Der nächste Ex-Zentralbanker für Vollgeld

In einem wunderbar alltäglich geschriebenen Kommentar in der Zeitung El Mundo kritisiert Carlos Arenillas, der Ex-Vizepräsident der spanischen Börsenaufsicht und ehemaliges Direktoriumsmitglied der spanischen Zentralbank, die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken und plädiert für ein Vollgeldsystem. Vereinsmitglied Manfred Freund hat den tollen Artikel für uns übersetzt, sodass wir Ihn hier in ganzer Länge veröffentlichen können:

Mein Geld auf einem Zentralbankkonto

Carlos Arenillas

“Warum darf ich kein Bankkonto bei der Zentralbank eröffnen?” Diese Frage stellte mir vor einigen Monaten ein Freund nach der Krise der spanischen Groβbank “Banco Popular”, die ihm einige schlaflose Nächte bereitet hatte. Ich brauchte einige Zeit, ihm zu antworten. Im Folgenden fasse ich kurz zusammen, was ich ihm erwiderte:

Ich sagte ihm, dass wir heutzutage bedauerlicherweise kein Bankkonto bei der Zentralbank eröffnen können, weil die Bankenregeln es nicht zulassen. Wenn allerdings wir Normalkunden und die Unternehmen das Geld auf ein Zentralbankkonto einzahlen könnten, wäre es nominal 100 % sicher (nicht inflationsbereinigt). Zudem würde sich die Anzahl an Bankenkrisen stark verringern und natürlich auch die anfallenden Kosten, die am Ende auf uns alle abgewälzt werden. Unser gegenwärtiges Geldsystem, und soweit ich es beurteilen kann, das der ganzen Welt, ist insoweit eigentümlich, als dass entgegen der Meinung vieler Menschen die Schöpfung des Geldes und seine Verteilung zum allergröβten Teil privatisiert ist: es sind hauptsächlich die Geschäftsbanken und nicht der Staat oder die Zentralbanken, die diese wichtige wirtschaftliche und soziale Funktion übernommen haben.

Es ist schon richtig, dass der Staat durch seine Zentralbank das Monopol auf die Ausgabe der Geldscheine und Münzen besitzt, was allerdings lediglich 10 % der gesamten Geldmenge in entwickelten Volkswirtschaften ausmacht. Die restlichen 90% sind “Einlagen” bei den Banken in Form von Buchungseinträgen in Computern. “Wer hat nun dieses elektronische Geld hergestellt?”, fragte mich mein Freund. Ich antwortete ihm, dass es fast ausschlieβlich die Geschäftsbanken selbst seien, die es schöpfen würden.

“Definiere mir, was Geld ist”, bat er mich. Ich entgegnete ihm: Das zu jeder Zeit verfügbare Geld in einem Land sind die in Umlauf befindlichen Geldscheine und Münzen, dazu unsere Depositen auf den Banken. Die Geldmenge ist der entscheidende Faktor für ein gesundes Wachstum zum Wohle aller. Das Geld wird auf zwei Arten geschöpft. Die eine ist: Das Geld kommt von der Zentralbank, wenn diese Bargeld druckt (Geldscheine und Münzen) und wenn sie elektronisches Geld schöpft, um es den Banken zu leihen (Reserven) oder, wie sie seit einiger Zeit tun, um öffentliche und private Anleihen zu kaufen (das sogenannte Quantitave Easing). Die andere ist: Das Geld wird von den Geschäftsbanken erzeugt, und zwar immer dann, wenn sie einen Kredit vergeben (mein Freund schaute mich nun recht fassungslos an). Umgekehrt wird auch Geld vernichtet, und zwar immer dann, wenn der Kredit zurückgezahlt wird oder wenn die Zentralbank den Finanzmärkten Liquidität entzieht oder Geldscheine und Münzen aus dem Verkehr ziehen sollte.

Sowohl die 10% an Bargeld als auch die 90% elektronisches Geld werden als Geld angesehen, und das, obwohl sie nicht das Gleiche sind. Und nun aufgepasst: Die Existenz des Bargeldes und des elektronischen Geldes, das die Banken auf Zentralbankkonten halten, wird vollständig vom Staat garantiert, zumindest in ihrem nominalen Wert, während die übrige, viel gröβere Geldmenge ein ganz anderes Dasein fristet. Und dieser Unterschied ist besonders wichtig, weil es das System unstabil und krisenanfällig macht. Man könnte sagen, dass das erstgenannte Geld sicher, während das zweite unsicher, damit minderwertig ist, letzteres hängt nämlich vom Wohl und Wehe der Banken ab.

Zugegeben, seit der letzten groβen Banken- und Finanzkrise von 2008 besteht die Zusicherung von seiten des Staates, die Einlagen jedes Kontoinhabers bis 100.000 € im Falle der Insolvenz einer Bank garantieren zu wollen. Allerdings deckt diese Summe bei weitem nicht das ganze elektronische Geld, das die Geschäftsbanken produziert haben. Zudem bedeutet dies eine groβe öffentliche Hilfe, zu der die Banken selbst wenig beitragen. Kein Privatsektor kann mit einer ähnlich groβen Unterstützung rechnen. An dieser Stelle bemerkte mein Freund, der weiterhin recht fassungslos dreinschaute, dass alles, was ich ihm erzählte, nicht gerade sehr beruhigend sei.

Das ist aber noch nicht alles, warnte ich ihn. Da das meiste umlaufende Geld von den Geschäftsbanken mittels eines Kredites erzeugt wird, ist dieses Geld mit Schuld und einem darauf fälligen Zins verbunden. Mach dir klar, sagte ich meinem Freund, dass das vom Staat geschöpfte Bargeld zinslos geschöpft wird, während auf das von den Geschäftsbanken erzeugte elektronische Geld Zinsen zu zahlen sind. Geschäftsbanken sind Privatunternehmen, die darauf aus sind, ihren Gewinn zu maximieren. Ihr Ziel ist es, so viele Kredite wie möglich zu vergeben (sie schaffen Geld und damit gleichzeitig Schulden), wobei sie der Nachfrage nach Krediten einzig und allein nach ihrem freien Ermessen nachkommen, ohne dabei allerdings die Bankenregularien missachten zu können. Darüber hinaus ist ihr Anspruch, die Anzahl säumiger Schuldner so gering wie möglich zu halten. Gleichwohl lässt sich feststellen, dass sich Bankenkrisen fast immer nach Perioden starker Kreditexpansion ereignen. In den Jahren vor Ausbruch der letzten Krise wuchs die Kreditrate um ein Vielfaches im Vergleich zum nominalen Bruttosozialprodukt, was das Problem der Überschuldung der Volkswirtschaften zur Folge hatte. Das geht solange gut, bis, wie es stets geschehen ist, der Zusammenbruch folgt.

Viele der schwerwiegenden, durch dieses Geldsystem verursachten Probleme versucht man dadurch abzuschwächen, dass man eine enorme Anzahl an komplexen Regulierungen für Banken erstellt, dazu Interventionen der nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden durchführt sowie den Banken staatliche Hilfe leistet, sowohl finanzieller Art als auch in Wettbewerbsfragen (die Zahl der Banken nimmt ab, dafür werden die verbleibenden stets gröβer und mächtiger). Angesichts der Ergebnisse waren und sind die Regulierungsanstrengungen aber von sehr zweifelhafter Natur. Die Folge ist, dass Regierungen, Aufsichtsbehörden und Unternehmen sowie wir Bürger fast ständig um das Wohl und Wehe der Geschäftsbanken besorgt sein müssen: Im derzeitigen Geldsystem ist es nämlich leider so, dass wir ernste Probleme bekommen, wenn die Banken kein Geld mehr verdienen.

Die Geschäftsbanken erzeugen nicht nur das Geld, auf das die Gesellschaft so dringend angewiesen ist und das als Kredit und damit Schuld geboren wird, sondern entscheiden auch nach ihrem eigenen Ermessen, wer Kredit bekommt. Dabei beweisen sie immer wieder, dass ihre Entscheidungen fehlerhaft sind, wie die Immobilienkrise mehr als deutlich gezeigt hat. Wir leben in einem unstabilen Geldsystem, das darüberhinaus auch noch ungerecht ist.

Wenn nun die Geldschöpfung, also alles Geld, sowohl das Bargeld als auch das elektronische Geld, in die Hand des Staates und seiner Zentralbank überginge, hingen wir nicht so sehr von der Gestimmtheit des Bankensektors ab, damit Geld in die Wirtschaft flieβen kann. “Wem würde aber dieses neue Geld übergeben, das dann die Zentralbank schöpft?”, fragte mein Freund, mich nun mit ganz wachen Augen ansehend. Ich lieβ ihn wissen, dass wir diese Frage lieber einen anderen Tag behandeln würden, doch könnte man das Geld dem Staat zu seiner Verwendung übergeben oder den Bürgern als Dividende überlassen, möglich ist auch eine Mischung von beidem. Daraufhin sagte mir mein Freund, dass ihm die Situation, in der wir uns befinden, so erscheinen würde, als ob der Staat zum Beispiel die Strafjustiz privaten Einrichtungen übertragen hätte und nicht mehr den Richtern, und die Bürger wären zudem verpflichtet, für deren Dienst zu zahlen. Ich erwiderte ihm, dass das nicht unbedingt das Gleiche wäre, aber sein Vergleich wäre auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Am Ende unseres langen Gespräches schien es mir, als ob mein Freund die Zusammenhänge schon ein bisschen besser verstehen würde, dennoch blieb seine Besorgnis bemerkbar. Ich hoffe, dass er das Interesse an seiner Frage nicht verlieren wird, dazu ist sie wirklich zu wichtig. Er verabschiedete sich schlieβlich mit einer ganzen Reihe weiterer Fragen: “Warum ändert man nichts an dieser Situation und erlaubt mir, ein Konto bei der Zentralbank zu eröffnen? Warum können nur die Banken sicheres Geld bekommen, während alle anderen mit unsicherem Geld auskommen müssen? Warum findet nicht einmal eine Debatte darüber in der Öffentlichkeit statt?” Das sind wirklich gute Fragen, antwortete ich ihm. Ich empfahl ihm noch einige lesenswerte Bücher, Artikel und Videos zum Thema und machte ihm den Vorschlag, uns demnächst für ein weiteres Gespräch zu treffen.

Carlos Arenillas ist Ökonom, ehemaliger Vizepräsident der spanischen Börsenaufsicht und ehemaliges Direktoriumsmitglied der Spanischen Zentralbank.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Klaus Karwat im Gespräch mit NachDenkSeiten

Unser Vorstandsmitglied Klaus Karwat spricht in einem Interview für den Gesprächskreis der NachDenkSeiten mit Ulrike Sumfleth über eine effektive Regulierung des Finanzmarktes, die Rolle der Zentralbank im Vollgeldsystem und die Chancen, das gegenwärtige System zu reformieren: "Es braucht immer einen speziellen Anlass, über alternative Ideen zu berichten. Ein solcher Anlass könnte jetzt die Schweizer Volksabstimmung über Vollgeld im Juni 2018 sein.“

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Die Schweizer stimmten schon 1891 für Vollgeld

Unsere Vorstandsmitglied Eberhard Gamm erinnert in einem lesenswerten Aufsatz über die Zusammenhänge von Bargeld, Giralgeld und Vollgeld daran, dass die Schweizer 1891 schon mal über Vollgeld abgestimmt haben: Damals verboten sie den Druck von privaten Banknoten, denn sie hatten die Nase voll von finanziellen Eskapaden aufgrund privater Geldschöpfung.
Ein Zitat aus dem Aufsatz von Eberhard Gamm, S.8: "... ist die Volksabstimmung am 10.6.2018 in der Schweiz keine Premiere, sondern eine Wiederholung. Die gestellte Frage wurde von den Bürgern der Schweiz schon einmal „souverän“ beantwortet. Die Schweiz ist damals auch nicht „untergegangen“. Entsprechend wenig überzeugend wirkt die Schwarzmalerei der Gegner der Schweizer Vollgeld‐Initiative. Bange machen gilt nicht."

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Internationale Finanzexperten für Vollgeld

Montag, den 5.2.2018 fand eine international hervorragend besetzte Konferenz über "Geldschöpfung in der modernen Wirtschaft" am Gottlieb Duttweiler-Institut GDI in Rüschlikon bei Zürich statt. Anlass war die am 10. Juni 2018 anstehende Vollgeld-Abstimmung  in der Schweiz. Eine ganze Reihe renommierter internationaler Experten sprachen sich dort für Vollgeld aus. Lesen Sie hier einen Bericht von Christoph Pfluger über die interessante Konferenz.

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Nachruf auf Prof. Hans Christoph Binswanger

Nachruf auf Prof. Hans Christoph Binswanger

Der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger ist am 18.01.2018 in St. Gallen gestorben. Hansruedi Weber, der Vorsitzende des Schweizer Vollgeld-Vereins "Monetäre Modernisierung" (MoMo) und Mitbegründer der Schweizer Vollgeld-Initiative schrieb folgenden Nachruf:

Mit H.C. Binswanger ist ein großer Ökonom und Humanist gestorben. Seine umfassende kulturelle Bildung ermöglichte ihm einen unorthodoxen Blick auf sein Fachgebiet. Als souveräner Analytiker gehörte er sowohl zu den ersten ökonomischen Vertretern der Nachhaltigkeitsbewegung als auch zu den kompetentesten Kritikern der Wirtschafts- und Geldtheorie. Letzteres war seinerzeit der Grund, warum sich die Initianten der Schweizer Vollgeld-Initiative an ihn wandten und in ihm einen klar denkenden und unbestechlichen Berater fanden.

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Jens Weidmann: Sicheres Geld für die Bürger gefährdet die Finanzstabilität!

In einem Artikel in der Wirtschaftswoche warnt Bundesbankpräsident Jens Weidmann vor BitCoin, schließt ein Verbot aber aus. Viel interessanter ist allerdings Weidmanns Aussage zu digitalem Geld der Zentralbanken:

"Der Bundesbank-Präsident setzte nun auch hinter die Idee ein Fragezeichen, als Notenbank eigenes digitales Geld herauszugeben: „Digitales Notenbank-Geld ist ja nichts anderes, als ein Konto bei einer Notenbank zu haben.“ Für Bürger sei das zwar sehr sicher. Spätestens in Krisenzeiten wäre dies allerdings eine Gefahr für die Finanzstabilität, da Kunden ihr Geld dann von den Geschäftsbanken abziehen und zur sicheren Notenbank umziehen würden."

Man kann den Bürgern also kein sicheres Geld geben, weil das die Finanzstabilität gefährdet. Eine schönere Beschreibung der Perversität des heutigen Geldsystems kann man sich kaum wünschen. Herr Weidmann, vielen Dank für diese Klarstellung!

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Bericht Jahrestagung 2017 "Geld. Macht. Ungleich."

Bericht Jahrestagung 2017 "Geld. Macht. Ungleich."

„Geld.Macht.Ungleich – Spaltet die Geldordnung unsere Gesellschaft?“ war am 11./12. Nov. 2017 das Thema unserer diesjährigen Jahrestagung im Frankfurter Ka Eins, die traditionell im herbstlichen November an Geldsystem und Geldreform Interessierte zu uns führt. In diesem Jahr zum 6. Mal und bereits zum 3. Mal in Frankfurt mit gut 70 Teilnehmenden (Flyer hier).
Wir wollten das Thema Geld und Ungleichheit einmal nicht – wie es alle anderen machen – von der Verteilungsseite, sondern eben bereits von der Entstehungsseite her unter die Lupe nehmen: Ob und ggf. inwieweit ist schon die Konstruktion des bestehenden Geldsystems ursächlich für Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen? Liegt z.B. ein Problem darin, dass typischerweise Kredit nur gegen Sicherheiten gewährt wird, also dem, der bereits über Vermögen verfügt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der überproportionalen Zunahme der Geldmenge und der immer grösser werdenden Kluft zwischen Arm und Reich?

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Die Bilanzen der Zentralbanken sind veraltet

Claus Köhler, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank von 1974 bis 1990, schrieb schon im Jahr 1962 folgendes: "Banknoten sind ein abstraktes Zahlungsmittel. Zwar stehen sie auf der Passivseite der Bilanz der Zentralbanken und bilden damit eine Verbindlichkeit der Notenbank, jedoch schulden die Zentralbanken tatsächlich nichts. Wer einer Zentralbank einer von ihr emittierte Note vorlegt, erhält die Note gewechselt." (1) 

Der Grund dafür ist historisch: Früher waren Banknoten mit Gold gedeckt. Diese Deckung ist allerdings schon lange aufgehoben. Wir meinen dazu: Die Verbuchung von neuem Zentralbankgeld als Verbindlichkeit ist deshalb heute eine unrealistische Fiktion und muss geändert werden. Das betrifft nicht nur Banknoten, sondern auch die unbaren Zentralbankreserven, mit denen die Zentralbanken zum Beispiel ihre riesigen "Quantitative-Easing"-Programme finanzieren. 

Auch Zentralbanken sollten Geld als Aktivum verbuchen, genauso wie sie es heute schon bei Münzen machen. Dann wären ihre Aktivitäten transparenter und besser kontrollierbar. 

Klaus Karwat

(1) Quelle: Das Buch "Geldwirtschaft" von Claus Köhler, S.7. Einen Auszug des Buches, in dem auch die Bilanzierung von Münzen als Aktivum korrekt beschrieben wird, finden Sie hier.

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Können Banken "umsonst" einkaufen gehen ?

Dass die Banken selbst Geld über Kredite schöpfen können und dafür keine vorher eingezahlten Spareinlagen brauchen, ist mittlerweile durch Publikationen der Deutschen Bundesbank bestätigt. Der Autor Horst Seiffert,  der unter anderem das Buch "Geldschöpfung - die verborgene Macht der Banken" publiziert hat, weist darauf hin, dass Banken aber auch für den Eigenbedarf Geld schöpfen können und auch dafür keine vorher erwirtschafteten Gewinne brauchen. Die Bilanzierung, wie sie für normale Wirtschaftsunternehmen angewendet wird, vermittelt laut Seiffert für geldschöpfende Banken ein grundlegend falsches Bild. Vielmehr neutralisieren sich Erträge und Verluste der Banken, wenn verschiedene Banken bei ihrer Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung im Gleichschritt vorgehen: Dann gleichen sich die Forderungen der Banken untereinander weitgehend aus und alle Banken profitieren davon. So eröffne die derzeitige Bilanzierungspraxis laut Seiffert gerade großen Banken bzw. Bankengruppen weite Spielräume für Vorteilsnahme und Machtmissbrauch durch Geldschöpfung. Lesen Sie den Beitrag von Horst Seiffert hier, seine Webseite finden Sie hier.

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Inflationien

Eine Geschichte von Eberhard Gamm, vorgetragen bei der Monetative Jahrestagung 2017

Verehrte Gäste, als Bürgermeister der Stadt Inflationien heiße ich sie herzlich willkommen. Wie sie wissen, haben wir vor kurzem den Nachhaltigkeitspreis erhalten. Deshalb möchte ich sie im Folgenden mit der Geschichte unserer Stadt vertraut machen.

Da unser Stadtarchiv inzwischen mehrfach abgebrannt ist, ist über die ältere Geschichte nur wenig bekannt. Ich beschränke mich deshalb auf eine Episode, die bis heute mündlich überliefert wird. Nach der Einführung des Geldes kam es zu Streitigkeiten, weil einige Bürger immer mehr Geld und andere Bürger immer weniger Geld hatten. Der Pfarrer fragte daraufhin bei seinem obersten Vorgesetzten nach, was in einem solchen Fall zu tun wäre. Der Vorgesetzte verwies auf die von ihm autorisierte Schrift Bibel, die Anweisungen für diesen Fall enthalte. Der Pfarrer konnte die entsprechende Stelle finden und berichtete in der nächsten Stadtversammlung, dass die Bürger mit viel Geld als Reiche und die Bürger mit wenig Geld als Arme zu bezeichnen wären und dass der Vorschlag seines Vorgesetzten darauf hinaus lief, dass die Reichen den Armen etwas von ihrem Geld abgeben sollten. Dieser Vorschlag stieß bei den Reichen zunächst auf wenig Gegenliebe. Nachdem der Pfarrer kurz auf das Fegefeuer eingegangen war, lenkten sie aber ein. Der Pfarrer musste allerdings auch berichten, dass die Bibel keine konkreten Ausführungsbestimmungen enthalte. Um zu einer quantitativen Festlegung zu kommen, wurden zwei einflussreiche ausländische Gelehrte in die Stadt eingeladen. Der Erste, ein gewisser Platon, vertrat die Meinung, der Reichste solle nicht mehr als viermal soviel Geld haben wie der Ärmste. Dem widersprach jedoch der Zweite, ein gewisser Aristoteles. Er hielt ein Verhältnis von 100 für angemessen. Beide Herren bezeichneten sich als Philosophen und bestanden auf der unbedingten Gültigkeit ihrer Aussagen. Daraufhin herrschte große Verwirrung. Nach mehrtägigen Verhandlungen in der Bürgerversammlung konnte man sich auf ein Verhältnis von 12 einigen. Der Finanzminister bestand allerdings darauf, das Verhältnis auf 4 mal Pi zu ändern, da er dies leichter mit der ihm vertrauten Pi-mal-Daumen- Methode berechnen könne. Dem wurde stattgegeben. Ergänzend wurde beschlossen, keine Philosophen mehr in die Stadt einzulassen. Die Berechnungsmethode des Finanzministers hat sich auch außerhalb unserer Stadt verbreitet und ist heute unter der Bezeichnung Höhere Mathematik bekannt. Ich kann ihnen dazu nur sagen, dass es funktioniert. Seit dieser Zeit wird das Verhältnis 4 mal Pi eingehalten.

In der jüngeren Geschichte ging ein Bürger unserer Stadt ins Ausland, um eine neuartige Wissenschaft zu studieren. Als er wieder zurückkam, nannte er sich Ökonom und war sehr stolz darauf. Er hatte zahlreiche Schriften der Herren Smith, Fisher, Keynes, Friedman, Binswanger und Ackermann ausgewertet und war zu dem Schluss gekommen, dass wir unseren Wohlstand ganz einfach vermehren könnten. Er schlug ein jährliches Wachstum von 100 Prozent vor, das wir dadurch erreichen könnten, dass wir uns einmal im Jahr zur Gemeinschaftsarbeit treffen und dabei neue Sachwerte im Umfang der bereits vorhandenen Sachwerte schaffen sollten. Der Finanzminister solle seinen Anteil dadurch erbringen, dass er neue Geldscheine im Umfang der bereits vorhandenen Geldscheine anfertige. Die neuen Geldscheine sollten nach Abschluss der Gemeinschaftsarbeit an die Bürger verteilt werden. Der Ökonom hatte berechnet, dass sich dadurch ein Zustand einstellen würde, den er als Preisstabilität bezeichnete. Der Vorschlag stieß auf allgemeine Zustimmung.

Als die erste Gemeinschaftsarbeit anstand, zeigten sich jedoch Probleme bei der Durchführung. Alle Bürger waren davon ausgegangen, dass sie sich um die Gemeinschaftsarbeit drücken könnten und dass dies nicht auffallen werde. Als sich nun aber alle Bürger – mit Ausnahme des Finanzministers – nicht am Gemeinschaftsplatz, sondern im Wirtshaus trafen, schien die Sache zum Scheitern verurteilt. Der Wirt konnte die Anwesenden allerdings überzeugen, nicht vorzeitig die Flinte ins Korn zu werfen. Schon bald herrschte im Wirtshaus beste Stimmung, die sich noch steigerte, als der Finanzminister kam und das neue Geld verteilte.

Die Stimmung schlug allerdings um, als der Ökonom eintraf und erfuhr, dass keine neuen Sachwerte geschaffen worden waren. Er erklärte, dass sich nun gemäß der Theorie eines Herrn Fisher die Preise verdoppeln würden. Er nannte diesen Effekt Inflation, und diese Inflation würde uns alle in den Abgrund reissen. Es herrschte große Bestürzung. Nach kurzem Nachdenken erklärte jedoch der Geheimrat, dass die verdoppelten Preise unproblematisch wären, da wir ja nun auch doppelt soviel Geld hätten. Alle lobten den Geheimrat für diese Klarstellung, nur der Ökonom beharrte verbissen darauf, dass die Inflation gefährlich sei. Er regte sich so sehr auf, dass er an einem Herzinfarkt verstarb.

Der Vorfall wurde von einer Kommission untersucht. Aus dem 5000-seitigen Untersuchungsbericht ging hervor, dass die Inflation tatsächlich gefährlich sei, allerdings nur, wenn man sich darüber aufrege. Daraufhin schlug der Jurist vor, das Aufregen über die Inflation gesetzlich zu verbieten, um weitere Todesfälle zu vermeiden. Die Ärztekammer schloss sich diesem Vorschlag an. Der Geheimrat widersprach. Der Ökonom sei ja nun leider schon tot, und darüber hinaus habe sich ja niemand aufgeregt. Er bezeichnete die Erlassung eines entsprechenden Gesetzes als Regulierungswut und verwies auf eine ihm bekannte Stadt, in der diese Regulierungswut zum Verdruss eines ganzen Staatenbundes betrieben werde. Der Wirt hatte das auch schon gehört und wollte wissen, ob es sich um die Stadt Brüssel handele. Der Geheimrat verwies auf seine Schweigepflicht.

Seither wurde nun jedes Jahr die Gemeinschaftsarbeit angesetzt und die Geldmenge verdoppelt. Im dritten Jahr kam es zu einem ernsten Zwischenfall. Der Bäcker hatte vom Schmied im vorausgegangenen Jahr Geld ausgeliehen und nun zurückgezahlt. Der Schmied musste nun allerdings feststellen, dass er für dieses Geld vor einem Jahr 10 Brote hätte kaufen können, nun aber nur noch 5. Das war allen ein Rätsel. Den Ökonomen konnte man nicht mehr fragen, da er tot war. Der Geheimrat nahm sich der Sache an. Er setzte sich mit dem Finanzminister zusammen, und gemeinsam fanden sie heraus, dass auch die Schulden jedes Jahr verdoppelt werden müssten. Das wurde dann auch beschlossen. Nach einiger Zeit meldete sich der Finanzminister aber erneut zu diesem Thema. Er erklärte, dass die Verhältnisse anders wären, wenn wir bei der Gemeinschaftsarbeit tatsächlich neue Sachwerte schaffen würden. Außer dem Geheimrat und dem Mathematiklehrer hat jedoch niemand diesen Einwand verstanden. Der Wirt meinte, die Annahme, dass wir bei der Gemeinschaftsarbeit neue Sachwerte schaffen würden, könne als weltfremde Theorie verworfen werden. Dem stimmten alle zu. Der Jurist wies allerdings darauf hin, dass es sich bei der Sache um eine Frage des Eigentumsrechts handle und dass Eigentumsfragen sehr sensibel seien. Der Ruf nach Rechtssicherheit wurde laut. Der Jurist schlug vor, die Schaffung von Sachwerten im Rahmen der Gemeinschaftsarbeit zu verbieten. Dieser Vorschlag wurde mit Begeisterung aufgenommen. Das Gesetz wurde mit umfangreichen Feierlichkeiten verabschiedet.

Nach 10 Jahren traten erneut Probleme auf. Die Preise hatten sich inzwischen vertausendfacht. Dies führte zu Protesten bei den Einzelhändlern, die die gestiegenen Kosten für die größeren Preisschilder beklagten. Es wurde gemunkelt, dass die Inflation doch in den Abgrund führe, wie es der Ökonom vorhergesagt hatte. Es kam zu heftigen Diskussionen im Wirtshaus. Da mischte sich ein Durchreisender, der am Nachbartisch saß, in die Diskussion ein. Er sagte, sein Name sei Schacht, und er würde uns empfehlen, von allen Geldbeträgen einfach drei Nullen wegzustreichen. Das führte zu lautem Gelächter. Herr Schacht bestand jedoch auf der Wirksamkeit der Maßnahme und erklärte, er habe in dem Land, aus dem er komme und in dem er Präsident der Zentralbank sei, vor kurzem sogar 12 Nullen weggestrichen. Wir lachten ihn aus. Was für ein Aufschneider ! Inzwischen war auch der Geheimrat eingetroffen. Er hatte von der Sache mit den 12 Nullen gehört. Schlagartig änderte sich die Stimmung. Der Finanzminister wurde gerufen. Auch er hatte von der Sache gehört. Nachdem auch der Mathematiklehrer die Sache für machbar hielt, schritten wir zur Tat. Und was soll ich sagen: es hat funktioniert! Seither führen wir diese Maßnahme alle 10 Jahre durch. Ein voller Erfolg. Die Zukunft Inflationiens war gesichert. Auf Anregung des Finanzministers wurde am Finanzministerium eine Gedenktafel angebracht: "Wer hat die Lösung uns gebracht ? Es war der kluge Meister Schacht."

Mit Freude – und auch einer Prise Stolz – nehmen wir zu Kenntnis, dass unser System nun auch mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Der Börsencrash steht bevor: Was man nicht tun sollte.

Artikel von Hans Scharpf, Erstveröffentlichung auf www.geldhahn-zu.de

Augen zu und durch?

„Augen zu und durch“, so lautet die Titelüberschrift eines Artikels von Anne Seith im letzten Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017). Thema des Artikels ist das permanente Steigen der Aktienkurse in den letzten Jahren. 
Am Schluss des Artikels wird der Verbraucherschützer Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, zitiert.
Er rät dazu, Geld in Aktien anzulegen, als Mittel einer langfristigen Altersvorsorge und empfiehlt ETFs (Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfond https://www.justetf.com/de/academy/was-sind-etfs.html).

Anne Seith umschreibt sie als „Wertpapiere …, die schlicht einen Aktienindex nachbilden“ und kostengünstig zu erwerben sind. Man solle breit streuen und dazu nicht den Dax als Referenzindex nehmen, sondern den MSCI World, ein Aktienindex, der die Wertentwicklung der Aktien von 23 Industrieländern weltweit widerspiegelt https://de.wikipedia.org/wiki/MSCI_World). 

Nauhauser hält das Risiko auf lange Sicht für überschaubar. Wer in der Vergangenheit mindestens 12 Jahre lang investiert geblieben ist, habe nur in Ausnahmefällen einen nominalen Verlust gemacht – egal wann er eingestiegen ist.

Crashs müsse man nur aushalten, „Augen zu und durch“ lautet das Motto.

Diese Einschätzung mag für die vergangenen Jahre richtig gewesen sein. Jedenfalls in den Fällen, in denen börsennotierte Unternehmen nicht verschwunden sind und ihre Aktien und Unternehmensanleihen noch gehandelt wurden. Außerdem durfte man vor Erholung der Kurse nicht arm und krank werden, also auf den Umtausch der „Wertpapiere“ in Geld angewiesen sein, mit dem man ausreichend Lebensmittel kaufen und den Arzt und das Krankenhaus bzw. die Krankenkasse bezahlen konnte. Natürlich sollte einen auch noch nicht vor der Kurserholung der Tod ereilt haben.

Ob allerdings bei dem jetzt anstehenden Crash die Börsen in der heutigen Form und Funktionsweise noch weiterbestehen werden, muss bezweifelt werden.

Denn schon wieder ist es zu diesen extremen Fehlbewertungen durch Börsenkurse gekommen, die eine enorme Wertsteigerung der börsennotierten Unternehmen, also den Wirtschaftsmotoren, vorgaukeln, obwohl das reale Wirtschaftswachstum noch nicht einmal ansatzweise mit diesen Kurssteigerungen von Dow Jones und Dax mithält. 

Hinzu kommt, dass vor allem die US-Internetunternehmen Apple, Facebook, Amazon, Microsoft und Google („The Big Five“) an den US-Börsen mit zusammen 3 Billionen Dollar derzeit bewertet sind, fast doppelt so viel wie sämtliche Dax-Konzerne zusammen. Auf die Big Five entfielen dann auch noch 40% des Zugewinns des Börsenindexes S&P (Standard und Poor´s Aktienindex der weltweit 500 größten Unternehmen https://de.wikipedia.org/wiki/S%26P_500) im ersten Halbjahr 2017.

Was aber produzieren die „Big Five“? Lebensmittel, Häuser, Kleidung, Autos, Opern- und Theaterhäuser, Fußballstadien, Kirchen usw.?
Nein. Bits und Bytes, Hard- und Software, neuartige Kommunikationsgeräte, mittlerweile sogar Währungen (Stichwort „Bitcoins“), alles strombasiert, Spannungszustände, die in Rechnern mit nahezu Lichtgeschwindigkeit sich nach Befehlen ändern und visualisiert und vertont werden, damit menschliche Sinne damit etwas anfangen können. 
Im selben Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017) ist unter dem Titel „Abschied vom immer Mehr“ einem Interview mit dem Forscher Reiner Klingholz zu entnehmen, dass die hohen Wachstumsraten vorbei seien:

SPIEGEL: Schon in den Sieb­zi­ger­jah­ren warn­ten Wis­sen­schaft­ler vor dem Ende des Wachs­tums. War­um soll es jetzt, mehr als 40 Jah­re spä­ter, so weit sein?

Kling­holz: Die­se al­ten War­nun­gen wa­ren öko­lo­gisch be­grün­det und wur­den nicht wirk­lich er­hört. Was wir jetzt er­le­ben, ist ein struk­tu­rell be­ding­ter Rück­gang, der seit Lan­gem an­dau­ert. Seit dem Wirt­schafts­wun­der in den Fünf­zi­ger­jah­ren schwächt sich das Wachs­tum im Zehn­jah­res­mit­tel ten­den­zi­ell ab. Es ist höchst un­wahr­schein­lich, dass wir zu den ho­hen Ra­ten der Ver­gan­gen­heit zu­rück­keh­ren. Die gol­de­ne Zeit des „Im­mer mehr“ ist vor­bei, We­ni­ger, Sta­gna­ti­on oder gar Schrump­fen wird zur neu­en Nor­ma­li­tät.

Anscheinend sieht der Forscher Klingholz in diesem Wachstum der Börsenkurse, insbesondere der „Big Five“ nicht das Wirtschaftswachstum, mit dem die Altersvorsorge und die Sozialsysteme finanziert werden können. 
Er wird mit dieser Einschätzung wahrscheinlich richtig liegen.

Bits und Bytes pflegen nicht, heilen nicht, können nicht gegessen werden, können sich nicht unterhalten und schon gar nicht lieben. 

Letzteres braucht aber jeder Mensch, um Mensch zu sein.

Was aber geschieht, wenn Menschen, die z.B. pflegen können, nicht mehr bereit sind, dies für die Überweisung von Bits und Bytes zu tun, weil diese Zahlenreihen nichts wert sind oder sie sich nicht mehr mit Zahlenreihen auf Bankkonten von Banken bezahlen lassen möchten oder mit ihnen nichts mehr gekauft werden kann, weil der Crash zur Entwertung der Zahlenreihen in Rechnern und auf virtuellen Kontoauszügen geführt hat?

Die „Big Five“ jedenfalls werden vor allem den Kleinaktionär nicht versorgen und heilen und schon gar nicht küssen oder streicheln. Das tun sie jetzt schon nicht und im und nach dem Crash erst recht nicht. Ihre Mitarbeiter schreiben Algorythmen, entwickeln Hardware und sammeln Daten über ihre Kunden, damit diesen passgenau Produkte verkauft werden können, die heutzutage sehr häufig krank und unfruchtbar machen, durch Umweltzerstörung entstehen und meist zu einem guten Leben nicht erforderlich, häufig sogar dafür ungeeignet und schädlich sind.

Wenn der Kleinaktionär dann auch noch begreifen würde, dass die Kurssteigerungen an den Börsen und auch das rasante Ansteigen der Immobilienpreise, vor allem in guten Wohnlagen in den Städten, mit etwas zu tun hat, was Professor Bernd Senf bereits 1996 in seinem nach wie vor empfehlenswerten Aufklärungsbuch „Der Nebel um das Geld“ die „Geldschöpfung aus dem Nichts“ (durch Geschäftsbanken) genannt hat (S. 158), dann könnte das eintreten, was bereits Henry Ford 1937 prognostiziert haben soll: eine Revolution noch vor morgen früh. Das könnte dann in der Abschaffung des Börsenkapitalismus enden. „Dauerhaft geschlossen“ würde man dann im Internet lesen, wenn man die Webseiten der Börsengesellschaften aufsucht.

Was Henry Ford dabei vor Augen gehabt haben könnte, hat jetzt kürzlich Dr. Wolfgang Freisleben, ein österreichischer Autor und Verleger, in einem Artikel mit der etwas reißerischen Überschrift „Aufgedeckt: Wie die Banken Geld aus Luft erzeugen“ recht verständlich und weitgehend zutreffend zusammengefasst: http://www.freisleben-news.at/.

Zitat aus der Einleitung:

Bei jeder Kreditvergabe erzeugen Banken Geld aus dem Nichts. In den Lehrbüchern steht es anders. Doch der deutsche Finanz-Professor Richard Werner hat es 2014 empirisch nachgewiesen. Jetzt publiziert endlich auch die Deutsche Bundesbank auf ihrer Website die Wahrheit. Das muss Konsequenzen haben…

Nun, kürzlich aufgedeckt wurde dieses Geheimnis sicherlich nicht (siehe Bernd Senf´s Aufklärungsbuch von 1996). Allerdings dürfte das Wissen darüber jetzt doch eine kritische Anzahl von Menschen erreicht haben.
Die fragen sich natürlich, mit welchem Recht Banken (und auch Sparkassen) von ihnen Zinsen verlangt haben und weiterhin verlangen, obwohl sie das Geld, was sie angeblich als Darlehen verliehen haben, vor dem Verleihen nicht hatten, sondern selbst durch Ausdruck einer Zahlenreihe mit Währungszeichen, z.B. €, erst erschaffen, „geschöpft“ haben. Akademisch verbrämt „Fiat-Money“ genannt.

Das hat sie selbst nichts gekostet. Der Zeitaufwand für diesen Buchungsakt, der gleichzeitig der Schöpfungsakt für das Geld gewesen ist und deshalb auch Buchgeld genannt wird, war nur sehr gering, insbesondere im Vergleich zum Zeit- und Arbeitsaufwand, den der Darlehensnehmer betreiben muss, um der Bank oder seiner Sparkasse das empfangene Geld wieder zurückzahlen.

Die Banken rechtfertigen dies damit, dass der Darlehensnehmer doch dafür, also für das ausgezahlte und dann an den Wohnungsverkäufer überwiesene Darlehen das Haus oder die Wohnung erhalten hat, die er sich so sehnlich für sich und seine Familie gewünscht hat. Und das stimmt ja auch, der Wohnungsverkäufer hat ihm für diese Überweisung die Wohnung zu Eigentum übertragen, sie gehört ihm jetzt.

Also muss er natürlich die Schulden, die er dafür eingegangen ist, zurückzahlen, mit Zins selbstverständlich. Natürlich ist es auch nur fair, dass die Bank oder Sparkasse etwas dabei verdient, also ihre eigenen Kosten, insbesondere ihren sogenannten Refinanzierungsaufwand erstattet bekommt und sie darüber hinaus noch eine sogenannte Marge (einen Gewinnaufschlag, meist zwischen 0,5 bis 1,5%) verlangen darf, die dem Kunden ohne weiteres angemessen erscheint.

Allerdings trügt diese Vorstellung von der Leistung der Bank und lässt für jeden, der das erste Mal versteht, was die Banken untereinander in Wirklichkeit machen, wenn Geld von einem Bankkonto auf das andere überwiesen wird, eine Welt zusammenbrechen.

Er hat dann nämlich gelernt, dass der Empfänger des Geldes, auf dessen Konto vermeintlich das Geld überwiesen worden ist, ebenfalls nur aus dem Nichts geschöpftes Geld erhalten hat, also reines Buchgeld, was nicht wertgedeckt gewesen ist und seine Wertdeckung durch den Kreditnehmer selbst erhalten hat. Wieso, fragt sich der Unkundige. Nun, man wird ihm als Aufgeklärter in etwa wie folgt antworten:

Die Bank hat doch Sicherheiten verlangt, z.B. die Eintragung von Grundschulden an der zu kaufenden Wohnung oder die Sicherungsübereignung des neuen PKW, die mit dem Bankdarlehen finanziert worden sind, nicht wahr? Und, hat sie nicht auch noch die Verpfändung des Gehalts verlangt und die Bonität geprüft? Der Bankkunde wird nicken und ja sagen. Wahrscheinlich wird er auch gleich hinterherschieben, dass dies Bedingung für die Auszahlung des Darlehens gewesen ist.

Er weiß nicht, dass die Bank in Wahrheit ihm kein schon vorhandenes Geld verliehen hat, sondern nur das Versprechen abgegeben hat, ihm Geld, verstanden als Bargeld, auszuzahlen, und das auch nur dann, wenn es der Kunde verlangt. Wahrscheinlich würde er gar nicht erst ein Darlehen bekommen, wenn er es bar ausgezahlt bekommen möchte.

Der Empfänger der Überweisung erhält ebenfalls nur das aus dem Nichts geschöpfte Geld und wird in aller Regel nicht testen, ob es gedeckt ist und die Barauszahlung verlangen. 

Allerdings besteht jetzt, nach der Überweisung, zumindest theoretisch, eine Deckung durch die Sicherheiten, die die Bank sich vom Kunden hat geben lassen. 
Das zunächst aus dem Nichts geschöpfte Geld hat damit einen Wert zumindest in Höhe der Sicherheiten erhalten (vorausgesetzt, die Sicherheiten sind nicht überbewertet). 
Die Sicherheiten werden aber nicht auf den Empfänger der Überweisung und auch nicht auf dessen Bank übertragen. Sie bleiben bei der Ursprungsbank, die dem Kunden den Kredit gegeben hat. 

Der Empfänger merkt nicht, jedenfalls solange er im Bankensystem bleibt und mit der Überweisung ihm erbrachte Leistungen und Produkte bezahlt, dass auch er nur eine Zahlenreihe mit Währungszeichen erhalten hat. Er hält die Zahlenreihe für Geld (mit einem inneren Wert oder einer Wertdeckung), weil er ja durch Überweisungen Produkte kaufen kann oder auch am Automaten Bargeld dafür erhält. Größere Summen will er sowieso nicht als Bargeld haben.

Es wäre unpraktisch und auch ein Sicherheitsrisiko und die Bezahlung umständlicher und aufwendiger.
Hinzu kommt, dass die Banken (und dasselbe gilt für Sparkassen) Bargeldauszahlungen, vor allem größere Summen ungemein erschweren und sich der normale Kunde beinahe als Schwerverbrecher und Bankräuber empfindet, wenn er mehr als 10.000€ abheben möchte. Was die Banken nicht verraten: Würden viele Kunden größere Summen bar ausbezahlt verlangen, vor allem regelmäßig, würde ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren bzw. ihre Wettbewerbsfähigkeit leiden. 

Bargeldauszahlungsverlangen sind grundsätzlich Gift für die Bankbilanz und führen zu erhöhtem Aufwand, insbesondere Refinanzierungskosten. Wenn die Bank viele Kunden hat, die die Darlehen in bar ausbezahlt bekommen möchten, gerät sie ganz schnell ins Schlingern und wird wettbewerbsunfähig. 

Sie müsste dann nämlich die Sicherheiten einsetzen, um sich von der Zentralbank Bargeld zu besorgen und könnte keine Hebelgeschäfte mehr mit z.B. Pfandbriefen, verbrieften und handelbaren Grundschulden machen und sich refinanzieren, um z.B. Investmentbanking und ähnlich undurchsichtige, aber hoch lukrative Geschäfte zu machen, statt dem Kunden endlich das Darlehen in bar auszuzahlen.

Die verdeckte Geldschöpfungsmacht stellt natürlich eine Versuchung dar und öffnet Missbräuchen Tür und Tor, vor allem, wenn die Aufsichtsbehörden ein Auge zudrücken und das Verbot des § 3 Nr. § 3 Kreditwesengesetz (KWG), der solche Kreditgeschäfte verbietet, nicht zur Anwendung bringen.

Es kam und kommt deshalb immer wieder zu sogenannten Überfinanzierungen (auch Blancokredite genannt), also Kreditierungen mit selbst geschöpftem Geld, die nicht ausreichend durch adäquat werthaltige Sicherheiten gedeckt sind.

Die Folge ist eine nicht durch reales Wirtschaftswachstum gedeckte Erhöhung der (Buch)geldmenge, deren Anteil an der Gesamtgeldmenge aus Buchgeld und Bargeld im Laufe der Jahre immer größer geworden ist. 
Der Anteil liegt mittlerweile bei über 95% der Gesamtgeldmenge. Mit anderen Worten: Über 95% der Geldmenge besteht aus von Banken (und Sparkassen) aus dem Nichts geschöpften Geld, das überwiegend nicht durch Wirtschaftswachstum gedeckt ist.

Dieses Geld, von den Bankern auch Liquidität genannt, sucht verzweifelt Anlage und fließt wegen der ungeheuren Mengen in die klassischen Auffangbecken, also Börsen und Immobilien und treibt zwangsläufig Kurse und Preise immer weiter in die Höhe, obwohl bei realer Betrachtung keine Wertsteigerung festzustellen ist, eher schon, vor allem bei Bestandsimmobilien mit dem üblichen Sanierungsbedarf, das Gegenteil.

Das Volumen der Überfinanzierungen hatte in Deutschland bereits Anfang bis Mitte der 90-ger Jahre Dimensionen erreicht, die nicht mehr zu bewältigen waren. Der Fall Schneider ist ein Beispiel, vor allem aber das von der damaligen Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG angerichtete Desaster mit Joint-Venture-Finanzierungen, das erst durch die „Rettung“ der HypoRealEstate HRE), die als Bad-Loan Bank gegründet worden war, gestoppt wurde, allerdings nur vorläufig.

Dazu sind sage und schreibe 143 Milliarden an Steuermitteln und Staatsgarantien bereit gestellt worden.

Woran es den Banken bei diesen Kreditgeschäften (die Deutsche Bank spricht in einer am 18.09.2017 veröffentlichten Studie von „massiver Kreditschöpfung aus dem Nichts“, siehe www.geldhahn-zu.de – 3. Runde) allerdings fehlt, ist die Lizenz zum Gelddrucken bzw. zum Geld schöpfen.

Diese soll sich nach Auffassung der Bankjuristen aus einer allgemeinen Übung ergeben, also aus einer von vielen Menschen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, als betrügerisch empfundenen Praxis. 

„Das sind alles Verbrecher“ sagte mir kürzlich mein Nachbar, über 80 Jahre, alleinstehend und sich selbst versorgend.

Wir (Banker, Ökonomen, Juristen, Naturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Architekten, Immobiliensachverständige u.a.) haben uns schon ab 2012 mit dieser Frage beschäftigt und sind bereits damals zu dem Ergebnis gekommen, das es „Kein Recht zur Geldschöpfung“ gibt, jedenfalls kein verfassungsgemäßes Recht. Auch sind viele Spielarten der Geldschöpfung aus dem Nichts bei Licht besehen strafbar (§§ 54, 3 Nr. 3 KWG, § 331 I Handelsgesetzbuch – HGB) www.geldhahn-zu.de.

Allerdings hat sich durch Nichtanwendung der Strafgesetze, Deregulierung genannt, vor allem der strafbare Anteil der Geldschöpfung aus dem Nichts prächtig entwickelt und wird uns jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erneuten Crash bescheren.

Dieser sollte aber dann endlich durchgreifende Konsequenzen haben bis zur Schließung der Börsen, zumindest solange es noch die unkontrollierte und nicht sanktionierte Geldschöpfung aus dem Nichts durch private Banken und Sparkassen gibt, vor allem, wenn sie zur Überfinanzierung ausarten kann.
Wenn es zu diesen aus meiner Sicht unvermeidlichen Konsequenzen kommt, kommen muss, ist der Empfehlung an den „Otto Normalverbraucher“, er könne und solle sogar Altersvorsorge durch Aktienkauf betreiben, vor allem zum jetzigen Zeitpunkt, mit großer Skepsis zu begegnen. 

Diese Skepsis dürfte auch Wolfgang Freisleben haben, der am Schluss seines Artikels „Wie die Banken Geld aus Luft erzeugen“ klar macht, dass die Banken kein Interesse daran haben, dass der „Otto Normalverbraucher“ weiß, dass die Banken Geld selber aus Luft erzeugen:

Selbstverständlich hat die Bankenwelt aber kein Interesse daran, dass jeder weiß, dass die Banken Geld selber aus Luft erzeugen und dafür Zinsen verlangen. Und dann womöglich Kreditkunden exekutieren, ihn ihre Wohnhäuser und sonstigen Wertgegenstände abnehmen und versteigern, um ihr zuvor wertloses Luftgeld in reale Güter umzuwandeln. Debt Asset Swap kann man das nennen.

Soweit der „Otto Normalverbraucher“ nach dieser Aufklärung meint, er solle seine Ersparnisse nun in Aktien anlegen, sollte er damit rechnen, dass die Aktienbörsen geschlossen werden, jedenfalls solange die Gefahr der Blasenbildung durch die Geldschöpfer aus dem Nichts besteht.

Zu denen zählt übrigens auch die EZB, die zurzeit den Takt vorgibt mit etwas, was fachchinesisch „Quantitive Easing“ genannt wird und nichts weiter bedeutet, als dass die EZB in großen Mengen Geld druckt, in der Hoffnung auf ein Wirtschaftswachstum, was nicht mehr stattfinden wird und auch, soweit es den Klimawandel vorantreibt, nicht mehr stattfinden darf, um ein System zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Die Zukunft kann damit jedenfalls nicht positiv gestaltet werden. 

Es muss vielmehr ganz grundlegende Reformen geben, die in der Abtrennung der Zahlungssysteme von der Kreditschöpfung bestehen und eine Abwertung des Buchgeld-Euros (und zunächst des Buchgeld-Dollar) auf einen realistischen, das umweltverträgliche Wirtschaftswachstum spiegelnden Wert.
Die Kredit-/Geldschöpfung muss transparent erfolgen und demokratischer Kontrolle unterworfen werden.

Volkes Wille gegen Gier und Wahn.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Deutsche Bank befürchtet eine baldige neue Finanzkrise

In einem Bericht (auf Englisch) mit dem Titel "Long-Term-Asset-Return-Study: The next financial crisis" vom September 2017 beschreibt die Deutsche Bank die Krisenanfälligkeit des Geldsystems, das nach der Abkehr von der Goldbindung 1971 entstanden ist und uns noch heute regiert:

We think the final break with precious metal currency systems from the early 1970s (after centuries of adhering to such regimes) and to a fiat currency world has encouraged budget deficits, rising debts, huge credit creation, ultra loose monetary policy, global build-up of imbalances, financial deregulation and more unstable markets (aus dem executive summary am Anfang der Studie).

Interessanterweise beklagt die Deutsche Bank also auch die übermäßige Geldschöpfung (huge credit creation) und die zu hohe Verschuldung (rising debts). Anschließend wagt die Deutsche Bank eine beunruhigende Prognose:

So we’re quite confident that there will likely be another financial crisis/shock pretty soon with their frequency continuing to be high until we create a more stable global financial framework.

Da würde sich doch das Vollgeldsystem als neues "financial framework" in der "fiat currency world" anbieten! Die Geldschöpfung wäre endlich unter Kontrolle und die enge Verzahnung von Verschuldung und Geldschöpfung gestoppt!

Weitere Kommentare zu dem Bericht finden sich etwa beim Economist, bei CNBC oder den Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Die Banken erzeugen "Ungleichheit auf Knopfdruck"

Der Autor Aaron Sahr, der auch auf der Monetative-Jahrestagung am 11. - 12.11. 2017 in Frankfurt auftritt, beschreibt in seinem Buch "Keystroke-Kapitalimus: Ungleichheit auf Knopfdruck" die sozialen Auswirkungen der Banken-Geldschöpfung. Lesen Sie dazu die Rezension von Stefan Freichel:

Um es gleich vorab zu sagen, mit diesem im Bibel-Taschenbuchformat publizierten 176 Seiten hat Dr. Aaron Sahr einen großen Beitrag zur Klärung der soziologischen Frage nach dem Wesenskern unserer heutigen Epoche geleistet.

Was eigentlich ist im heutigen Zeitalter des globalisierten, finanzgetriebenen Kapitalismus anders als früher? Wieso kehren sich ursprüngliche Trends der gesellschaftlichen Entwicklung seit den 70er Jahren um? Wieso wird die Entwicklung zunehmend aus der „Triade aus wachsendem privaten Wohlstand, anschwellenden Schuldenbergen, und zunehmender gesellschaftlicher Ungleichheit“ bestimmt?
Aaron Sahr ist es gelungen, die Strukturen zu identifizieren, die einige wenige bevorzugen und so viele benachteiligen. Dass er dabei die Rolle des Finanzsystems und das ihm innewohnende Geldschöpfungsprivileg der Banken mittels Tastendruck - von Aaron Sahr als „Keystroke-Kapitalismus“ bezeichnet - in den Mittelpunkt seiner soziologischen Ausführungen stellt, mag unter Vollgeld-Diskutanten eine Trivialität darstellen. Jedoch kann das Wie der Darstellung, das Aufzeigen der Verbindungen und Strukturen und das Herausarbeiten der Illegitimität des Geldschöpfungs-Privilegs nur als herausragende soziologische Arbeit bezeichnet werden. Die zunehmende Steigerung der Nachfrage nach Finanzanlagen wird von drei Kräften angetrieben:

1.) Durch die Reichen, die ihre Geldzuwächse anlegen müssen.
2.) Durch institutionelle Investoren, denen es gelungen ist, die solidarischen Pensionssysteme zu kannibalisieren.
3.) Durch die Realwirtschaft selber, wo viele Unternehmen inzwischen durch Investitionen in Finanzanlagen mehr Kapital generieren als im Kerngeschäft.

Im Vergleich zur Vor-Finanzialisierungs-Epoche ist somit die Bedeutung des in Form von Bankschulden mittels „Keystroke“ erzeugten Kapitals in solch unvorstellbarer Weise angestiegen, dass für Aaron Sahr neben den Akteuren Staat und Märkten ein neuer dritter „Aneignungsakteur“ geboren wurde. Die klare Herausarbeitung der Bedeutung und der Illegitimität dieses neuen „Aneignungsakteurs“, der zunehmend die traditionellen „Aneignungsakteure“ Staat und kapitalistische Märkte unter Druck setzt, ist die große Leistung dieses Buches.

Der Maschinenraum des Finanz-Kapitalismus wird immer stärker durch das Kapital, das durch den Finanzsektor durch „paraökonomischen Prozesse“ erzeugt wird, befeuert. Bankkredite sind für Aaron Sahr „paraökonomische Praktiken, eine Anomalie im Herzen der kapitalistischen Ökonomie“. Der Soziologe wählt den Begriff paraökonomisch. Mir fällt bei diesem schmerzhaften Befund eher die Bezeichnung parasitär ein, was vermutlich ein Beleg ist, keine wissenschaftliche Contenance wahren zu müssen. Der neue dritte „Umverteilungsapparat“ agiert für Aaron Sahr im Gegensatz zu den alten Apparaten Markt und Staat illegitim. Im Gegensatz zur Realwirtschaft, „wo Können immer Haben voraussetzt“, benötigt der neue Apparat kein Haben zur Aneignung. Im Gegensatz zu über Wahlen legitimierter Staatsmacht arbeitet dieser zudem undemokratisch und höchst intransparent im Verborgenen. Dabei sollten, nach Aaron Sahr, selbst „glühende Neoliberale, die als standhafte Verteidiger unregulierter Märkte auftreten und die Fahne der Freiheit schwingen, die legitimatorische Obdachlosigkeit des Keystroke-Kapitalismus eingestehen müssen.“ Die durch illegitime Umverteilung entstandenen Schäden im Sozialgefüge sind bis dato weitgehend intransparent und daher kaum quantifizierbar. Auch die durch den Apparat generierten Zinsgewinne können als weitgehend illegitime Bereicherung angesehen werden: „Man kann deswegen festhalten, dass die Allgemeinheit (als politische Gemeinschaft) und die Mittel- und Unterschichten (als sozialstrukturelle Gruppen) die Kosten der paraökonomischen Geldschöpfung tragen, während private Unternehmen und Vermögende die Gewinne einbehalten.“

Die Hauptprofiteure sind somit die innerhalb des Apparats tätigen Akteure: Ob Bank- oder Konzerneigentümer oder ihre Funktionsträger - alle sind sie Teilnehmer eines „Plünderungszirkels“ und schustern sich risikolos mittels paraökonomischer Prozesse immer mehr Eigentumsansprüche zu. Diese Entwicklung findet vor den Augen der Öffentlichkeit und 10 Jahre nach der beinah stattgefundenen Kernschmelze der Finanzwelt immer noch im Verborgenen statt. Ein Skandal, der aus meiner Sicht  weitgehend dem Versagen der Ökonomen geschuldet ist. Sie sind teils Lichtjahre von einer wirklichkeitsnahen Beschreibung der ökonomischen Strukturen und Kräfteverhältnisse entfernt. Allzu oft begnügen diese sich lediglich damit, die Aneignungs-Privilegien der Märkte gegenüber dem Staat zu verteidigen und ignorieren zugleich den neuen illegitimen Aneignungsakteur Finanzsektor. Da stellt sich – meiner Meinung nach - schon die Frage, warum man die deutschen VWL-Lehrstühle weiterhin mit Steuergeldern alimentiert und diese nicht direkt mit ihren Ansprüchen an die Profiteure des neuen Apparates verweist. Dass Soziologen wie Aaron Sahr diese Lücke füllen und eine treffende Bestandsaufnahme der heutigen ökonomischen Machtverhältnisse und der daraus resultierenden zunehmenden Ungleichheit liefern, lässt hoffen. Zumal er nicht bei seiner soziologischen Beschreibung verharrt, sondern neue Handlungsmuster zur Auflösung der „legitimatorischen Obdachlosigkeit“ des Keystroke-Kapitalismus einfordert.

Für ihn zeichnen sich zwei Optionen ab, die sich auch gegenseitig ergänzen können: Die erste Option wäre, Banken mittels Vollgeldreform zu ökonomisieren. Die zweite, die Geldschöpfung durch Übertragung des Geldschöpfungsprivilegs auf politische Akteure zu demokratisieren. Dass der Autor höchste Handlungsnotwendigkeit sieht und eher der zweiten Option zuneigt, ohne eine Patentlösung anbieten zu wollen, dokumentiert er im Schlusssatz seines Buches: „Trotz all der nachvollziehbaren Bedenken, die den Alternativen des privatisierten paraökonomischen Privilegs entgegengehalten werden und werden könnten, stehen eher die Bedenkenträger in der Pflicht, das ökonomische und soziale Scheitern des Experiments rein privatwirtschaftlicher Erzeugung von Geld aus dem Nichts zur Kenntnis zu nehmen und sich für das Nachdenken über Alternativen zu öffnen.“

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Es ist schwer, ein sprachlich und inhaltlich so kompaktes Werk in einer Rezension nicht bis zur Unkenntlichkeit zu komprimieren. Viele soziologischen Begrifflichkeiten und logischen Ableitungen des Autors mussten unerwähnt bleiben. Ich empfehle daher allen mit einer soziologischen Sprachwelt vertrauten und an einer „gerechteren Welt“ interessierten Menschen dieses Buch in Gänze zu lesen. Es führt uns nicht nur das Wesen unserer Epoche, sondern auch die Dimension der zukünftigen gesellschaftlichen Verteilungs-Auseinandersetzungen im ungleichen Kampf 2-gegen-1 vor Augen und erklärt uns plausibel und wertneutral die „eingeführten Muster und Aktivitäten“ der Akteure. Dass Aaron Sahr mit seiner älteren Dissertationsveröffentlichung "Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits" für den "Opus Primum" Preis für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation nominiert wurde, ist ein weiterer Beleg für die Qualität des Autors. Es wäre schon verwunderlich, wenn er diesen Preis aufgrund der Bedeutsamkeit seines Forschungsgenstandes und seiner sprachlichen Präzision am 22. November 2017 nicht erhalten würde.

Rezension von Stefan Freichel

Aaron Sahr: "Keystroke Kapitalismus" - Untertitel: Ungleichheit auf Knopfdruck - Hamburger Edition 12.- €, 170 Seiten / kleines handliches Format

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Österreichische Zentralbank schreibt an Monetative Austria

Es gibt seit einigen Monaten nun auch in Österreich eine Vollgeldinitiative. Sie kritisiert die Geldschöpfung durch Geschäfts­banken als ungerecht und sieht in ihr die Hauptursache für die schwere Finanzkrise 2007ff. Geldschöpfung durch Geschäftsbanken sei wie eine Droge, von der sich das Finanzsystem abhängig gemacht hat, behauptet Dr. Raimund Dietz von der Monetative Austria. Geldschöpfung in öffentlicher Hand würde vieles ins Lot bringen.

In einem schriftlichen Meinungstausch mit der Oesterreichischen Nationalbank bringt Dietz seine Initiative in Position. Die OENB reagiert scheinbar gelassen. Alles im Griff, sagt sie. Wir haben andere Instrumente, obwohl sie heute Instrumente einsetzt, von der sie vor 10 Jahren nicht mal zu träumen gewagt hätte. Dietz erwidert: Die Argumente der OENB seien auf Sand gebaut, sie würden den Standpunkt der Geschäftsbanken vertreten und dem ordnungspolitischen Mandat der OENB nicht nachkommen. Lesen Sie hier den Briefwechsel– die Schreiben klären auf, was Sache ist …. Geld ist zu wichtig, um es nur Experten zu überlassen.

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Ökonomen Jahrestagung (VfS): "Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“

Ökonomen Jahrestagung (VfS): "Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“

Als vor 10 Jahren die Finanzkrise einschlug, wurde die Zunft der Mainstream-Ökonomen davon völlig überrascht, denn typischerweise beschäftigte man sich primär mit theoretischen Gleichgewichtsmodellen, in denen Geld und Banken schlichtweg nicht vorkamen. Geld war für Ökonomen ungefähr so, wie für Fische das Wasser – es war halt irgendwie da.
Aufgrund der andauernden Krise(n) hat sich daran nun einiges geändert und dieses Jahr hat der Verein für Socialpolitik (VfS), die größte deutschsprachige Ökonomenvereinigung, die mehrtägige Jahrestagung vom 03.-09. September 2017 sogar zum Thema „Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“ in Wien ausgerichtet.

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Was die politischen Parteien zum Geld- und Finanzsystem fordern

Am 24.9. sind wir aufgerufen, einen neuen Deutschen Bundestag zu wählen. Deshalb hat Monetative e.V. die Programme der dort antretenden Parteien durchgesehen.  Wir veröffentlichen jetzt die Zusammenstellung der entsprechenden Programmteile zum Thema Geld/Finanzen, aufgegliedert in kleine und große Parteien. Zu manchen Passagen haben wir auch einen kurzen Kommentar aus unserer Sicht verfasst. Die Synopse der Programme und unsere Kommentare dazu finden Sie hier.
 

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Stellungnahme von Prof. Joseph Huber zur Schweizer Bankiersvereinigung

Die Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) hat vor einigen Wochen eine Studie zur Vollgeldreform gesponsort, in der die Vollgeld-Initiative vehement zurückgewiesen wird. Nun hat Prof. Joseph Huber, Vorsitzender unseres Wissenschaftlichen Beirats, eine Stellungnahme dazu fertiggestellt, in der er einige zentrale Aspekte der Studie zurückweist und insbesondere auf den Zusammenhang von Geld und Kredit und deren Rolle bei der Entstehung von Bank- und Finanzkrisen eingeht. Seine Stellungnahme ist verfügbar auf Deutsch hier und auf Englisch hier

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Das Finanzsystem aus der Sicht eines Mathematikers

Der Mathematiker Walter Tydecks beschäftigt sich mit Geldschöpfung, Derivaten und dem immer komplizierteren Finanzsystem. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass viele Mathematiker und Physiker inzwischen von der Naturwissenschaft in die Finanzbranche gewechselt sind und sich im Auftrag der Banken komplexe Modelle und Mechanismen ausdenken, die heute die Finanzmärkte dominieren. Lesen Sie seinen Beitrag hier.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Wir sind Weltmeister im Derivatehandel

Es sind nicht irgendwelche "bösen" ausländischen Staaten,  sondern wir ordentlichen Deutschen selbst: Unser Land liegt weit vorn beim Derivatehandel. Siehe eine Infografik vom Herbst 2016. Gibt es da bei uns eine Regulierungslücke oder warum werden diese Geschäfte vor allem hier getätigt?

Klaus Karwat

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.