Nachruf auf Stephen Zarlenga (1941 - 2017)

Am 25 April verstarb Stephen Zarlenga in seinem Haus in Chicago. Er war auf dem Weg der Besserung nach einer Hirnoperation im Jahr zuvor, aber es stellten sich doch Komplikationen ein.

Mit Stephen verliert die neuere amerikanische und internationale Geldreformbewegung einen ihrer Wegbereiter und profiliertesten Köpfe. 1996 gründete er zusammen mit Lucienne DeWulf das American Monetary Institute (AMI), dessen Direktor er seither war. Die von ihm organisierten jährlichen Monetary Reform Conferences am Chicago University Center sind Legende. Sie waren – und bleiben hoffentlich – ein Treffpunkt von Geldsystemanalytikern und Reformern aus den USA, Europa und anderen Ländern, Leuten unterschiedlicher fachlicher Funktion in Wissenschaft, Finanzpraxis und Politik, und jeden Alters.

Stephen wurde 1941 in Chicago als Kind italienischer Einwanderer geboren. Nach Beendigung des Studiums an der University of Chicago 1963 bereiste er zunächst Europa und arbeitete dann in den USA über drei Jahrzehnte als institutioneller Anleger im Versicherungs-, Fonds- und Immobiliengeschäft.

In den 1990ern wandte er sich vom Investment Business ab, um sich der Finanzwissenschaft und besonders der Geldgeschichte zu widmen. 1999 erschien sein Hauptwerk, zuerst auf Deutsch in Zürich unter dem Titel Der Mythos vom Geld, die Geschichte der Macht, 2002 dann die amerikanische Ausgabe The Lost Science of Money. The Mythology of Money, the Story of Power – eine faktenreiche, in hohem Maß Wissens-bildende und exzellent geschriebene Geschichtsreise von der Antike bis zur Gegenwart.

Während der 2000er Jahre arbeitete Stephen vor allem an einer Geldsystemanalyse auf der Höhe der Zeit und der Entwicklung eines dementsprechenden Reformansatzes für die USA, anfänglich noch beeinflusst von den Ideen einer 100%-Reserve aus den 1930ern, bald aber im Sinn des heutigen Vollgeldansatzes jenseits des Reservebanking.

Das Ergebnis war der Entwurf des N.E.E.D. Act (National Emergency Employment Defense Act, HR 2990). Vorgesehen ist darin erstens die Verstaatlichung der immer noch privaten Federal Reserve der USA und ihre Weiterführung als eine National Monetary Authority (dt. Monetative), zweitens die Ersetzung des Bankengiralgeldes durch das Vollgeld dieser Monetative, dadurch drittens die Ablösung des heutigen geteilten Geldkreislaufs – einerseits unter Banken mit Reserven, andererseits unter Nichtbanken mit Giralgeld – durch einen allgemeinen Vollgeldkreislauf, sowie viertens die Inumlaufbringung neuen Geldes u.a durch umfangreiche öffentliche Infrastruktur-Investitionen. Fünftens sollte die einmalige Konversions-Seigniorage dazu dienen, die US Bundesschulden abzubauen. Der N.E.E.D. Act steht damit in einer Linie mit dem Reformprogramm des Vereins Monetative, der Londoner Positive Money und anderer Geldreform-Initiativen. Zwischen Stephen und diesen bestanden über die Jahre hinweg freundschaftliche Beziehungen.

Im Sept 2011 wurde der N.E.E.D. Act vom Demokratischen Kongressabgeordneten Dennis Kucinich aus Ohio ins Repräsentantenhaus eingebracht. An diesem Prozess wie schon der Ausarbeitung des Plans war auch Jamie Walton beteiligt. Kaoru Yamaguchi unternahm eine System Dynamics Modellierung des N.E.E.D. Act. Der Gesetzesentwurf wurde von vielen Abgeordneten unterstützt, eine schließliche Abstimmung blieb jedoch aus.

Stephen hinterlässt eine große schmerzliche Lücke. Es bleibt zu hoffen, dem Freundes- und Kooperantenkreis des AMI möge es gelingen, Stephen's Werk für eine Vollgeldreform in Amerika auf noch verbreiterter Grundlage fortführen.  

Joseph Huber

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Ergebnisse unserer Umfrage zu Arbeitsschwerpunkten von Monetative e.V.

Im April 2017 hatten wir bei Mitgliedern und Unterstützern eine Umfrage zu Schwerpunkten unserer Arbeit durchgeführt. Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:  Als Spitzenreiter bei den Schwerpunkten unserer Arbeit wurden zwei Themen gewählt: „Bildungsarbeit mit gut verständlichen Erklärungen über das Geldsystem“ und „Das Thema in die Medien bringen“.

Die beiden Forschungsthemen, die das meiste Interesse weckten waren „Auswirkungen von Vollgeld auf das Eurosystem“ und „Demokratisierung von Zentralbanken“.

Das politische Thema, das die Befragten am meisten besorgte, waren die extremen Vermögensunterschiede in unserer Gesellschaft, auf Platz zwei folgte der Klimawandel und die Zerstörung unserer Umwelt.

Wie wahrscheinlich sind konkrete Schritte Richtung Vollgeld in den nächsten Jahren: Das schätzten die Befragten sehr unterschiedlich zwischen „sehr optimistisch“ und „sehr pessimistisch“ ein (mit einem pessimistischen Übergewicht), die meisten Teilnehmer lagen ungefähr in der Mitte. Die genauen Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Als eine Konsequenz dieser Umfrage wird sich unsere nächste Jahrestagung in Frankfurt/Main am 11.11.2017 mit dem Thema „Vermögensverteilung und Geldschöpfung –  Zusammenhänge und Reformvorschläge“ (Arbeitstitel) befassen. Wer dazu etwas einbringen will bzw. interessante Referenten kennt, soll bitte mit uns in Kontakt treten (mail@monetative.de).  

Klaus Karwat

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Das Vollgeld-Wochenende 2017

ein Balkon lud ein, das FrühlingsWetter zu geniessen

ein Balkon lud ein, das FrühlingsWetter zu geniessen

Von Fr., 31.03. - So., 02.04.2017 fand zum nunmehr 2. Mal das „Vollgeld-Wochenende“ statt, das seit 2016 jeweils im Frühjahr der Monetative Mitglieder-Vollversammlung einen inhaltlichen, kommunikativen und sozialen Rahmen gibt. Hoch über den Dächern von Prenzlauer Berg ging’s im Berliner Veranstaltungszentrum Pfefferberg hoch her unter den 51 Teilnehmern und unter der Einwirkung der ersten Frühlings-Sonnenstrahlen und eines hervorragenden veganen Caterings, das uneingeschränkt und allseits gelobt wurde.

Noch deutlicher als im vorangegangenen Jahr war das Programm offen, flexibel, interaktiv und vernetzungsförderlich gestaltet. So standen Freitagnachmittag und -abend zunächst auch ganz im Zeichen von Begrüßung, Vorstellungsrunde und Kennenlernen. Den inhaltlichen Auftakt bildeten dann ein Einführungsvortrag zur Vollgeldreform für „die Neuen“ sowie mehrere kurze Impuls-Vorträge. 

Ralph Boes zu Reformen der Demokratie

Ralph Boes zu Reformen der Demokratie

Am Samstagmorgen wurde die Flexibilität dann gleich auf die Probe gestellt: Zwei ursprünglich nur als Workshop-Inputs im Rahmen des 1. OpenSpace-Blocks vorgesehene Beiträge fanden so grossen Zuspruch unter den Teilnehmern, dass es am Vormittag dann - ganz oldschool-mässig - Frontalunterricht für alle gab:

Marius Krüger stellte den Zins und insbes. den Zinseszinseffekt in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und veranschaulichte dessen Sprengkraft mit dem sog. Josephs-Pfennig: Ein Euro-Cent, im Jahre 0 zu 5% angelegt, hätte 2017 bereits zu einem Vermögenszuwachs i.H.v. 248 Mrd. Goldkugeln von der Grösse der Erde geführt. Der „Umverteilungsmechanismus Zins“ ist für ihn ursächlich für die Eskalation von Geldvermögen und Schulden. In Anlehnung an Bernd Senf ist er auch der Meinung, dass der Zins im Zusammenwirken mit der Geldschöpfungspotentialität der Geschäftsbanken zum Geldmengenproblem führt, aber auch zum Wachstumsdruck, zur sozialen Krise, zur Staatsverschuldung, zur ökologischen Krise und zur Schuldenkrise der 3. Welt.

Dag Schulze Stellt das Gleichgewichtsgeld vor

Dag Schulze Stellt das Gleichgewichtsgeld vor

Dag Schulze verglich die Wachstums- und Verteilungswirkungen von drei Geldsystemen: Das herkömmliche, real existierende, das Vollgeldsystem und das sog. Gleichgewichtsgeld (GGG):

In einem Wirtschaftssystem mit kreditgeschöpftem Schuldgeld bleibt gemäß Schulze der Geldkreislauf nur mit positiven Zinsen und Vermögensrenditen in Bewegung. Daher müssen die Geldmengen und die Geldvermögen im Laufe der Zeit immer
weiter anwachsen, damit der Geldkreislauf gewährleistet ist. Kreditgeschöpftes Schuldgeld führt durch seine Konstruktion aber auch unweigerlich zu Vermögenskonzentration und Polarisation zwischen Arm und Reich. Vermögensrenditen müssten bei Null liegen, um Verteilungsneutralität und Nullwachstum zu gewährleisten und negativ sein, um die Vermögenskonzentration abbauen und die Wirtschaft schrumpfen lassen zu können.  
Das von ihm daher favorisierte Konzept des Gleichgewichtsgeldes verbindet gewissermassen die Lösungsvorschläge aus drei Welten: Wie beim Vollgeldkonzept wird auf die Geldschöpfung der Geschäftsbanken verzichtet. Gem. der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens erfolgt eine tägliche Guthabengeldschöpfung mit einem festen Betrag pro Kopf. Und klassisch freiwirtschaftlich ist schließlich das Konzept der automatischen Geldvernichtung per Schrumpfung von Vermögen, progressiv ab einem gewissen Freibetrag.

Die darauf einsetzende Diskussion gestaltete sich erwartungsgemäss deutlich kontrovers und wurde auch noch am Nachmittag weitergeführt. Neben Fragen inhaltlicher bzw. konstruktionstechnischer Natur ging es dabei auch immer wieder um die strategische Ausrichtung der Vollgeldbewegung: Soll sie sich tatsächlich auf das ursprüngliche Anliegen beschränken, um sich nicht zu überfrachten und dadurch auch möglichst anschlussfähig für möglichst viele zu bleiben, oder doch auch mit anderen (durchaus geldreformerischen) Konzepten und Ideen verbrüdern - wie in den Referaten angedacht („Gemeinsam sind wir stark!“).

Eine Open Space Runde

Eine Open Space Runde

Der Nachmittag war aber ansonsten gekennzeichnet von OpenSpace-Blocks im ureigentlichen Sinne; d.h. diverse Inputs, (Kurz-)Referate und Diskussionen liefen parallel und wurden erst am Abend im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion für alle wieder zusammengeführt. Die Palette könnte bunter kaum sein: Das Fair Finance Institute und das Netzwerk Finanzwende wurden vorgestellt (Markus Duscha), ebenso die Idee eines Staatsfonds aus Vollgeld-Seignorage auf Basis des norwegischen Staatsfonds (Detlef Baer). Weitere Themen waren „Demokratie & Geldreform“ (Ralf Boes), „Euro und Vollgeld“ (Andreas Barke, Jürgen Hecht), „Möglichkeiten der Mitarbeit bei der Monetative“, „Entwicklungen der intl. Vollgeldbewegung“ (Lino Zeddies), „Wie machen wir Vollgeld zum Thema der Bundestagswahl?“ (Klaus Karwat), „Notenbank, bedingungsloses Grundeinkommen und Vollgeld“ (Alfred Reimann), „Konkret wie könnte/sollte Vollgeld eingeführt werden?“ (Thomas Betz), „Analogie der Mengenbilanz und Bilanzierungstechniken“ (Tobias Heinz), „Wie muss die Monetative konkret ausgestaltet werden?“ und weitere Themen, die sich zum Teil spontan ergaben und die ebenso spontan diskutiert wurden.

Im Rahmen der Fishbowl Diskussion „Die Zukunft des Geldsystems“ war man sich darin einig, dass sich die Monetative auch und gerade im Hinblick auf einen weiterhin zu erwartenden Crash inhaltlich schlüssig und auch beizeiten positionieren muss („Dann kommen wir und haben was zu bieten.“, „Krise als Chance!“). Dagegen wurde die Option, im Rahmen der bestehenden Verhältnisse die „Macht“ im klassischen Sinne und mit klassischen Mitteln zu bekämpfen, eher kritisch betrachtet. In absehbarer Zeit sei es durchaus auch denkbar, dass Banken in starke Bedrängnis geraten, durch finanztechnische Innovationen einerseits, andererseits aber auch durch den Umstand, dass z.Zt. Renten-, Staats- und auch andere Fonds schneller wachsen als Banken. In einer solchen Situation sei es sogar vorstellbar, dass „Banken auf uns zukommen, weil sie so noch eine Zukunft haben“. Hoffen lasse auch die Generation der gegenwärtigen Start Ups: Sie sei deutlich aufgeschlossener gegenüber Innovationen jedweder Art im Verhältnis zu vorangegangenen Unternehmergenerationen. Und sowieso gebe es zu Pessimismus keinerlei Anlass: Die Erfolge der Vollgeld-Bewegung, auf nationaler wir auf internationaler Ebene, stellten und stellen bislang alle in sie gesetzten Erwartungen in den Schatten. Das gelte schliesslich und letztlich auch, so die einhellige Meinung, für das sich nunmehr dem Ende zuneigende Vollgeld-Wochenende.

Das Abendbuffet

Das Abendbuffet

Das Money Makers Gesellschaftsspiel

Das Money Makers Gesellschaftsspiel

Der kulturelle Höhepunkt des Abends war in diesem Jahr die Vorstellung eines neuen Brettspiels, das Mitglieder unserer holländischen Schwesterorganisation „Ons Geld“ entwickelt haben und das sie mittlerweile auch bereits professionell vertreiben, mit sehr grossem Erfolg zum einen in kommerzieller, aber auch in didaktischer Hinsicht: Im Wortsinne spielerisch werden bis zu sechs Mitspieler mit den Problemen einer Realökonomie konfrontiert, in der auch geldschöpfende und dadurch privilegierte Geschäftsbanken real sind, ebenso wie die durch diese verursachten Krisen, Inflationen, Deflationen, Bankruns und massenhaften Bank-Zusammenbrüche. Nach der - seit der Weihnachtszeit restlos ausverkauften - holländischen Ausgabe ist nunmehr auch eine englische sowie eine deutsche Auflage in Vorbereitung. Unsere holländischen Freunde hatten dankenswerterweise mehrere Exemplare sowie fachkundiges Personal zur Verfügung gestellt. Und so konnte zu später Stund’ an mehreren Spieltischen das tagsüber theoretische Erarbeitete gleich in der Praxis erprobt werden - eine optimale Einstimmung und Vorbereitung auf die Mitgliederversammlung am darauffolgenden Sonntag…

Wirken die geldpolitischen Instrumente der Bundesbank noch?

Kritischer Kommentar zum Artikel der Bundesbank Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Bundesbank Monatsberichte, 69. Jg, Nr. 4, April 2017, 15–36.     

In ihrem Monatsbericht vom April 2017 beschreibt die Bundesbank zusammen­hängend und zutreffend, wie die Banken pro-aktiv Giralgeld schöpfen (Guthaben auf Girokonten) und die Zentralbank bei Bedarf diese Guthaben nachträglich refinan­ziert.  Veralteten Lehrmeinungen, etwa, die Banken seien Finanzinter­me­diäre, die Zentralbank-Reserven oder Kunden-Giralgeld weiterleihen, wird aus­drück­lich widersprochen. Damit wird faktisch auch das überholte Multi­pli­kator­modell verabschiedet. Klipp und klar wird gesagt, was unsereiner viele Jahre lang vertreten hat: Jede Zahlung von Banken an Nichtbanken erzeugt Giral­geld, jede Zahlung von Nichtbanken an Banken löscht Giralgeld.

Leider bleibt im Artikel der Bundesbank der ein oder andere Aspekt unter­belich­tet. Zum Beispiel wird nicht deutlich erklärt, dass Bargeld im bestehenden Giral­geld­regime nicht mehr System-bestimmend, sondern nur noch eine nachge­ordnete technische Wechselmenge des Buchgelds ist. Nur noch etwa 10% des öffentlichen Geldumlaufs ist Bargeld, 90% Giralgeld. Das hat Folgen fürdie Geld­politik.

Ebenso wichtig: die Bruchteiligkeit (Fraktionalität) der Reservenbasis wird nicht thematisiert, also die Tatsache, dass der Bankensektor, um 100 Euro Giralgeld zu schaffen und in Umlauf zu halten, nur etwa 2,5–3 Euro Zentralbankgeld benöti­gt – davon 1,40 Euro für die Geldautomaten, 10–50 Cents als liquide Interbanken-Zahlungsreserve (Überschussreserve) und 1,00 Euro für die Mindest­reserve­pflicht (die geldpolitisch längst keine Funktion mehr hat, nur noch, in Normal­zeiten, und falls überhaupt, zum Zinsgewinn der Zentralbank beiträgt).

Stattdessen wird gesagt, dass eine Bank für jede Auszahlung Bargeld in voller Höhe benötig und für jede Überweisung zu einer anderen Bank liquide Reserven in voller Höhe. Das ist zwar zutreffend, aber ohne weitere Erläuterung suggeriert es in unzutreffender Weise, das Giralgeld sei voll gedeckt, quasi im Sinn einer 100%-Reserve. Tatsächlich aber besteht nur die extreme Bruchteil-Refinan­zierung des Giralgeldes. Möglich ist dies dadurch, dass die Zahlungsreserven im Interbanken­kreislauf viele Male schneller zirkulieren (häufiger genutzt werden) als das Giralgeld im Publikumskreislauf. Dadurch benötigen die Banken nur für etwa 3% ihrer Geschäfte Zentralbankgeld, während 97% oder noch mehr des Geldes sie nichts kostet – ein fürstliches Privileg, in der Tat eine Quasi-Seigniorage, der freilich die Legitimität fehlt.

Trotz oder gerade wegen dieser Zusammenhänge verwendet der Bundesbank-Artikel etliche Seiten darauf, zu erklären, warum die Zentralbanken durch ihre Leitzinspolitik die Lage gleichwohl im Griff hätten. Was sollte eine Zentral­bank sonst sagen? Aber wer soll das noch glauben? Aufgrund der pro-aktiven Giral­geld­schöpfung der Banken ist eine Geldmengenpolitik schon lange nicht mehr möglich und folglich aufgegeben worden. Der Monetarismus war zum Scheitern verurteilt, weil er von falschen Annahmen ausging, darunter eine Transmissions­wirkung durch vermeintlich vor-gegebene Reserveposi­tio­nen.

Auch die kurzfristige Zentralbank-Zinspolitik ist längst zu einem schwachen Instru­ment geworden mit kurzem oder gar keinem Transmissions-Hebel mehr. Wo, jenseits der Interbanken-Reservenleihe, sollte eine Transmis­sions­wirkung auf das Giralgeld und den öffentlichen Geldkreislauf denn her­kommen, wenn nur noch 10% des Geldumlaufs aus Zentralbankgeld besteht (hier Bargeld) und nur 2,5–3% des Giralgeldes der Banken oder weniger refinanziert zu werden brauchen? In begrenztem Rahmen wirksam ist nur noch die büro­kratische Preis­admini­stration etlicher Banken, wenn sie ihre Zinsen für Überziehungs- oder Hypothekarkredit festsetzen in Anlehnung an einen zurück­liegenden Inter­banken­zins (z.B. EONIA) plus Aufschlag. Allein das 'unkon­ven­tionelle' massive Quantitative Easing (Monetisierung von Staatsschulden und ggf auch anderen Schuldverschreibungen) zum Zweck der Zinsrepression hat noch Wirkungen – wenn auch höchst fragwürdige.

Ungeachtet dieser Kritik stellt die Publikation der Bundesbank einen will­kom­menen, quasi amtlichen 'Leitartikel' dar, um die in Sachen Geldschöpfung gänzlich verstaubten Lehrtexte auf die Höhe der Zeit zu bringen.

Joseph Huber

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Bundesbank äußert sich zu Banken-Geldschöpfung - wir antworten!

Die Bundesbank äußert sich in ihrem Monatsbericht 4/2017 ausführlich zum Thema „Geldschöpfung der Banken“. Dies begrüßen wir, denn so kann weiter mit dem tiefsitzenden Mythos aufgeräumt werden, Banken seine reine Intermediäre, also Vermittler von Geld zwischen Sparern und Kreditnehmern. Die Bundesbank schafft so Klarheit darüber, wie unser Geldsystem tatsächlich funktioniert: Es sind die Geschäftsbanken selbst, die das Geld schöpfen/emittieren, das wir alle benutzen. Ein großer Fortschritt, denn es ist noch nicht lange her, dass sich Experten, die auf die Geldschöpfung der Banken hinwiesen, heftiger Angriffe erwehren mussten.

Bundesbank schreibt über 100%-Geld, nicht über Vollgeld

Auch befasst sich die Bundesbank erstmals öffentlich mit der Idee, den Banken die Kompetenz zur Geldschöpfung zu entziehen. Anders als teilweise dargestellt (z.B. in der FAZ vom 24.4.17: „Bundesbank gegen Vollgeld“) befasst sie sich aber nicht mit der Vollgeldreform, so wie sie demnächst in der Schweiz zur Abstimmung steht und auch vom Verein Monetative e.V. befürwortet wird. Sondern mit dem wesentlich älteren Vorschlag „100%-Geld“, der auf ein Buch des berühmten amerikanischen Ökonomen Irving Fisher von 1935 zurückgeht.

Vollgeld und 100%-Geld sind zwar von der Intention miteinander verwandt, denn beide Vorschläge zielen darauf ab, den Banken die Möglichkeit der Geldschöpfung zu entziehen. Diese Kompetenz soll allein einer öffentlichen Stelle übertragen werden. In einer Vollgeldreform, wie sie seit ca. 10 Jahren diskutiert wird, werden Zentralbankgeld und Bankengeld zu einer Geldart (Vollgeld) zusammengeführt, das nicht mehr als Verbindlichkeit, sondern als Aktivum in den Bank- und Zentralbankbilanzen verbucht wird. Vollgeld existiert als Bar- und als Buchgeld und ist per se vollgültiges gesetzliches Zahlungsmittel. Im 100%-Geld-Vorschlag hingegen soll eine Art von frei schöpfbarem Geld (Giralgeld = Bankengeld) mit einer anderen Art von Geld (Reserven und Bargeld = Zentralbankgeld) gedeckt werden. Das macht gerade heute keinen Sinn mehr, da ja Bargeld nicht mehr mit Gold gedeckt wird (anders als zu Zeiten von Irving Fisher). So argumentiert die Bundesbank dann auch aus unserer Sicht zutreffend, dass eine erhöhte Reservehaltung die Geldschöpfung der Geschäftsbanken gar nicht signifikant einschränkt. Denn es wären ja nach wie vor die Banken, die uns mit Geld versorgen, nicht die Zentralbanken. Diese müssten, wie schon bisher, nur im Nachvollzug dafür sorgen, dass die Banken genügend Zentralbank-Reserven zur Deckung zur Verfügung haben. Kontraproduktiv wird ein solcher Mechanismus, wenn diese Reserven von der Bundesbank verzinst werden, also eine Einnahmequelle für die Banken darstellen.

Mit einer Vollgeldreform hat sich die Bundesbank in diesem Bericht eben nicht befasst, und sie erwähnt den Begriff auch kein einziges Mal. Der Titel des entsprechenden Abschnitts heißt ja „Anmerkungen zu einer 100-prozentigen Deckung von Sichteinlagen durch Zentralbankreserven.“ Dabei verteidigt die Bundesbank das bisherige System, in dem private Banken selbst Geld produzieren.

Dünne Argumente der Bundesbank für Banken-Geldschöpfung

Die Bundesbank führt nur wenige Argumente an, um die Geldschöpfungs-Kompetenz der Geschäftsbanken zu verteidigen:

Da ist zum einen die Behauptung, die Beendigung der Bankengeldschöpfung würde dazu führen, dass die Banken zu keiner Fristentransformation mehr in der Lage seien. Den Begriff „Fristentransformation“ in der Diskussion über Geldschöpfung der Banken zu verwenden, ist aus unserer Sicht irreführend: Es wird der Eindruck erweckt, als würden Kunden ihr Geld mit kurzer Kündigungsfrist einlegen und die Bank dieses Geld langfristig als Kredite weiterverleihen. Das ist ein Denken, in dem Banken als Finanzintermediäre gesehen werden. Dass dies nicht so ist, hat die Bundesbank in ihrem Monatsbericht eindeutig klargestellt. In einem System ohne bankeigene Geldschöpfung können Banken, die die Anlagegewohnheiten ihrer Kunden kennen und genug Eigenkapitalpuffer haben, nach wie vor eine gewisse Fristentransformation betreiben. So wie das heute schon Verwalter von bereits bestehendem Geld machen. Aber sie können nicht mehr ihre sofort fälligen, also kurzfristigen Schulden zu Geld erklären und damit selbst Geld produzieren.

Darüber hinaus spricht die Bundesbank davon, dass die potentiellen Kosten einer Abkehr von der bankeigenen Geldschöpfung höher seien als deren Nutzen. Begründung: Die Banken könnten angeblich, wenn sie selbst kein Geld mehr schöpfen, nicht mehr genug „Liquidität“ bereitstellen. Wo ist der volkswirtschaftliche Nutzen der in Boom-Phasen fast unbegrenzt zur Verfügung stehenden „Liquidität“ der Banken? Ist es der ungehinderte Geldnachschub, um Spekulationsblasen im Immobiliensektor und bei Wertpapieren aufzublasen? Warum fließt nur ein kleiner Teil der Bankkredite in die Realwirtschaft? Gibt es nicht enorme Beträge auf Sparkonten, die von den Banken als Intermediäre weiterverliehen werden können? Gibt es nicht durch das Internet und neue Crowdfunding-Plattformen ganz neue Möglichkeiten, Geld weiter zu verleihen? Und wie viel Geld könnte eine Volkswirtschaft sparen, wenn sie nicht in immer kürzeren Abständen teure Bankenrettungen finanzieren müsste? Theoretisch könnte die Zentralbank in einem Vollgeldsystem die Banken genauso mit Geld fluten wie heute. Sie wird es aber nicht mehr machen müssen! Das liegt daran, dass die Geldproduktion in einem Vollgeldsystem wesentlich stabiler funktionieren wird und auch zielgerechter zugunsten der Realwirtschaft eingesetzt werden kann. Einige Spekulationsgeschäfte werden nicht mehr genügend „Liquidität“ zur Verfügung haben, aber das halten wir für volkswirtschaftlich eher nützlich als schädlich.

Gibt es bessere Instrumente, um Banken zu regulieren?

Die Bundesbank führt an, dass andere Regulierungen besser geeignet  seien, um unser Geldsystem zu optimieren. Solche Maßnahmen könnten, wenn noch nötig, auch in einem System ohne Banken-Geldschöpfung angewendet werden, zum Beispiel Eigenkapitalvorschriften für Banken. Aber: Wenn im Geldsystem die Banken für die Geldproduktion zuständig sind und das gesamte System am Kredittropf der Banken hängt, werden sich von den zahllosen Banken-Lobbyisten immer systemische Gründe finden lassen, eine für Banken als lästig empfundene Regulierung zu verhindern. Und da im Krisenfall der Zahlungsverkehr zusammenbricht,  werden sie dann immer wieder gerettet, wie es trotz der „Europäischen Bankenunion“ kürzlich in Italien (Monte dei Paschi di Siena) wieder gemacht wurde.  So haben die Banken ein Nötigungspotential, das marktwirtschaftlichen Prinzipien widerspricht und das Fundament eines modernen, demokratischen Staatswesens gefährdet. Das Geld, das uns allen dienen soll, darf unserer Meinung nach nicht mehr durch selbst gewinnmaximierende private Akteure bereitgestellt werden.

Wer darf in einer modernen Demokratie Geld schöpfen?

Wir wünschen uns, dass der große Sachverstand der Bundesbank dafür eingesetzt wird, sich intensiver als bisher mit der Frage auseinanderzusetzen: An welcher Stelle ist die Kompetenz zur Geldschöpfung am besten angesiedelt: Bei einer öffentlichen Stelle oder bei privaten Banken. Dazu gehört auch die ernsthafte Beschäftigung mit dem gut begründeten Reformvorschlag Vollgeld. Die im Monatsbericht April 2017 angeführten Argumente beziehen sich auf den Reformvorschlag 100%-Geld aus dem Jahr 1935 (!). Dass so ein Vorschlag nicht mehr unserer Zeit entspricht, ist nicht weiter verwunderlich. Das darf aber nicht als Begründung dafür dienen, eine fundierte Diskussion über die dringend notwendige Modernisierung unseres Geldsystems zu unterlassen. Diese Diskussion muss nicht nur in der Bundesbank, sondern auch in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft geführt werden.

Klaus Karwat, für den Vorstand Monetative e.V.

 (Die Stellungnahme als pdf hier)

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Bericht zum internationalen Geldreformer-Treffen in Berlin

Stan Jourdan, der bisherige INternationale Koordinator

Stan Jourdan, der bisherige INternationale Koordinator

Vergangenes Wochenende, vom 17.-19. Februar haben wir in Berlin ein Treffen der internationalen Geldreformbewegung (International Movement for Monetary Reform = IMMR) ausgerichtet und möchten in diesem Blogbeitrag von den Inspirationen, Erfolgen und Begegnungen berichten.

Der Hintergrund:

Ein erstes IMMR Treffen hatte genau ein Jahr zuvor in Brüssel stattgefunden, ausgerichtet von unserer Schwesterorganisation Positive Money zum Weitergeben ihrer Erfahrungen und Erfolgspraktiken (hier ein Bericht dazu). Generell hatte Positive Money als wohl größte und bedeutendste Vollgeldbewegung in den letzten Jahren die Führung übernommen, das IMMR errichtet und vor anderthalb Jahren Stan Jourdan als internationalen Koordinator eingestellt. Bedauerlicherweise war die Finanzierung für Stans Stelle jedoch mittlerweile ausgelaufen und er mit anderen Aufgaben vollauf beschäftigt. Dazu kam, dass ihm alleine im Prinzip die Legitimation fehlte, Entscheidungen im Namen des IMMR zu treffen, etwa bezüglich der Aufnahme neuer Mitgliedsländer. Daher stand das IMMR zuletzt vor großen Unsicherheiten und strukturellen Problemen. Da jedoch bisher kein zweites Treffen in Sicht war, hatten wir uns als Monetative e.V. entschieden, vor diesem Hintergrund selber die Initiative zu ergreifen und ein zweites IMMR Vernetzungstreffen in Berlin auszurichten.

HerkunftsLänder der Teilnehmer

HerkunftsLänder der Teilnehmer

Ziel des Treffens war somit einerseits das gegenseitige Kennenlernen und Vernetzen aber andererseits vor allem auch der Aufbau stärkerer Strukturen der internationalen IMMR Dachorganisation und dazu die Errichtung einer "Core Group", die dies koordiniert.
Gut 40 Teilnehmer aus über 20 Ländern nahmen schließlich an dem Treffen teil. Die meisten kamen aus dem Euroraum, aber es gab auch Vertreter aus ferneren Ländern wie Südafrika, Israel oder den USA.

Verlauf und Programm:

Das Programm begann Freitag Nachmittag mit mehreren kurzen Impuls-Kurzvorträgen zu verschiedensten Themen und Ideen. Lars aus Schweden berichtete beispielsweise von erfolgreichen Treffen mit der schwedischen Riksbank, die dadurch angeregt nun das Thema digital cash proaktiv aufgreift. Joseph Huber stellte sein neues Buch „Sovereign Money“ vor. Angela aus Spanien zeigte künstlerische Grafiken, um damit Menschen für das Thema Geldreform zu erreichen und Luuk aus den Niederlanden stellte deren brandneues Gesellschaftsspiel „The Money Makers“ vor, in dem die Mitspieler sich in die Rolle von Banken begeben, die wild spekulieren und dabei schließlich eine Finanzblase entstehen lassen. Ein Exemplar hatte er auch dabei, das an den Abenden intensiv bespielt wurde und sehr viel Begeisterung und auch Erkenntnisgewinn unter den Spielern hervorrief. In den nächsten Monaten soll das Spiel auch auf Deutsch und Englisch übersetzt werden und wir können es kaum erwarten, auch in Deutschland bald Exemplare zu verkaufen und zu bespielen!

Nach den Impulsvorträgen verbrachten wir den Rest des Abends mit einer Vorstellungsrunde, in der die verschiedenen Gruppen von ihrem Stand, ihren Herausforderungen und Erfolgen berichteten. Dabei war es sehr interessant, die Verschiedenartigkeit der Gruppen und der Teilnehmer wahrzunehmen. Von jung bis alt, Wissenschaftler über Künstler war es sehr spannend, die verschiedenen Herangehensweisen der Gruppen an das Thema Geldreform zu beobachten. Gerade die Diversität der Gruppen bietet natürlich extrem viel Potenzial für Vernetzung und Austausch der jeweiligen Stärken.

Abschließend spielte Stig aus Dänemark mit seiner Gitarre noch ein selbstkomponiertes Lied über Banker und den Wahnsinn des Geldsystems, ein wirklich stimmiger Abschluss für den ersten Tag!

Der Samstag begann mit einer offenen Fishbowl-Diskussion zur Zukunft des IMMR und den diversen Bedürfnissen, Herausforderungen und Ideen der Anwesenden. Nach diesem sehr offenen Format ging es nach dem Mittagessen weiter in Kleingruppen, in denen verschiedene Punkte diskutiert wurden, wie etwa die Kriterien für die Aufnahme neuer Mitgliedsländer, die Errichtung einer „Core Group“ als Quasi-Vorstand oder auch die Verabschiedung einer offiziellen IMMR Charta. Die Ergebnisse der Kleingruppen wurden dann zusammengeführt und in Fokusgruppen zu den jeweiligen Themen vertieft, um konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Am späteren Nachmittag gab es verschiedene „Open Spaces“, um sich entweder ganz anderen Themen und Ideen zu widmen oder um die Arbeit der Fokusgruppen weiter zu vertiefen. Nach einem langen Arbeitstag und dem Abendessen war es schließlich Zeit für etwas Unterhaltungsprogramm. Dafür hatten wir einen professionellen Zauberer engagiert, der im Gegensatz zu den Geschäftsbanken, die ja „nur“ Giralgeld schöpfen können, sogar echtes Bargeld aus dem Nichts zaubern konnte. Da staunten die Teilnehmer nicht schlecht!

Danach ließen die meisten den Abend gemütlich bei einem Kneipenbesuch und etwas Bier ausklingen oder spielten das „Money Makers“ Brettspiel. Lediglich die Fokusgruppe zur „Core Group“ arbeitete noch länger weiter und diskutierte deren Ausgestaltung und Aufgabenprofil.

Am Sonntag morgen wurde als Ergebnis ein konkreter Vorschlag für die „Core Group“ vorgestellt und nach einer angeregten Diskussion schließlich beschlossen! Daraufhin wurden die sieben Mitglieder der Core Group über ein sehr interessantes Konsent-Verfahren gewählt, darunter Vertreter aus Island, Schweden, den Niederlanden, Südafrika, Griechenland, Kroatien und auch ich, Lino Zeddies aus Deutschland.

Die frisch gewählte IMMR Core Group

Die frisch gewählte IMMR Core Group

Als die Core Group endlich stand, machte sich große Erleichterung und Begeisterung breit, denn deren Errichtung war eines der Hauptziele des Treffens gewesen und machte nun den Weg frei für eine erfolgreiche Zukunft des IMMR.
Während daraufhin sogleich das erste Treffen der Core Group stattfand, gab es für die anderen noch einmal „Open Spaces“ für verschiedenste Themen von Geldreform in der Eurozone über den gemeinsamen Aufbau von Datenbanken bis Social Media. 
Daraufhin wurden Ideen aus der ersten Core Group Sitzung zur Aufnahme neuer Mitgliedsländer präsentiert und von den Anwesenden auch gleich noch die Aufnahme einer Gruppe aus Italien ins IMMR offiziell beschlossen und gefeiert!

Abschluss, Fazit, Ausblick

Zum Abschluss fand im Stuhlkreis eine kurze Abschlussrunde zu Nachgedanken und Fazit des Treffens statt („I’m looking forward to looking back to this meeting“) sowie eine kleine Aufstellung im Raum unter anderem hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit, der Erschöpfung und dem Optimismus für die Zukunft des IMMR. Das Ergebnis: Alle waren mit dem Treffen sehr zufrieden, die Erschöpfung war sehr unterschiedlich (vor allem bei den Organisatoren aber ganz erheblich) und alle waren höchst optimistisch hinsichtlich der Zukunft des IMMR. Ein fantastischer Abschluss - mehr hätten wir uns als Ausrichter des Treffens wohl kaum wünschen können!

Erfreulich war auch noch, dass dank solidarischer, selbst-bestimmter Geldbeiträge der Teilnehmer am Ende des Treffens die Finanzen genau ausgeglichen waren und unser Verein somit auf keinen ungeplanten Kosten sitzen bleibt. Auch dies war ein schöner Ausdruck der erfolgreichen, solidarischen Zusammenarbeit und des Vertrauens. Zudem hatte es sehr gut funktioniert, viele der Teilnehmer in die Organisation vor Ort durch Freiwilligenteams einzubinden (z.B: Kaffee & Tee bereitstellen, Geschirrspüler ausräumen, Pausen/Zeit überwachen). Dies sparte nicht nur zusätzliche bezahlte Helfer ein, sondern förderte auch das Gemeinschaftsgefühl. Und zu guter Letzt hatten die verschiedenen interaktiven und teils selbstorganisierten Diskussionsformate und Methoden (Fishbowl, Open Spaces, Konsent-Wahl…) hervorragend funktioniert und das volle kreative Potenzial der Gruppe entfalten können.

Das Treffen war somit ein voller Erfolg und hinterlässt uns mit vielen neuen Impulsen und frischer Motivation. Wir sind höchst gespannt, was die nächste Zeit für die internationale Geldreformbewegung bringen wird und welche Überraschungen, Ideen und Erfolge auf uns warten. Bei dem positiven, kreativen Potenzial, das sich auf der ganzen Welt zum Thema Geldreform versammelt hat, sind wir jedoch voller Optimismus, dass ein neues, besseres Geldsystem im Dienst der Menschheit möglich und erreichbar ist!

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

EZB-Negativzinsen sind kein Grund für höhere Kontogebühren

Unser Geldsystem wird immer widersprüchlicher: Die EZB verlangt derzeit von den Banken Negativzinsen für Guthaben, die die Banken auf ihren Konten bei der EZB halten. Dies dient als Begründung dafür, warum Banken jetzt Gebühren für Konten erhöhen, die wir Bankkunden bei den Banken halten. Diese Argumentation hat allerdings einen Haken: Unsere Guthaben bei den Banken sind nur mit einer Mindestreserve von 1% bei der Zentralbank gedeckt. 99% unserer Kontoguthaben haben nichts mit dem Zentralbankgeld der EZB zu tun, und die Banken müssen dafür auch keine Negativzinsen zahlen. Die Negativzinsen der EZB für Banken können also nicht der Grund für höhere Kontogebühren sein. Timm Gudehus weist in einem Artikel im Februarheft der renommierten "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen" auf diesen Widerspruch hin, lesen Sie hier.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Bleiben Sie dran am Geldthema, Herr Plasberg!

Sehr geehrter Herr Plasberg,

Sie haben am 24.10.2016 in Ihrer Sendung "Hart-aber-fair" versucht, den "Nebel über das Geld" ein wenig zu lüften. Ab ca. Minute 48 durfte Prof. Thomas Mayer sogar in zwei Minuten erklären, dass in unserem Geldsystem die Banken selbst Geld schöpfen. Viel zu kurz natürlich, deswegen verstanden selbst Sie das nicht. Ab Minute 50 wiegelte Uwe Fröhlich vom Verband der Genossenschaftsbanken gleich ab: das sei nicht bedenklich, es gäbe ja jetzt in der Europäischen Bankenunion einen Fonds, der gefährdete Banken rettet. Weit gefehlt: Kurz vor Weihnachten wurde wieder eine Bank mit zig Milliarden Euro öffentlichen Steuergeldern gerettet: Die italienische Bank "Monte dei Paschi di Siena". Deswegen: Bleiben Sie dran, Herr Plasberg: Vertiefen Sie das Thema, woher denn unser Geld überhaupt kommt. Und warum unser Finanzsystem so krisenanfällig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Karwat, Monetative e.V.

Für alle Leser dieses Blogs: Wir alle finanzieren die öffentlich-rechtlichen Sender mit unseren Gebühren. Schreiben deswegen auch Sie an hart-aber-fair@wdr.de. Und fordern sie weitere Aufklärung darüber, wie unser Geldsystem funktioniert. Die Sendung vom 24.10. muss vertieft fortgesetzt werden!

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Vollgeld als Thema bei Aachener Design-Studenten

Das Thema Geld beschäftigte das Erwachsenenprogramm der ev. Kirchengemeinde Aachen am 3. Dezember. Nach einer Begrüßung erfuhren ca. 40 Teilnehmer durch einen Referenten des Vereins Monetative e.V. Berlin in einer Mixtur aus Vortrag und reger Diskussion von dem Vollgeld-Projekt. Nach einer kleinen Pause stellte die Professorin Frau Vitting mit ihren Studentinnen und Studenten ihre vor zwei Semestern durchgeführten Seminararbeiten im Fach Design zum Thema Vollgeld vor. Dem Vortrag schloß sich ein Rundgang in die Ausstellungsräume an, in denen die Exponate gezeigt wurden. Den Abschluß bildete eine Plenumsdiskussion, die sehr engagiert und interessiert geführt wurde. Die Thematik Vollgeld genoß sehr viele Sympathien, ausgeteilte Broschüren und ein Büchertisch einer Aachener Buchhandlung ermöglichten eine weiterführende Vertiefung. Im Frühjahr ist eine Seminarreihe zum Thema Geld geplant, die in Vorträgen und durch Bearbeitung von exemplarischen Texten umfangreich über die Geschichte des Geldes, Finanzkrisen bis zu alternativen Geldformen informieren soll. Im Rahmen des Bundestagswahlkampfes wird die evangelische Kirchengemeinde zur Wahl stehende Politiker der Stadt und des Kreises Aachen einladen, wobei auch Vollgeld thematisiert werden wird.

Wer sich für Vollgeld in Aachen und Umgebung interessiert, wende sich an Detlef Baer, Vollgeld-Initiative Aachen (Kontakt: vollgeld.aachen@gmail.com).

Eindrücke der Seminar-Arbeiten zu Stichworten wie Kryptowährung, Geldschöpfung, Zahlungsverkehr und Lobbyismus der Banken und mehr können Sie hier finden bzw. unter: vitting.design.fh-aachen.de/informationsdesign/finanzsysteme/

 

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Workshop-Bericht „Geldsystem, Wachstumszwang und Nachhaltigkeit“

Am 23. Sept. fand der Fachworkshop „Geldsystem, Wachstumszwang und Nachhaltigkeit“ statt, vom „Institut für ökologische Wirtschaftsforschung“ (IÖW) und der „Monetative e.V.“ gemeinsam geplant und organisiert und in den Räumen des IÖW durchgeführt. Insgesamt haben gut 25 Personen aus dem einschlägigen Umfeld aus Forschungsinstituten, Zivilgesellschaft und Verbänden zusammengefunden und sich zu vielen interessanten Fragen ausgetauscht..

Der Workshop war gegliedert in drei Schwerpunkte (hier auch das Programm):

  1. Übt das bestehende Geldsystem einen Wachstumszwang oder Wachstumsdrang aus?
  2. Soziale Nachhaltigkeit und Verteilungsdynamik des Geldsystems
  3. Ausgewählte Reform‐Vorschläge (Vollgeld und Weitere)

Diese Blöcke wurden jeweils von einem kurzen ~10 min Impulsvortrag eingeleitet, gefolgt von reichlich Diskussion.

Markus Duscha beim ersten Vortrag zur ORIENTIERung

Markus Duscha beim ersten Vortrag zur ORIENTIERung

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde gab Markus Duscha vom Fair Finance Institute i.Gr. den ersten Vortrag zur Orientierung und als Einstieg in den Themenkomplex. Dabei stellte er Geld und Nachhaltigkeit in einen Zusammenhang, indem er Geld und Finanzen als eigentliche Subsysteme der Umwelt interpretierte – in Abgrenzung zur geläufigen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Den ersten Schwerpunkt-Block begann Sebastian Strunz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und lieferte einen Überblick über verschiedene theoretische Zugänge zu der Frage, ob und wie in einer Geldwirtschaft ein Wachstumszwang bzw. –drang ausgeübt wird. Das Spektrum reicht von der Perspektive des vollkommen neutralen Geldes (Geldschleier) bis zur Wahrnehmung des Geldes als zentralem und ausschlaggebendem Momentum. Nach seiner Meinung ist Geld ein derart komplexes System, dass es durch eine Theorie alleine gar nicht erfasst werden kann, es vielmehr einer Zusammenschau mehrerer Theorien bedarf.

Dem widersprach Andreas Siemoneit vom Netzwerk Wachstumswende, Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) im nächsten Impulsvortrag. Er hält eine Pluralität von Wachstumszwangtheorien nicht für zielführend, dagegen eine Hierarchisierung von Ursachen des Wachstums in Haupt- und Nebenursachen für sinnvoll. Nach seiner Auffassung erwächst ein Wachstumszwang eher aus der Neigung zu Ersparnis, also Geldhortung in einem Kreditgeldsystem und der Tendenz zur Akkumulation von Geld, denn aus dem Geldsystem als solchem. Für ihn hat hingegen die Kontrolle und Regulierung des Ressourcenverbrauchs absolute Priorität.

Rege Diskussionen in der Pause

Rege Diskussionen in der Pause

Zum Einstieg in den zweiten Schwerpunkt gab es einen Impulsvortrag von Dag Schulze zu sozialer Nachhaltigkeit und der Verteilungsdynamik des Geldsystems. Unter Bezugnahme auf Argumentation und Graphiken von Helmut Creutz zeigte er Verteilung und Entwicklung von Einkommen und Vermögen in Deutschland auf. Dabei ist bei beidem eine klare Polarisation erkennbar; d.h. die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Creutz und auch Schulze führen diesen Effekt auf das bestehende Geldsystem, insbesondere aber auf den ihm innewohnenden Zins und Zinseszins zurück. Das bestehende Geld(system) ist nicht verteilungsneutral, sollte es aber sein. Er hält einen radikalen Wandel für notwendig hin zu einem „Gleichgewichtsgeld“, welches Grundeinkommen, Umlaufsicherung und Vollgeld miteinander verbindet.

Der dritte Schwerpunkt wurde eingeleitet mit einem Kurzreferat von Prof. Joseph Huber über die Vollgeldreform unter Nachhaltigkeitsaspekten, welches aber krankheitsbedingt von Hans-Florian Hoyer verlesen wurde. Demnach hat der Zins zwar Allokations- und Verteilungswirkungen, allerdings ist er nicht davon überzeugt, dass davon auch ein Wachstumszwang ausgeht. Dieser habe seine Ursache eher in Erwartungen, die sich verselbständigen und steigern. Eine Alternative zum Allokationsmechanismus des Zinses sieht er bis heute nicht. Und auf eine Postwachstumsgesellschaft steuerten wir ohnehin zu.

Aufgrund der mangelnden Vertrautheit einiger Teilnehmer mit den Grundzügen der Vollgeldreform, gab Lino Zeddies noch einen kurzen Überblick dazu und daraufhin gab es eine angeregte Diskussion zum Vollgeld.

Abschließend stellte die Journalistin und Geschäftsführerin von „Monneta“ Kathrin Latsch weitere Reformvorschläge im Überblick dar: Bartersysteme, bei denen der Aus- bzw. Ringtausch von Rohstoffen, Gütern, Leistungen nur noch in Geld verrechnet, aber nicht mehr in diesem bezahlt wird, Zeitbanken und Tauschringe, die Arbeitsstunden verrechnen, das Schweizer WIR-System und die schwedische Jak-Bank, die jeweils auf Zinszahlungen für Kredite verzichten. Außerdem wurden in Kürze ordnungspolitische Regulatorien wie Vermögens- und Finanztransaktionssteuer, ethisches Banking und die Gemeinwohlökonomie gem. Christian Felber vorgestellt.

In den vielen lebhaften Diskussionen des Workshops zeichnete sich ab, dass weitgehend Konsens darüber besteht, dass das bestehende Geldsystem und der Zins starke Verteilungswirkungen haben, nicht aber, ob alleine daraus ein unmittelbarer Wachstumszwang erwächst, allerdings im Zusammenwirken mit technischer Innovation ein gewisser Wachstumsdrang (im Schumpeter’schen Sinne). Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden konnte jedoch schließlich den nachfolgend genannten Thesen zustimmen:

1.    Das Geldsystem kommt in Schwierigkeiten, wenn es kein Wachstum gibt.
2.    Vermögensakkumulation und das Horten von Geld ist ein großes Problem.
3.    Vermögensakkumulation verursacht Wachstumsdrang.
4.    Das gegenwärtige Geldsystem verstärkt die Vermögens-Ungleichheit.

Einig waren sich am Ende aber alle darin, dass der Fachworkshop nur ein Auftakt war und dass es unbedingt weitergehen muss!
 

Weiterführende Literatur:

World Social Forum - 10. & 11. August 2016 in Montréal

Dinero Positivo, comer und monetative

Dinero Positivo, comer und monetative

Dieser Bericht beschreibt die Erlebnisse und Eindrücke, die ich, Manuel Klein, auf dem World Social Forum in Montréal gesammelt habe. Joseph Pilon, ein in Montréal ansässiger Kanadier, hatte auf eigene Faust Zeitslots und Räume in der Université du Québec à Montréal für Mitglieder der Dachorganisation "International Movement for Monetary Reform" (IMMR) organisiert. Somit konnten Manfred Freund (Positive Money, Spanien), Ann Emmet und Herb Wiseman (Comer, Kanada) und ich (Monetative) am 10. August Vorträge über den Aufbau des heutigen Geldsystems, das Vollgeldsystem als alternative Geldordnung und den Gerichtsprozess Comers gegen die Bank of Canada (Zentralbank Kanadas) halten und am darauffolgenden Tag über Möglichkeiten diskutieren, wie man gemeinsam strategisch im Namen des IMMR vorgehen kann, um Geldreformen voranzubringen.

Mehrere tausend besucher kamen zum world social forum

Mehrere tausend besucher kamen zum world social forum

Die Universität UQÀM (Université du Québec à Montréal) war der Austragungsort des diesjährigen World Social Forums. Zum ersten Mal in seiner dreizehnjährigen Geschichte tagte das Forum in einem westlichen Industriestaat, nachdem es bisher immer in Drittweltstaaten stattgefunden hat. Am 10. August fanden insgesamt drei Veranstaltungen im Namen des IMMR statt, die aus Vorträgen von Manfred Freund, Ann Emmet, Herb Wiseman und mir bestanden. Herb Wiseman (Comer) moderierte die Veranstaltungen und führte in das Thema Geld und Geldsystem ein, Manfred Freund (Dinero Positivo) stellte die Geschichte und den Aufbau des heutigen Geldsystems dar,  Ann Emmet stellte die Geschichte der kanadischen Zentralbank dar, sprach über den Rechtsstreit zwischen dem Verein Comer und der Bank of Canada und zeigte Videos aus einer öffentlichen Veranstaltung von Comer und dem Rechtsanwalt Rocco Galati, der die Klage gegen die Bank of Canada führt (unten als Video angeführt). Ich habe eine Präsentation über das heutige Geldsystem mit seinen zwei getrennten Geldkreisläufen gehalten, die resultierenden Probleme aufgezeigt und im Folgenden das Vollgeldsystem und seine Implikationen dargestellt. Die Zuhörer stellten interessante Fragen und ich habe gemerkt, dass sie neue Erkenntnisse bzgl. des Geldsystems und seinen Implikationen und Problemen erlangt haben. Besonders interessant waren die Darstellungen und Berichte von Ann Emmet von Comer über die Bank of Canada, über die ich nun berichten möchte.

https://www.fraserinstitute.org/blogs/a-really-quick-history-of-canada-s-federal-debt

https://www.fraserinstitute.org/blogs/a-really-quick-history-of-canada-s-federal-debt

http://www.michaeljournal.org/images/debtcan.jpg

http://www.michaeljournal.org/images/debtcan.jpg

Die Bank of Canada wurde Mitte der 30er Jahre gegründet, um dem Staat und den Gemeinden zinslose Kredite bereitzustellen. Bis zu 30 % der Ausgaben des Staates durften im Zeitraum von 1938 bis 1974 von der Zentralbank durch Geldschöpfung finanziert werden. Die kanadische Regierung finanzierte dadurch zum Beispiel ihre Aktivitäten im zweiten Weltkrieg oder den Trans-Canada-Highway und -Railway. Die Staatsverschuldung blieb über diese vier Jahrzehnte erstaunlich niedrig und wetestgehend stabil.

 

Ann Emmet beschrieb ihre Zeit als Highschool-Lehrerin als eine sehr erfüllte Zeit, da der Staat jegliche Ideen in der Bildung unterstützte und großzügig finanzierte. 1974 ordnete die Bank of Canada sich jedoch der Bank of International Settlement (Basel) unter, die ihr untersagte, den Staat zu finanzieren. Seitdem leiht sich der Staat das Geld bei privaten Geschäftsbanken, die es selber erzeugen, und muss auf dieses Geld Zinsen zahlen. Die Staatsverschuldung ist dadurch stetig angestiegen. 2015 lag sie laut Statista bei 91,5 % des BIP oder bei rund 630 Milliarden Can$. Das besondere an der Situation der Bank of Canada ist, dass sie bis heute gesetzlich dazu verpflichtet ist, dem Staat zinslose Kredite bereitzustellen. Diese Aufgabe und Pflicht übt sie jedoch seit 1974 nicht mehr aus. Aus den angehängten Grafiken geht die Staatsverschuldung Kanadas über den Zeitraum von 1936 bis in die Gegenwart hervor.

Die folgenden Videos geben einen tieferen Einblick in den Prozess der kanadischen Zentralbank aus der Perspektive von Ann Emmet (Comer), aber auch aus der rechtlichen Perspektive von Rocco Galati in Montreal (April 26, 2015) (Dauer ca. 2 Stunden) sowie in einem Interview im größten Nachrichten-Sender Kanadas "CBC News" (Dauer 17 Minuten).
Außerdem stellt eine Kurzdokumentation den Fall der kanadischen Zentralbank aus der Sicht von Bill Abram dar, einem bereits verstorbenen Comer-Mitglied. (25 Minuten)

Die Reise nach Canada hat sich nicht nur wegen der internationalen Vernetzung sehr gelohnt. Auch den Rechtsstreit comers mit der kanadischen Zentralbank aus erster Hand kennen zu lernen, war sehr interessant. Außerdem waren die gemeinsamen Diskussionen auch durch das mehrere Generationen umfassende Alter der Referenten sehr fruchtbar.

Ich möchte mich für die Möglichkeit, in Montreal auf dem World Social Forum sprechen zu dürfen, beim Verein Monetative bedanken und hoffe, die internationale Zusammenarbeit innerhalb des IMMR durch die Präsenz in Montreal weiter gestärkt zu haben.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

ISLAND DISKUTIERT VOLLGELD

Island hat schon bei der Bewältigung der Finanzkrise einen anderen Weg eingeschlagen als andere Länder: Banken wurden nicht gerettet, und Verantwortliche für die Krise wurden zur Rechenschaft gezogen. Am Montag 5.9.2016 hat jetzt der neue isländische Ministerpräsident Johannesson zu einer prominent besetzten Tagung über Vollgeld eingeladen. Grundlage der Tagung ist ein Bericht der Wirtschaftsprüfer der Firma KPMG, den Sie hier finden.

Die Video-Aufzeichnung der Tagung finden sie hier. Es sprechen:
- ab 0:16h: Der Vertreter des Ministerpräsidenten,
- ab 0:19h: Sigurvin Sigurjónsson von KPMG erläutert seinen Bericht,
- ab 0:37h: Mar Gudmundsson, Präsident der isländischen Zentralbank,
- ab 1:05h: Martin Wolf, Chefkommentator der Zeitung Financial Times, 
- ab 1:45h: Beginn der Podiumsdiskussion.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Unsere Antwort auf Frau Wagenknechts Bedenken zu Vollgeld

Die Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Sarah Wagenknecht, hat in ihrem Buch "Reichtum ohne Gier" als erste prominente Politikerin Vollgeld als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnet. Das begrüßen wir. Allerdings äußert sie noch einige inhaltliche Bedenken. Wir haben ihr deshalb einen Brief geschrieben, in dem wir die von ihr angesprochenen Kritik-Punkte diskutieren und einen weiteren Meinungsaustausch anregen.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Die "Bundesbanker" haben bereits Vollgeld-Konten

Wer bei der Bundesbank arbeitet, hat einen interessanten Job und nebenbei ein ganz besonderes Privileg: Ein Konto bei der Bundesbank, also bei der Zentralbank. Auf diesem Konto hat er digitales Geld, was den gleichen Status hat wie Bargeld. Das nennen wir Vollgeld und fordern es für uns alle, lesen sie hier.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Die Schuldenkrise lähmt unsere Gesellschaft: Vollgeld könnte das Problem lösen!

Die derzeitige Zentralbankpolitik erleichtert die Aufnahme von neuen Schulden und schiebt die Schuldenkrise in die Zukunft. Das gefährdet den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, meint unser österreichisches Mitglied Dr.Raimund Dietz. Denn die Angst, den eingegangenen Verpflichtungen nicht nachkommen bzw. die eigenen Forderungen nicht realisieren zu können, steigt mit der Höhe des Schuldenbergs. Abhilfe bietet da die Umstellung auf ein Vollgeldsystem, meint der Autor in seinem Beitrag "Monetative- Korrektur einer fundamentalen Fehlentwicklung"

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Absurditäten der EZB-Politik

Die EZB-Politik ist kontraproduktiv und sie benachteiligt kleinere Banken, weil diese höhere Überschussreserven vorhalten müssen. Dies und andere Merkwürdigkeiten beschreibt Monetative-Mitglied Markus Müller hier.

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Die Abschaffung des Bargelds und seine Folgen

So heißt das neue Buch des Wissenschaftsredakteurs Dr.Norbert Häring von der Zeitung "Handelsblatt". Ein unbedingt lesenswertes Buch, das unser Geldsystem, seine großen Gefahren und die dort agierenden Personen anschaulich erklärt, aber auch seinen persönlichen Widerstand gegen die Abschaffung des Bargelds schildert. Ein Widerstand, zu dem er uns in diesem Buch alle ermutigt, bevor uns die "Anti-Bargeld-Connection" beherrscht und lückenlos überwacht. Lesen Sie die Rezension von Klaus Karwat hier

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Neues Buch "Wer regiert das Geld"

Der Journalist Paul Schreyer hat einen gut verständlichen Beitrag zum Verständnis unseres Geldsystems geschrieben. Da die große Mehrheit immer noch meint, nur Zentralbanken würden Geld schöpfen, kann es von solchen Büchern nicht genug geben. Denn nur, wenn das jetzige System in seiner ganzen Absurdität vonvielen Menschen richtig verstanden wird, gibt es die Aussicht auf eine grundlegende Reform. Lesen Sie eine kurze Besprechung des Buches hier

Klaus Karwat

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Nur Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel. Deswegen: Abschaffen GEHT GAR NICHT!

Derzeit wird mal wieder laut über die Abschaffung von Bargeld nachgedacht. Das GEHT GAR NICHT, denn Bargeld ist derzeit unser einziges gesetzliches Zahlungsmittel. Soll es nur noch von Banken nach deren eigenem Ermessen produziertes Privatgeld geben? Lesen Sie den Beitrag unseres Mitglieds Eberhard Gamm hier

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Offener Brief an Finanzminister Schäuble zur Europäischen Einlagenversicherung

In einem offenen Brief kritisiert unser Mitglied Eberhard Gamm die geplante Europäische Einlagenversicherung und auch Eigenkapitalvorschriften für Banken als unzureichend. Vielmehr müsse das Problem an der Wurzel angepackt werden: An der unklaren rechtlichen Stellung des Buch-/Giralgelds, das selbst zu gesetztlichem Zahlungsmittel erklärt werden müsste. Dann wäre eine Einlagenversicherung für laufende Konten überflüssig. Lesen sie den Brief hier

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