

Das Treffen war somit ein voller Erfolg und hinterlässt uns mit vielen neuen Impulsen und frischer Motivation. Wir sind höchst gespannt, was die nächste Zeit für die internationale Geldreformbewegung bringen wird und welche Überraschungen, Ideen und Erfolge auf uns warten. Bei dem positiven, kreativen Potenzial, das sich auf der ganzen Welt zum Thema Geldreform versammelt hat, sind wir jedoch voller Optimismus, dass ein neues, besseres Geldsystem im Dienst der Menschheit möglich und erreichbar ist!

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.