Inflationien

Eine Geschichte von Eberhard Gamm, vorgetragen bei der Monetative Jahrestagung 2017

Verehrte Gäste, als Bürgermeister der Stadt Inflationien heiße ich sie herzlich willkommen. Wie sie wissen, haben wir vor kurzem den Nachhaltigkeitspreis erhalten. Deshalb möchte ich sie im Folgenden mit der Geschichte unserer Stadt vertraut machen.

Da unser Stadtarchiv inzwischen mehrfach abgebrannt ist, ist über die ältere Geschichte nur wenig bekannt. Ich beschränke mich deshalb auf eine Episode, die bis heute mündlich überliefert wird. Nach der Einführung des Geldes kam es zu Streitigkeiten, weil einige Bürger immer mehr Geld und andere Bürger immer weniger Geld hatten. Der Pfarrer fragte daraufhin bei seinem obersten Vorgesetzten nach, was in einem solchen Fall zu tun wäre. Der Vorgesetzte verwies auf die von ihm autorisierte Schrift Bibel, die Anweisungen für diesen Fall enthalte. Der Pfarrer konnte die entsprechende Stelle finden und berichtete in der nächsten Stadtversammlung, dass die Bürger mit viel Geld als Reiche und die Bürger mit wenig Geld als Arme zu bezeichnen wären und dass der Vorschlag seines Vorgesetzten darauf hinaus lief, dass die Reichen den Armen etwas von ihrem Geld abgeben sollten. Dieser Vorschlag stieß bei den Reichen zunächst auf wenig Gegenliebe. Nachdem der Pfarrer kurz auf das Fegefeuer eingegangen war, lenkten sie aber ein. Der Pfarrer musste allerdings auch berichten, dass die Bibel keine konkreten Ausführungsbestimmungen enthalte. Um zu einer quantitativen Festlegung zu kommen, wurden zwei einflussreiche ausländische Gelehrte in die Stadt eingeladen. Der Erste, ein gewisser Platon, vertrat die Meinung, der Reichste solle nicht mehr als viermal soviel Geld haben wie der Ärmste. Dem widersprach jedoch der Zweite, ein gewisser Aristoteles. Er hielt ein Verhältnis von 100 für angemessen. Beide Herren bezeichneten sich als Philosophen und bestanden auf der unbedingten Gültigkeit ihrer Aussagen. Daraufhin herrschte große Verwirrung. Nach mehrtägigen Verhandlungen in der Bürgerversammlung konnte man sich auf ein Verhältnis von 12 einigen. Der Finanzminister bestand allerdings darauf, das Verhältnis auf 4 mal Pi zu ändern, da er dies leichter mit der ihm vertrauten Pi-mal-Daumen- Methode berechnen könne. Dem wurde stattgegeben. Ergänzend wurde beschlossen, keine Philosophen mehr in die Stadt einzulassen. Die Berechnungsmethode des Finanzministers hat sich auch außerhalb unserer Stadt verbreitet und ist heute unter der Bezeichnung Höhere Mathematik bekannt. Ich kann ihnen dazu nur sagen, dass es funktioniert. Seit dieser Zeit wird das Verhältnis 4 mal Pi eingehalten.

In der jüngeren Geschichte ging ein Bürger unserer Stadt ins Ausland, um eine neuartige Wissenschaft zu studieren. Als er wieder zurückkam, nannte er sich Ökonom und war sehr stolz darauf. Er hatte zahlreiche Schriften der Herren Smith, Fisher, Keynes, Friedman, Binswanger und Ackermann ausgewertet und war zu dem Schluss gekommen, dass wir unseren Wohlstand ganz einfach vermehren könnten. Er schlug ein jährliches Wachstum von 100 Prozent vor, das wir dadurch erreichen könnten, dass wir uns einmal im Jahr zur Gemeinschaftsarbeit treffen und dabei neue Sachwerte im Umfang der bereits vorhandenen Sachwerte schaffen sollten. Der Finanzminister solle seinen Anteil dadurch erbringen, dass er neue Geldscheine im Umfang der bereits vorhandenen Geldscheine anfertige. Die neuen Geldscheine sollten nach Abschluss der Gemeinschaftsarbeit an die Bürger verteilt werden. Der Ökonom hatte berechnet, dass sich dadurch ein Zustand einstellen würde, den er als Preisstabilität bezeichnete. Der Vorschlag stieß auf allgemeine Zustimmung.

Als die erste Gemeinschaftsarbeit anstand, zeigten sich jedoch Probleme bei der Durchführung. Alle Bürger waren davon ausgegangen, dass sie sich um die Gemeinschaftsarbeit drücken könnten und dass dies nicht auffallen werde. Als sich nun aber alle Bürger – mit Ausnahme des Finanzministers – nicht am Gemeinschaftsplatz, sondern im Wirtshaus trafen, schien die Sache zum Scheitern verurteilt. Der Wirt konnte die Anwesenden allerdings überzeugen, nicht vorzeitig die Flinte ins Korn zu werfen. Schon bald herrschte im Wirtshaus beste Stimmung, die sich noch steigerte, als der Finanzminister kam und das neue Geld verteilte.

Die Stimmung schlug allerdings um, als der Ökonom eintraf und erfuhr, dass keine neuen Sachwerte geschaffen worden waren. Er erklärte, dass sich nun gemäß der Theorie eines Herrn Fisher die Preise verdoppeln würden. Er nannte diesen Effekt Inflation, und diese Inflation würde uns alle in den Abgrund reissen. Es herrschte große Bestürzung. Nach kurzem Nachdenken erklärte jedoch der Geheimrat, dass die verdoppelten Preise unproblematisch wären, da wir ja nun auch doppelt soviel Geld hätten. Alle lobten den Geheimrat für diese Klarstellung, nur der Ökonom beharrte verbissen darauf, dass die Inflation gefährlich sei. Er regte sich so sehr auf, dass er an einem Herzinfarkt verstarb.

Der Vorfall wurde von einer Kommission untersucht. Aus dem 5000-seitigen Untersuchungsbericht ging hervor, dass die Inflation tatsächlich gefährlich sei, allerdings nur, wenn man sich darüber aufrege. Daraufhin schlug der Jurist vor, das Aufregen über die Inflation gesetzlich zu verbieten, um weitere Todesfälle zu vermeiden. Die Ärztekammer schloss sich diesem Vorschlag an. Der Geheimrat widersprach. Der Ökonom sei ja nun leider schon tot, und darüber hinaus habe sich ja niemand aufgeregt. Er bezeichnete die Erlassung eines entsprechenden Gesetzes als Regulierungswut und verwies auf eine ihm bekannte Stadt, in der diese Regulierungswut zum Verdruss eines ganzen Staatenbundes betrieben werde. Der Wirt hatte das auch schon gehört und wollte wissen, ob es sich um die Stadt Brüssel handele. Der Geheimrat verwies auf seine Schweigepflicht.

Seither wurde nun jedes Jahr die Gemeinschaftsarbeit angesetzt und die Geldmenge verdoppelt. Im dritten Jahr kam es zu einem ernsten Zwischenfall. Der Bäcker hatte vom Schmied im vorausgegangenen Jahr Geld ausgeliehen und nun zurückgezahlt. Der Schmied musste nun allerdings feststellen, dass er für dieses Geld vor einem Jahr 10 Brote hätte kaufen können, nun aber nur noch 5. Das war allen ein Rätsel. Den Ökonomen konnte man nicht mehr fragen, da er tot war. Der Geheimrat nahm sich der Sache an. Er setzte sich mit dem Finanzminister zusammen, und gemeinsam fanden sie heraus, dass auch die Schulden jedes Jahr verdoppelt werden müssten. Das wurde dann auch beschlossen. Nach einiger Zeit meldete sich der Finanzminister aber erneut zu diesem Thema. Er erklärte, dass die Verhältnisse anders wären, wenn wir bei der Gemeinschaftsarbeit tatsächlich neue Sachwerte schaffen würden. Außer dem Geheimrat und dem Mathematiklehrer hat jedoch niemand diesen Einwand verstanden. Der Wirt meinte, die Annahme, dass wir bei der Gemeinschaftsarbeit neue Sachwerte schaffen würden, könne als weltfremde Theorie verworfen werden. Dem stimmten alle zu. Der Jurist wies allerdings darauf hin, dass es sich bei der Sache um eine Frage des Eigentumsrechts handle und dass Eigentumsfragen sehr sensibel seien. Der Ruf nach Rechtssicherheit wurde laut. Der Jurist schlug vor, die Schaffung von Sachwerten im Rahmen der Gemeinschaftsarbeit zu verbieten. Dieser Vorschlag wurde mit Begeisterung aufgenommen. Das Gesetz wurde mit umfangreichen Feierlichkeiten verabschiedet.

Nach 10 Jahren traten erneut Probleme auf. Die Preise hatten sich inzwischen vertausendfacht. Dies führte zu Protesten bei den Einzelhändlern, die die gestiegenen Kosten für die größeren Preisschilder beklagten. Es wurde gemunkelt, dass die Inflation doch in den Abgrund führe, wie es der Ökonom vorhergesagt hatte. Es kam zu heftigen Diskussionen im Wirtshaus. Da mischte sich ein Durchreisender, der am Nachbartisch saß, in die Diskussion ein. Er sagte, sein Name sei Schacht, und er würde uns empfehlen, von allen Geldbeträgen einfach drei Nullen wegzustreichen. Das führte zu lautem Gelächter. Herr Schacht bestand jedoch auf der Wirksamkeit der Maßnahme und erklärte, er habe in dem Land, aus dem er komme und in dem er Präsident der Zentralbank sei, vor kurzem sogar 12 Nullen weggestrichen. Wir lachten ihn aus. Was für ein Aufschneider ! Inzwischen war auch der Geheimrat eingetroffen. Er hatte von der Sache mit den 12 Nullen gehört. Schlagartig änderte sich die Stimmung. Der Finanzminister wurde gerufen. Auch er hatte von der Sache gehört. Nachdem auch der Mathematiklehrer die Sache für machbar hielt, schritten wir zur Tat. Und was soll ich sagen: es hat funktioniert! Seither führen wir diese Maßnahme alle 10 Jahre durch. Ein voller Erfolg. Die Zukunft Inflationiens war gesichert. Auf Anregung des Finanzministers wurde am Finanzministerium eine Gedenktafel angebracht: "Wer hat die Lösung uns gebracht ? Es war der kluge Meister Schacht."

Mit Freude – und auch einer Prise Stolz – nehmen wir zu Kenntnis, dass unser System nun auch mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

Comment

Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Der Börsencrash steht bevor: Was man nicht tun sollte.

Artikel von Hans Scharpf, Erstveröffentlichung auf www.geldhahn-zu.de

Augen zu und durch?

„Augen zu und durch“, so lautet die Titelüberschrift eines Artikels von Anne Seith im letzten Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017). Thema des Artikels ist das permanente Steigen der Aktienkurse in den letzten Jahren. 
Am Schluss des Artikels wird der Verbraucherschützer Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, zitiert.
Er rät dazu, Geld in Aktien anzulegen, als Mittel einer langfristigen Altersvorsorge und empfiehlt ETFs (Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfond https://www.justetf.com/de/academy/was-sind-etfs.html).

Anne Seith umschreibt sie als „Wertpapiere …, die schlicht einen Aktienindex nachbilden“ und kostengünstig zu erwerben sind. Man solle breit streuen und dazu nicht den Dax als Referenzindex nehmen, sondern den MSCI World, ein Aktienindex, der die Wertentwicklung der Aktien von 23 Industrieländern weltweit widerspiegelt https://de.wikipedia.org/wiki/MSCI_World). 

Nauhauser hält das Risiko auf lange Sicht für überschaubar. Wer in der Vergangenheit mindestens 12 Jahre lang investiert geblieben ist, habe nur in Ausnahmefällen einen nominalen Verlust gemacht – egal wann er eingestiegen ist.

Crashs müsse man nur aushalten, „Augen zu und durch“ lautet das Motto.

Diese Einschätzung mag für die vergangenen Jahre richtig gewesen sein. Jedenfalls in den Fällen, in denen börsennotierte Unternehmen nicht verschwunden sind und ihre Aktien und Unternehmensanleihen noch gehandelt wurden. Außerdem durfte man vor Erholung der Kurse nicht arm und krank werden, also auf den Umtausch der „Wertpapiere“ in Geld angewiesen sein, mit dem man ausreichend Lebensmittel kaufen und den Arzt und das Krankenhaus bzw. die Krankenkasse bezahlen konnte. Natürlich sollte einen auch noch nicht vor der Kurserholung der Tod ereilt haben.

Ob allerdings bei dem jetzt anstehenden Crash die Börsen in der heutigen Form und Funktionsweise noch weiterbestehen werden, muss bezweifelt werden.

Denn schon wieder ist es zu diesen extremen Fehlbewertungen durch Börsenkurse gekommen, die eine enorme Wertsteigerung der börsennotierten Unternehmen, also den Wirtschaftsmotoren, vorgaukeln, obwohl das reale Wirtschaftswachstum noch nicht einmal ansatzweise mit diesen Kurssteigerungen von Dow Jones und Dax mithält. 

Hinzu kommt, dass vor allem die US-Internetunternehmen Apple, Facebook, Amazon, Microsoft und Google („The Big Five“) an den US-Börsen mit zusammen 3 Billionen Dollar derzeit bewertet sind, fast doppelt so viel wie sämtliche Dax-Konzerne zusammen. Auf die Big Five entfielen dann auch noch 40% des Zugewinns des Börsenindexes S&P (Standard und Poor´s Aktienindex der weltweit 500 größten Unternehmen https://de.wikipedia.org/wiki/S%26P_500) im ersten Halbjahr 2017.

Was aber produzieren die „Big Five“? Lebensmittel, Häuser, Kleidung, Autos, Opern- und Theaterhäuser, Fußballstadien, Kirchen usw.?
Nein. Bits und Bytes, Hard- und Software, neuartige Kommunikationsgeräte, mittlerweile sogar Währungen (Stichwort „Bitcoins“), alles strombasiert, Spannungszustände, die in Rechnern mit nahezu Lichtgeschwindigkeit sich nach Befehlen ändern und visualisiert und vertont werden, damit menschliche Sinne damit etwas anfangen können. 
Im selben Spiegel (DER SPIEGEL 44/2017) ist unter dem Titel „Abschied vom immer Mehr“ einem Interview mit dem Forscher Reiner Klingholz zu entnehmen, dass die hohen Wachstumsraten vorbei seien:

SPIEGEL: Schon in den Sieb­zi­ger­jah­ren warn­ten Wis­sen­schaft­ler vor dem Ende des Wachs­tums. War­um soll es jetzt, mehr als 40 Jah­re spä­ter, so weit sein?

Kling­holz: Die­se al­ten War­nun­gen wa­ren öko­lo­gisch be­grün­det und wur­den nicht wirk­lich er­hört. Was wir jetzt er­le­ben, ist ein struk­tu­rell be­ding­ter Rück­gang, der seit Lan­gem an­dau­ert. Seit dem Wirt­schafts­wun­der in den Fünf­zi­ger­jah­ren schwächt sich das Wachs­tum im Zehn­jah­res­mit­tel ten­den­zi­ell ab. Es ist höchst un­wahr­schein­lich, dass wir zu den ho­hen Ra­ten der Ver­gan­gen­heit zu­rück­keh­ren. Die gol­de­ne Zeit des „Im­mer mehr“ ist vor­bei, We­ni­ger, Sta­gna­ti­on oder gar Schrump­fen wird zur neu­en Nor­ma­li­tät.

Anscheinend sieht der Forscher Klingholz in diesem Wachstum der Börsenkurse, insbesondere der „Big Five“ nicht das Wirtschaftswachstum, mit dem die Altersvorsorge und die Sozialsysteme finanziert werden können. 
Er wird mit dieser Einschätzung wahrscheinlich richtig liegen.

Bits und Bytes pflegen nicht, heilen nicht, können nicht gegessen werden, können sich nicht unterhalten und schon gar nicht lieben. 

Letzteres braucht aber jeder Mensch, um Mensch zu sein.

Was aber geschieht, wenn Menschen, die z.B. pflegen können, nicht mehr bereit sind, dies für die Überweisung von Bits und Bytes zu tun, weil diese Zahlenreihen nichts wert sind oder sie sich nicht mehr mit Zahlenreihen auf Bankkonten von Banken bezahlen lassen möchten oder mit ihnen nichts mehr gekauft werden kann, weil der Crash zur Entwertung der Zahlenreihen in Rechnern und auf virtuellen Kontoauszügen geführt hat?

Die „Big Five“ jedenfalls werden vor allem den Kleinaktionär nicht versorgen und heilen und schon gar nicht küssen oder streicheln. Das tun sie jetzt schon nicht und im und nach dem Crash erst recht nicht. Ihre Mitarbeiter schreiben Algorythmen, entwickeln Hardware und sammeln Daten über ihre Kunden, damit diesen passgenau Produkte verkauft werden können, die heutzutage sehr häufig krank und unfruchtbar machen, durch Umweltzerstörung entstehen und meist zu einem guten Leben nicht erforderlich, häufig sogar dafür ungeeignet und schädlich sind.

Wenn der Kleinaktionär dann auch noch begreifen würde, dass die Kurssteigerungen an den Börsen und auch das rasante Ansteigen der Immobilienpreise, vor allem in guten Wohnlagen in den Städten, mit etwas zu tun hat, was Professor Bernd Senf bereits 1996 in seinem nach wie vor empfehlenswerten Aufklärungsbuch „Der Nebel um das Geld“ die „Geldschöpfung aus dem Nichts“ (durch Geschäftsbanken) genannt hat (S. 158), dann könnte das eintreten, was bereits Henry Ford 1937 prognostiziert haben soll: eine Revolution noch vor morgen früh. Das könnte dann in der Abschaffung des Börsenkapitalismus enden. „Dauerhaft geschlossen“ würde man dann im Internet lesen, wenn man die Webseiten der Börsengesellschaften aufsucht.

Was Henry Ford dabei vor Augen gehabt haben könnte, hat jetzt kürzlich Dr. Wolfgang Freisleben, ein österreichischer Autor und Verleger, in einem Artikel mit der etwas reißerischen Überschrift „Aufgedeckt: Wie die Banken Geld aus Luft erzeugen“ recht verständlich und weitgehend zutreffend zusammengefasst: http://www.freisleben-news.at/.

Zitat aus der Einleitung:

Bei jeder Kreditvergabe erzeugen Banken Geld aus dem Nichts. In den Lehrbüchern steht es anders. Doch der deutsche Finanz-Professor Richard Werner hat es 2014 empirisch nachgewiesen. Jetzt publiziert endlich auch die Deutsche Bundesbank auf ihrer Website die Wahrheit. Das muss Konsequenzen haben…

Nun, kürzlich aufgedeckt wurde dieses Geheimnis sicherlich nicht (siehe Bernd Senf´s Aufklärungsbuch von 1996). Allerdings dürfte das Wissen darüber jetzt doch eine kritische Anzahl von Menschen erreicht haben.
Die fragen sich natürlich, mit welchem Recht Banken (und auch Sparkassen) von ihnen Zinsen verlangt haben und weiterhin verlangen, obwohl sie das Geld, was sie angeblich als Darlehen verliehen haben, vor dem Verleihen nicht hatten, sondern selbst durch Ausdruck einer Zahlenreihe mit Währungszeichen, z.B. €, erst erschaffen, „geschöpft“ haben. Akademisch verbrämt „Fiat-Money“ genannt.

Das hat sie selbst nichts gekostet. Der Zeitaufwand für diesen Buchungsakt, der gleichzeitig der Schöpfungsakt für das Geld gewesen ist und deshalb auch Buchgeld genannt wird, war nur sehr gering, insbesondere im Vergleich zum Zeit- und Arbeitsaufwand, den der Darlehensnehmer betreiben muss, um der Bank oder seiner Sparkasse das empfangene Geld wieder zurückzahlen.

Die Banken rechtfertigen dies damit, dass der Darlehensnehmer doch dafür, also für das ausgezahlte und dann an den Wohnungsverkäufer überwiesene Darlehen das Haus oder die Wohnung erhalten hat, die er sich so sehnlich für sich und seine Familie gewünscht hat. Und das stimmt ja auch, der Wohnungsverkäufer hat ihm für diese Überweisung die Wohnung zu Eigentum übertragen, sie gehört ihm jetzt.

Also muss er natürlich die Schulden, die er dafür eingegangen ist, zurückzahlen, mit Zins selbstverständlich. Natürlich ist es auch nur fair, dass die Bank oder Sparkasse etwas dabei verdient, also ihre eigenen Kosten, insbesondere ihren sogenannten Refinanzierungsaufwand erstattet bekommt und sie darüber hinaus noch eine sogenannte Marge (einen Gewinnaufschlag, meist zwischen 0,5 bis 1,5%) verlangen darf, die dem Kunden ohne weiteres angemessen erscheint.

Allerdings trügt diese Vorstellung von der Leistung der Bank und lässt für jeden, der das erste Mal versteht, was die Banken untereinander in Wirklichkeit machen, wenn Geld von einem Bankkonto auf das andere überwiesen wird, eine Welt zusammenbrechen.

Er hat dann nämlich gelernt, dass der Empfänger des Geldes, auf dessen Konto vermeintlich das Geld überwiesen worden ist, ebenfalls nur aus dem Nichts geschöpftes Geld erhalten hat, also reines Buchgeld, was nicht wertgedeckt gewesen ist und seine Wertdeckung durch den Kreditnehmer selbst erhalten hat. Wieso, fragt sich der Unkundige. Nun, man wird ihm als Aufgeklärter in etwa wie folgt antworten:

Die Bank hat doch Sicherheiten verlangt, z.B. die Eintragung von Grundschulden an der zu kaufenden Wohnung oder die Sicherungsübereignung des neuen PKW, die mit dem Bankdarlehen finanziert worden sind, nicht wahr? Und, hat sie nicht auch noch die Verpfändung des Gehalts verlangt und die Bonität geprüft? Der Bankkunde wird nicken und ja sagen. Wahrscheinlich wird er auch gleich hinterherschieben, dass dies Bedingung für die Auszahlung des Darlehens gewesen ist.

Er weiß nicht, dass die Bank in Wahrheit ihm kein schon vorhandenes Geld verliehen hat, sondern nur das Versprechen abgegeben hat, ihm Geld, verstanden als Bargeld, auszuzahlen, und das auch nur dann, wenn es der Kunde verlangt. Wahrscheinlich würde er gar nicht erst ein Darlehen bekommen, wenn er es bar ausgezahlt bekommen möchte.

Der Empfänger der Überweisung erhält ebenfalls nur das aus dem Nichts geschöpfte Geld und wird in aller Regel nicht testen, ob es gedeckt ist und die Barauszahlung verlangen. 

Allerdings besteht jetzt, nach der Überweisung, zumindest theoretisch, eine Deckung durch die Sicherheiten, die die Bank sich vom Kunden hat geben lassen. 
Das zunächst aus dem Nichts geschöpfte Geld hat damit einen Wert zumindest in Höhe der Sicherheiten erhalten (vorausgesetzt, die Sicherheiten sind nicht überbewertet). 
Die Sicherheiten werden aber nicht auf den Empfänger der Überweisung und auch nicht auf dessen Bank übertragen. Sie bleiben bei der Ursprungsbank, die dem Kunden den Kredit gegeben hat. 

Der Empfänger merkt nicht, jedenfalls solange er im Bankensystem bleibt und mit der Überweisung ihm erbrachte Leistungen und Produkte bezahlt, dass auch er nur eine Zahlenreihe mit Währungszeichen erhalten hat. Er hält die Zahlenreihe für Geld (mit einem inneren Wert oder einer Wertdeckung), weil er ja durch Überweisungen Produkte kaufen kann oder auch am Automaten Bargeld dafür erhält. Größere Summen will er sowieso nicht als Bargeld haben.

Es wäre unpraktisch und auch ein Sicherheitsrisiko und die Bezahlung umständlicher und aufwendiger.
Hinzu kommt, dass die Banken (und dasselbe gilt für Sparkassen) Bargeldauszahlungen, vor allem größere Summen ungemein erschweren und sich der normale Kunde beinahe als Schwerverbrecher und Bankräuber empfindet, wenn er mehr als 10.000€ abheben möchte. Was die Banken nicht verraten: Würden viele Kunden größere Summen bar ausbezahlt verlangen, vor allem regelmäßig, würde ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren bzw. ihre Wettbewerbsfähigkeit leiden. 

Bargeldauszahlungsverlangen sind grundsätzlich Gift für die Bankbilanz und führen zu erhöhtem Aufwand, insbesondere Refinanzierungskosten. Wenn die Bank viele Kunden hat, die die Darlehen in bar ausbezahlt bekommen möchten, gerät sie ganz schnell ins Schlingern und wird wettbewerbsunfähig. 

Sie müsste dann nämlich die Sicherheiten einsetzen, um sich von der Zentralbank Bargeld zu besorgen und könnte keine Hebelgeschäfte mehr mit z.B. Pfandbriefen, verbrieften und handelbaren Grundschulden machen und sich refinanzieren, um z.B. Investmentbanking und ähnlich undurchsichtige, aber hoch lukrative Geschäfte zu machen, statt dem Kunden endlich das Darlehen in bar auszuzahlen.

Die verdeckte Geldschöpfungsmacht stellt natürlich eine Versuchung dar und öffnet Missbräuchen Tür und Tor, vor allem, wenn die Aufsichtsbehörden ein Auge zudrücken und das Verbot des § 3 Nr. § 3 Kreditwesengesetz (KWG), der solche Kreditgeschäfte verbietet, nicht zur Anwendung bringen.

Es kam und kommt deshalb immer wieder zu sogenannten Überfinanzierungen (auch Blancokredite genannt), also Kreditierungen mit selbst geschöpftem Geld, die nicht ausreichend durch adäquat werthaltige Sicherheiten gedeckt sind.

Die Folge ist eine nicht durch reales Wirtschaftswachstum gedeckte Erhöhung der (Buch)geldmenge, deren Anteil an der Gesamtgeldmenge aus Buchgeld und Bargeld im Laufe der Jahre immer größer geworden ist. 
Der Anteil liegt mittlerweile bei über 95% der Gesamtgeldmenge. Mit anderen Worten: Über 95% der Geldmenge besteht aus von Banken (und Sparkassen) aus dem Nichts geschöpften Geld, das überwiegend nicht durch Wirtschaftswachstum gedeckt ist.

Dieses Geld, von den Bankern auch Liquidität genannt, sucht verzweifelt Anlage und fließt wegen der ungeheuren Mengen in die klassischen Auffangbecken, also Börsen und Immobilien und treibt zwangsläufig Kurse und Preise immer weiter in die Höhe, obwohl bei realer Betrachtung keine Wertsteigerung festzustellen ist, eher schon, vor allem bei Bestandsimmobilien mit dem üblichen Sanierungsbedarf, das Gegenteil.

Das Volumen der Überfinanzierungen hatte in Deutschland bereits Anfang bis Mitte der 90-ger Jahre Dimensionen erreicht, die nicht mehr zu bewältigen waren. Der Fall Schneider ist ein Beispiel, vor allem aber das von der damaligen Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG angerichtete Desaster mit Joint-Venture-Finanzierungen, das erst durch die „Rettung“ der HypoRealEstate HRE), die als Bad-Loan Bank gegründet worden war, gestoppt wurde, allerdings nur vorläufig.

Dazu sind sage und schreibe 143 Milliarden an Steuermitteln und Staatsgarantien bereit gestellt worden.

Woran es den Banken bei diesen Kreditgeschäften (die Deutsche Bank spricht in einer am 18.09.2017 veröffentlichten Studie von „massiver Kreditschöpfung aus dem Nichts“, siehe www.geldhahn-zu.de – 3. Runde) allerdings fehlt, ist die Lizenz zum Gelddrucken bzw. zum Geld schöpfen.

Diese soll sich nach Auffassung der Bankjuristen aus einer allgemeinen Übung ergeben, also aus einer von vielen Menschen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, als betrügerisch empfundenen Praxis. 

„Das sind alles Verbrecher“ sagte mir kürzlich mein Nachbar, über 80 Jahre, alleinstehend und sich selbst versorgend.

Wir (Banker, Ökonomen, Juristen, Naturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Architekten, Immobiliensachverständige u.a.) haben uns schon ab 2012 mit dieser Frage beschäftigt und sind bereits damals zu dem Ergebnis gekommen, das es „Kein Recht zur Geldschöpfung“ gibt, jedenfalls kein verfassungsgemäßes Recht. Auch sind viele Spielarten der Geldschöpfung aus dem Nichts bei Licht besehen strafbar (§§ 54, 3 Nr. 3 KWG, § 331 I Handelsgesetzbuch – HGB) www.geldhahn-zu.de.

Allerdings hat sich durch Nichtanwendung der Strafgesetze, Deregulierung genannt, vor allem der strafbare Anteil der Geldschöpfung aus dem Nichts prächtig entwickelt und wird uns jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erneuten Crash bescheren.

Dieser sollte aber dann endlich durchgreifende Konsequenzen haben bis zur Schließung der Börsen, zumindest solange es noch die unkontrollierte und nicht sanktionierte Geldschöpfung aus dem Nichts durch private Banken und Sparkassen gibt, vor allem, wenn sie zur Überfinanzierung ausarten kann.
Wenn es zu diesen aus meiner Sicht unvermeidlichen Konsequenzen kommt, kommen muss, ist der Empfehlung an den „Otto Normalverbraucher“, er könne und solle sogar Altersvorsorge durch Aktienkauf betreiben, vor allem zum jetzigen Zeitpunkt, mit großer Skepsis zu begegnen. 

Diese Skepsis dürfte auch Wolfgang Freisleben haben, der am Schluss seines Artikels „Wie die Banken Geld aus Luft erzeugen“ klar macht, dass die Banken kein Interesse daran haben, dass der „Otto Normalverbraucher“ weiß, dass die Banken Geld selber aus Luft erzeugen:

Selbstverständlich hat die Bankenwelt aber kein Interesse daran, dass jeder weiß, dass die Banken Geld selber aus Luft erzeugen und dafür Zinsen verlangen. Und dann womöglich Kreditkunden exekutieren, ihn ihre Wohnhäuser und sonstigen Wertgegenstände abnehmen und versteigern, um ihr zuvor wertloses Luftgeld in reale Güter umzuwandeln. Debt Asset Swap kann man das nennen.

Soweit der „Otto Normalverbraucher“ nach dieser Aufklärung meint, er solle seine Ersparnisse nun in Aktien anlegen, sollte er damit rechnen, dass die Aktienbörsen geschlossen werden, jedenfalls solange die Gefahr der Blasenbildung durch die Geldschöpfer aus dem Nichts besteht.

Zu denen zählt übrigens auch die EZB, die zurzeit den Takt vorgibt mit etwas, was fachchinesisch „Quantitive Easing“ genannt wird und nichts weiter bedeutet, als dass die EZB in großen Mengen Geld druckt, in der Hoffnung auf ein Wirtschaftswachstum, was nicht mehr stattfinden wird und auch, soweit es den Klimawandel vorantreibt, nicht mehr stattfinden darf, um ein System zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Die Zukunft kann damit jedenfalls nicht positiv gestaltet werden. 

Es muss vielmehr ganz grundlegende Reformen geben, die in der Abtrennung der Zahlungssysteme von der Kreditschöpfung bestehen und eine Abwertung des Buchgeld-Euros (und zunächst des Buchgeld-Dollar) auf einen realistischen, das umweltverträgliche Wirtschaftswachstum spiegelnden Wert.
Die Kredit-/Geldschöpfung muss transparent erfolgen und demokratischer Kontrolle unterworfen werden.

Volkes Wille gegen Gier und Wahn.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Deutsche Bank befürchtet eine baldige neue Finanzkrise

In einem Bericht (auf Englisch) mit dem Titel "Long-Term-Asset-Return-Study: The next financial crisis" vom September 2017 beschreibt die Deutsche Bank die Krisenanfälligkeit des Geldsystems, das nach der Abkehr von der Goldbindung 1971 entstanden ist und uns noch heute regiert:

We think the final break with precious metal currency systems from the early 1970s (after centuries of adhering to such regimes) and to a fiat currency world has encouraged budget deficits, rising debts, huge credit creation, ultra loose monetary policy, global build-up of imbalances, financial deregulation and more unstable markets (aus dem executive summary am Anfang der Studie).

Interessanterweise beklagt die Deutsche Bank also auch die übermäßige Geldschöpfung (huge credit creation) und die zu hohe Verschuldung (rising debts). Anschließend wagt die Deutsche Bank eine beunruhigende Prognose:

So we’re quite confident that there will likely be another financial crisis/shock pretty soon with their frequency continuing to be high until we create a more stable global financial framework.

Da würde sich doch das Vollgeldsystem als neues "financial framework" in der "fiat currency world" anbieten! Die Geldschöpfung wäre endlich unter Kontrolle und die enge Verzahnung von Verschuldung und Geldschöpfung gestoppt!

Weitere Kommentare zu dem Bericht finden sich etwa beim Economist, bei CNBC oder den Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Die Banken erzeugen "Ungleichheit auf Knopfdruck"

Der Autor Aaron Sahr, der auch auf der Monetative-Jahrestagung am 11. - 12.11. 2017 in Frankfurt auftritt, beschreibt in seinem Buch "Keystroke-Kapitalimus: Ungleichheit auf Knopfdruck" die sozialen Auswirkungen der Banken-Geldschöpfung. Lesen Sie dazu die Rezension von Stefan Freichel:

Um es gleich vorab zu sagen, mit diesem im Bibel-Taschenbuchformat publizierten 176 Seiten hat Dr. Aaron Sahr einen großen Beitrag zur Klärung der soziologischen Frage nach dem Wesenskern unserer heutigen Epoche geleistet.

Was eigentlich ist im heutigen Zeitalter des globalisierten, finanzgetriebenen Kapitalismus anders als früher? Wieso kehren sich ursprüngliche Trends der gesellschaftlichen Entwicklung seit den 70er Jahren um? Wieso wird die Entwicklung zunehmend aus der „Triade aus wachsendem privaten Wohlstand, anschwellenden Schuldenbergen, und zunehmender gesellschaftlicher Ungleichheit“ bestimmt?
Aaron Sahr ist es gelungen, die Strukturen zu identifizieren, die einige wenige bevorzugen und so viele benachteiligen. Dass er dabei die Rolle des Finanzsystems und das ihm innewohnende Geldschöpfungsprivileg der Banken mittels Tastendruck - von Aaron Sahr als „Keystroke-Kapitalismus“ bezeichnet - in den Mittelpunkt seiner soziologischen Ausführungen stellt, mag unter Vollgeld-Diskutanten eine Trivialität darstellen. Jedoch kann das Wie der Darstellung, das Aufzeigen der Verbindungen und Strukturen und das Herausarbeiten der Illegitimität des Geldschöpfungs-Privilegs nur als herausragende soziologische Arbeit bezeichnet werden. Die zunehmende Steigerung der Nachfrage nach Finanzanlagen wird von drei Kräften angetrieben:

1.) Durch die Reichen, die ihre Geldzuwächse anlegen müssen.
2.) Durch institutionelle Investoren, denen es gelungen ist, die solidarischen Pensionssysteme zu kannibalisieren.
3.) Durch die Realwirtschaft selber, wo viele Unternehmen inzwischen durch Investitionen in Finanzanlagen mehr Kapital generieren als im Kerngeschäft.

Im Vergleich zur Vor-Finanzialisierungs-Epoche ist somit die Bedeutung des in Form von Bankschulden mittels „Keystroke“ erzeugten Kapitals in solch unvorstellbarer Weise angestiegen, dass für Aaron Sahr neben den Akteuren Staat und Märkten ein neuer dritter „Aneignungsakteur“ geboren wurde. Die klare Herausarbeitung der Bedeutung und der Illegitimität dieses neuen „Aneignungsakteurs“, der zunehmend die traditionellen „Aneignungsakteure“ Staat und kapitalistische Märkte unter Druck setzt, ist die große Leistung dieses Buches.

Der Maschinenraum des Finanz-Kapitalismus wird immer stärker durch das Kapital, das durch den Finanzsektor durch „paraökonomischen Prozesse“ erzeugt wird, befeuert. Bankkredite sind für Aaron Sahr „paraökonomische Praktiken, eine Anomalie im Herzen der kapitalistischen Ökonomie“. Der Soziologe wählt den Begriff paraökonomisch. Mir fällt bei diesem schmerzhaften Befund eher die Bezeichnung parasitär ein, was vermutlich ein Beleg ist, keine wissenschaftliche Contenance wahren zu müssen. Der neue dritte „Umverteilungsapparat“ agiert für Aaron Sahr im Gegensatz zu den alten Apparaten Markt und Staat illegitim. Im Gegensatz zur Realwirtschaft, „wo Können immer Haben voraussetzt“, benötigt der neue Apparat kein Haben zur Aneignung. Im Gegensatz zu über Wahlen legitimierter Staatsmacht arbeitet dieser zudem undemokratisch und höchst intransparent im Verborgenen. Dabei sollten, nach Aaron Sahr, selbst „glühende Neoliberale, die als standhafte Verteidiger unregulierter Märkte auftreten und die Fahne der Freiheit schwingen, die legitimatorische Obdachlosigkeit des Keystroke-Kapitalismus eingestehen müssen.“ Die durch illegitime Umverteilung entstandenen Schäden im Sozialgefüge sind bis dato weitgehend intransparent und daher kaum quantifizierbar. Auch die durch den Apparat generierten Zinsgewinne können als weitgehend illegitime Bereicherung angesehen werden: „Man kann deswegen festhalten, dass die Allgemeinheit (als politische Gemeinschaft) und die Mittel- und Unterschichten (als sozialstrukturelle Gruppen) die Kosten der paraökonomischen Geldschöpfung tragen, während private Unternehmen und Vermögende die Gewinne einbehalten.“

Die Hauptprofiteure sind somit die innerhalb des Apparats tätigen Akteure: Ob Bank- oder Konzerneigentümer oder ihre Funktionsträger - alle sind sie Teilnehmer eines „Plünderungszirkels“ und schustern sich risikolos mittels paraökonomischer Prozesse immer mehr Eigentumsansprüche zu. Diese Entwicklung findet vor den Augen der Öffentlichkeit und 10 Jahre nach der beinah stattgefundenen Kernschmelze der Finanzwelt immer noch im Verborgenen statt. Ein Skandal, der aus meiner Sicht  weitgehend dem Versagen der Ökonomen geschuldet ist. Sie sind teils Lichtjahre von einer wirklichkeitsnahen Beschreibung der ökonomischen Strukturen und Kräfteverhältnisse entfernt. Allzu oft begnügen diese sich lediglich damit, die Aneignungs-Privilegien der Märkte gegenüber dem Staat zu verteidigen und ignorieren zugleich den neuen illegitimen Aneignungsakteur Finanzsektor. Da stellt sich – meiner Meinung nach - schon die Frage, warum man die deutschen VWL-Lehrstühle weiterhin mit Steuergeldern alimentiert und diese nicht direkt mit ihren Ansprüchen an die Profiteure des neuen Apparates verweist. Dass Soziologen wie Aaron Sahr diese Lücke füllen und eine treffende Bestandsaufnahme der heutigen ökonomischen Machtverhältnisse und der daraus resultierenden zunehmenden Ungleichheit liefern, lässt hoffen. Zumal er nicht bei seiner soziologischen Beschreibung verharrt, sondern neue Handlungsmuster zur Auflösung der „legitimatorischen Obdachlosigkeit“ des Keystroke-Kapitalismus einfordert.

Für ihn zeichnen sich zwei Optionen ab, die sich auch gegenseitig ergänzen können: Die erste Option wäre, Banken mittels Vollgeldreform zu ökonomisieren. Die zweite, die Geldschöpfung durch Übertragung des Geldschöpfungsprivilegs auf politische Akteure zu demokratisieren. Dass der Autor höchste Handlungsnotwendigkeit sieht und eher der zweiten Option zuneigt, ohne eine Patentlösung anbieten zu wollen, dokumentiert er im Schlusssatz seines Buches: „Trotz all der nachvollziehbaren Bedenken, die den Alternativen des privatisierten paraökonomischen Privilegs entgegengehalten werden und werden könnten, stehen eher die Bedenkenträger in der Pflicht, das ökonomische und soziale Scheitern des Experiments rein privatwirtschaftlicher Erzeugung von Geld aus dem Nichts zur Kenntnis zu nehmen und sich für das Nachdenken über Alternativen zu öffnen.“

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Es ist schwer, ein sprachlich und inhaltlich so kompaktes Werk in einer Rezension nicht bis zur Unkenntlichkeit zu komprimieren. Viele soziologischen Begrifflichkeiten und logischen Ableitungen des Autors mussten unerwähnt bleiben. Ich empfehle daher allen mit einer soziologischen Sprachwelt vertrauten und an einer „gerechteren Welt“ interessierten Menschen dieses Buch in Gänze zu lesen. Es führt uns nicht nur das Wesen unserer Epoche, sondern auch die Dimension der zukünftigen gesellschaftlichen Verteilungs-Auseinandersetzungen im ungleichen Kampf 2-gegen-1 vor Augen und erklärt uns plausibel und wertneutral die „eingeführten Muster und Aktivitäten“ der Akteure. Dass Aaron Sahr mit seiner älteren Dissertationsveröffentlichung "Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits" für den "Opus Primum" Preis für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation nominiert wurde, ist ein weiterer Beleg für die Qualität des Autors. Es wäre schon verwunderlich, wenn er diesen Preis aufgrund der Bedeutsamkeit seines Forschungsgenstandes und seiner sprachlichen Präzision am 22. November 2017 nicht erhalten würde.

Rezension von Stefan Freichel

Aaron Sahr: "Keystroke Kapitalismus" - Untertitel: Ungleichheit auf Knopfdruck - Hamburger Edition 12.- €, 170 Seiten / kleines handliches Format

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Österreichische Zentralbank schreibt an Monetative Austria

Es gibt seit einigen Monaten nun auch in Österreich eine Vollgeldinitiative. Sie kritisiert die Geldschöpfung durch Geschäfts­banken als ungerecht und sieht in ihr die Hauptursache für die schwere Finanzkrise 2007ff. Geldschöpfung durch Geschäftsbanken sei wie eine Droge, von der sich das Finanzsystem abhängig gemacht hat, behauptet Dr. Raimund Dietz von der Monetative Austria. Geldschöpfung in öffentlicher Hand würde vieles ins Lot bringen.

In einem schriftlichen Meinungstausch mit der Oesterreichischen Nationalbank bringt Dietz seine Initiative in Position. Die OENB reagiert scheinbar gelassen. Alles im Griff, sagt sie. Wir haben andere Instrumente, obwohl sie heute Instrumente einsetzt, von der sie vor 10 Jahren nicht mal zu träumen gewagt hätte. Dietz erwidert: Die Argumente der OENB seien auf Sand gebaut, sie würden den Standpunkt der Geschäftsbanken vertreten und dem ordnungspolitischen Mandat der OENB nicht nachkommen. Lesen Sie hier den Briefwechsel– die Schreiben klären auf, was Sache ist …. Geld ist zu wichtig, um es nur Experten zu überlassen.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Ökonomen Jahrestagung (VfS): "Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“

Ökonomen Jahrestagung (VfS): "Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“

Als vor 10 Jahren die Finanzkrise einschlug, wurde die Zunft der Mainstream-Ökonomen davon völlig überrascht, denn typischerweise beschäftigte man sich primär mit theoretischen Gleichgewichtsmodellen, in denen Geld und Banken schlichtweg nicht vorkamen. Geld war für Ökonomen ungefähr so, wie für Fische das Wasser – es war halt irgendwie da.
Aufgrund der andauernden Krise(n) hat sich daran nun einiges geändert und dieses Jahr hat der Verein für Socialpolitik (VfS), die größte deutschsprachige Ökonomenvereinigung, die mehrtägige Jahrestagung vom 03.-09. September 2017 sogar zum Thema „Alternative Geld- und Finanzarchitekturen“ in Wien ausgerichtet.

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Was die politischen Parteien zum Geld- und Finanzsystem fordern

Am 24.9. sind wir aufgerufen, einen neuen Deutschen Bundestag zu wählen. Deshalb hat Monetative e.V. die Programme der dort antretenden Parteien durchgesehen.  Wir veröffentlichen jetzt die Zusammenstellung der entsprechenden Programmteile zum Thema Geld/Finanzen, aufgegliedert in kleine und große Parteien. Zu manchen Passagen haben wir auch einen kurzen Kommentar aus unserer Sicht verfasst. Die Synopse der Programme und unsere Kommentare dazu finden Sie hier.
 

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Stellungnahme von Prof. Joseph Huber zur Schweizer Bankiersvereinigung

Die Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) hat vor einigen Wochen eine Studie zur Vollgeldreform gesponsort, in der die Vollgeld-Initiative vehement zurückgewiesen wird. Nun hat Prof. Joseph Huber, Vorsitzender unseres Wissenschaftlichen Beirats, eine Stellungnahme dazu fertiggestellt, in der er einige zentrale Aspekte der Studie zurückweist und insbesondere auf den Zusammenhang von Geld und Kredit und deren Rolle bei der Entstehung von Bank- und Finanzkrisen eingeht. Seine Stellungnahme ist verfügbar auf Deutsch hier und auf Englisch hier

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Das Finanzsystem aus der Sicht eines Mathematikers

Der Mathematiker Walter Tydecks beschäftigt sich mit Geldschöpfung, Derivaten und dem immer komplizierteren Finanzsystem. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass viele Mathematiker und Physiker inzwischen von der Naturwissenschaft in die Finanzbranche gewechselt sind und sich im Auftrag der Banken komplexe Modelle und Mechanismen ausdenken, die heute die Finanzmärkte dominieren. Lesen Sie seinen Beitrag hier.

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Wir sind Weltmeister im Derivatehandel

Es sind nicht irgendwelche "bösen" ausländischen Staaten,  sondern wir ordentlichen Deutschen selbst: Unser Land liegt weit vorn beim Derivatehandel. Siehe eine Infografik vom Herbst 2016. Gibt es da bei uns eine Regulierungslücke oder warum werden diese Geschäfte vor allem hier getätigt?

Klaus Karwat

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Ein neues Buch darüber, warum die Banken-Buchhaltung unsolide ist und zu Bankenkrisen führt

Rezension des Buches von Michael Schemmann „Offenbarungseid der Deutschen Bundesbank“: Kritik am Aufsatz der Deutschen Bundesbank über die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbanken im Geldschöpfungsprozess, erschienen bei amazon.

Michael Schemmann  ist Bankkaufmann, Betriebswirt, emeritierter Professor für Finanz- und Rechnungswesen,  Wirtschaftsprüfer und Betreiber des  IICPA, eines internationalen Instituts für Wirtschaftsprüfer. In seinem knapp 100 Seiten umfassenden Buch antwortet er auf den Monatsbericht April 2017 der Deutschen Bundesbank.  Kernteil ist die Kritik der Buchhaltungsmethodik der Banken, die von der Bundesbank in diesem Monatsbericht ausführlich dargestellt und verteidigt wird. Die Bundesbank beschreibt in diesem Monatsbericht auf S.18, wie die Banken Geld schöpfen:

"Die Gutschrift des Geldbetrages in Form einer Bankeinlage erscheint in der Bilanz des Kunden X als Forderung an die Bank, die Verpflichtung zur späteren Zurückzahlung des Kredits stellt in gleicher Höhe eine Verbindlichkeit des Kunden X an die Bank dar. Spiegelbildlich zum Kundenkonto erhöhen sich in der Bilanz der Bank X deren Forderungen gegen den Kunden und deren Verbindlichkeiten an den Kunden. Im Ergebnis kommt es beim Kreditnehmer und bei der Bank zu einer sogenannten Bilanzverlängerung, zugleich wurden durch diese Buchungsvorgänge 1000 € Buchgeld (hier auch Giralgeld genannt) geschaffen."

Schemmann kommentiert diese Geldschöpfungspraxis der Banken aus dem Blickwinkel des internationalen Standards für Rechnungslegung IFRS. Dort ist definiert, welche Voraussetzungen sowohl Vermögenswerte erfüllen müssen, die auf der Aktivseite eines Unternehmens verbucht werden, als auch Verbindlichkeiten, die auf der anderen Seite der Bilanz stehen.

Die Kernaussage von Schemmann ist: Die Praxis der Bilanzverlängerung bei Banken-Kreditvergaben und damit die Schöpfung von Buchgeld entspricht nicht den IFRS-Kriterien für eine ordnungsgemäße Buchhaltung. Ein neu abgeschlossener Kredit, der als Vermögenswert (Aktivum) gleichzeitig mit einer Verbindlichkeit auf Auszahlung von Geld (Passivum) in der Bankbilanz verbucht wird, so wie es die von der Bundesbank beschriebene Praxis ist, kann weder einen Vermögenswert noch eine Verbindlichkeit begründen, die den IFRS-Kriterien genügen.

Warum:
-Der Vermögenswert (die Kreditforderung der Bank) beruht nicht auf einem echten Geschäftsvorgang und hat keine Kostenbasis, da ja keinerlei Geld dafür tatsächlich ausbezahlt wurde
-Die Verbindlichkeit ist keine echte Verbindlichkeit, da sie ja größtenteils gar nicht ausbezahlt wird, und sie beruht ebenfalls nicht auf einem vergangenen tatsächlichen Geschäftsvorgang.
Der IFRS-Standard schreibt aber sowohl tatsächliche Geschäftsvorgänge als auch eine Kostenbasis für den Eintrag von Vermögenswerten/Verbindlichkeiten in eine Bilanz vor.
Der Kommentar dazu von Schemmann: Moderne Banken sind lediglich zu Unrecht "glorifizierte Buchhaltungsbetriebe" in tempelartigen Gebäuden, die mit einem Vorgang aus der "Trickkiste" der 500 Jahre alten venezianischen "Doppelten Buchführung" Buchgeld schöpfen. Das müsste nicht so sein!

Die Lösung: Vollgeld

Der Autor zeigt in seinem Buch auch, wie die Banken-Buchhaltung korrekt aussehen sollte: Geld muss von den Banken genauso als Aktivum in der Bilanz verbucht werden wie von anderen Unternehmen. Die vom Kreditnehmer benötigte Summe müsste dann mit liquiden Mitteln der Bank ausgezahlt werden, die von der Aktivseite der Bankbilanz abgebucht werden. So wäre das keine Bilanzverlängerung mehr, sondern lediglich ein Aktivtausch in der Bilanz. Eine solche Buchungspraxis würde dann auch den internationalen Standards für Rechnungslegung entsprechen. Dies entspricht auch den Forderungen des Vereins Monetative e.V. (siehe Erklärung "Was wir wollen") und anderen, die sogenanntes „Aktivgeld“ fordern.

Mehrfache „Offene Briefe“ von Schemmann an internationale Wirtschaftsprüfungs-Organisationen (ein aktuelles Beispiel hier), dass die Buchhaltungspraxis der Banken von korrekt arbeitenden Wirtschaftsprüfern nicht akzeptiert werden sollte, hatten bisher keinen Erfolg.

Hoffentlich kann dieses Büchlein dazu beitragen, dass mehr über das Thema Buchhaltung der Banken nachgedacht wird. An Aktualität fehlt es jedenfalls nicht: Jüngst werden wieder italienische Banken gerettet, weil sie unter „notleidenden“ Krediten zusammenzubrechen drohen. Diese Kredite sind nichts anderes als genau die Aktiva, die ohne echte Kostenbasis von Banken in ihre Bilanz aufgenommen werden können und jetzt viel weniger wert sind als vorher behauptet. Das Problem wird uns immer wieder auf die Füße fallen, wenn wir nicht unser Geldsystem ändern!

Klaus Karwat

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Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Österreichische Diskussion über Geldreform in Seitenstetten

Im Bildungszentrum Seitenstetten fand vom 12. - 14.5. eine Dialogveranstaltung mit dem Titel "Schritte in Richtung friedensfähige Geldordnung statt. Hier ein Auszug aus den Aufzeichnungen:

Podium Nachhaltige Geldordnung

Kathrin Latsch MONNETA Hamburg, Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Senft, WU Wien, Mag. Dr. Marianne Schallhas, Arbeitsgemeinschaft Gerecht Wirtschaften und Univ. Prof. Dr. Richard Werner, Southampton, stellten vor wie Schwierigkeiten in der Finanzarchitektur entstanden sind und in welche Richtungen Auswege gefunden werden könnten. 

 

Kathrin Latsch sprach über Chancen von mehr an Vielfalt bei den Geldsystemen. Über 90% allen Geldes entsteht durch Kredite, geschöpft bei privaten Banken. Dieses Quasi-Monopol sollten wir brechen, u. a. weil es ist nicht demokratisch kontrolliert ist. Wir brauchen Alternativen. Es stimmt nicht, dass man nichts machen kann: Man kann z.B. bei einer Regionalwährung wie „WIR GEMEINSAM“ mitmachen, sich bei der Gemeinwohl-Ökonomie engagieren, oder die Gemeinwohl-Bank unterstützen.

Derzeit müssen in jeder betriebswirtschaftlichen Investition Kapitalrenditen angerechnet werden. Die Kapitalgeber werden systematisch bevorteilt. Es kommt zu: „Wer hat, dem wird gegeben“ – Leute die Wirtschaftswissenschaften studiert haben, verstehen das zu wenig!

Wir brauchen Wachstum an Wissen!

Die Finanzwirtschaft ist ca. 10-mal so groß wie die Realwirtschaft. Dabei entsprechen die Geldvermögen den Schulden, denn Geld entsteht durch Kredit! Die Schulden weltweit betragen 200 Billionen US Dollar.

Ist es eine gute Nachricht, dass die Schulden der Banken relativ zu den Schulden der Staaten und der privaten Haushalte abgenommen haben? Sie sind bei den Staaten gelandet!

Die Bitcoin-Währung ist eher kritisch zu betrachten, die dazu angewendete Blockchain-Technik ist dagegen als positiv zu werten, da sie dezentral, transparent und manipulationssicher ausgeführt werden kann.

 

Gerhard Senft erzählt, dass Adam Smiths Überlegungen mit der Kritik am Merkantilismus begonnen hätte (er stimmt ihm nicht zu, sieht aber Entwicklung durch Kritik.)

Der Euro ist eine große Monopolwährung – Krisen entstanden durch einen zu raschen Einigungsprozess. In den USA dauerte das Ringen für einen gemeinsamen Dollar 100 Jahre.

Es gibt Beispiele aus dem 20. Jhd. dafür, dass Währungsunionen zerfallen sind, wo die Basis gefehlt hat.

Überfluss an Geld bringt überhaupt nichts! Im Dezember 2015 betrug der Umsatz an weltweit gehandelten Derivatpapieren 493 Billionen Dollar, während die globale (reale) Wirtschafts-leistung im ganzen Jahr 2015 rund 73 Billionen Dollar ausmacht. Dies zeigt die Größenordnung der in Gang befindlichen Spekulationsbewegungen.

 

Wir brauchen neue Rahmenbedingungen gegen den Hochfrequenzhandel und können auch beim Bestehenden anfangen.

Derivatehandel kann ja auch sinnvoll sein, z.B. für Fluggesellschaften, wegen des Ölpreises.

Wir brauchen große politische Visionen.

 

Richard Werner studierte 12 Jahre lang das japanische Wirtschaftssystem, konnte Probleme im Voraus erkennen und erklären, da er die Machenschaften der Zentralbanken und ihren Enfluß auf den Bankkredit analysierte. Geld sollte für echte, positive Werte geschöpft werden. Es gibt Probleme, wenn Geld für noch mehr schädlichen Konsum oder für das Recht Vermögenswerte zu kaufen geschöpft wird. Letzteres schafft die Blasen und Bankenkrisen.

Durch Kreditschulden für Finanztransaktionen muss der Preis der Ware ansteigen. Es kommt zur Pyramidensituation - sobald der Preis stoppt, bricht alles zusammen. Bisher haben Zentralbanken diese Zyklen erzeugt, doch könnte Kreditlenkung, z.B. durch ein Verbot für unproduktive Geldschöpfung, diese Blasen und Krisen leicht vermeiden und stattdessen könnten echte Werte finanziert werden. Warum wird das so nicht gemacht?

40% der Kreditausweitung in Spanien und Irland gingen nicht ins BP!

Wurden Krisen bewusst erzeugt? Der heutige Negativzins macht die Kleinbanken kaputt, den Großbanken geht es gut, weil sie spekulieren können. Bezüglich Lösungen erklärte Prof. Werner, dass man die Geldproduktion und –Verteilung in die Hand der Bürger geben müsse, was am Besten in Deutschland durch die 1500 Genossenschaftsbanken und Sparkassen umgesetzt wurde - daher viele Kredite an kleine und Mittelständische Unternehmen und wenig Spekulationskredite in Deutschland, warum in den letzten 80 Jahren auch keine Finanzblase und einheimische Bankenkrise in Deutschland stattfand. Prof. Werner warnte vor Abschaffung des Bargelds, Abschaffung der Bankkreditschöpfung und Einführung von zentralem ‚Vollgeld‘, da dies die Macht der Zentralbanken erhöht, die planen, das Geldmonopol zu erhalten und uns einen Geld-Mikrochip unter die Haut zu pflanzen, was sie mit der Einführung des ‚uneingeschränkten Grundeinkommens‘ verkaufen möchten.

 

Die Frage nach dem „Feind“ führte in einem Pausengespräch zur Gegenfrage: „Ist er überhaupt ein Mensch?“

Es gibt Hinweise darauf, dass er die Ersatzbefriedigung jener Menschen ist, welche den Sinn ihres Lebens, auf Grund ihrer unvorstellbar großen Vermögen, in ihrer Überlegenheit gegenüber der Politik sehen und diese erhalten möchten. 

 

Marianne Schallhas ging auf das vom Moderator Alfred Strigl zitierte Wort von Hölderlin ein: 'Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch'. Es gibt bereits eine Reihe zukunftsweisender Reformvorschläge für ein friedensfähigeres Geldsystem. Diese sollten dringend wissenschaftlich ausgewertet und weiterentwickelt werden. Wünschenswert wäre ein subsidiäres Geldsystem, das sowohl auf die Bedürfnisse der Regionen wie auch auf die Erfordernisse im nationalen und globalen Bereich abgestimmt ist. Frau Schallhas ging anhand des 'Gewaltdreiecks' des Friedensforschers Johan Galtung auch auf Strategien zur Überwindung von direkter, kultureller und struktureller Gewalt ein (nachzulesen z.B. im Ausstellungsführer "Segen und Fluch des Geldes" auf www.arge-gerecht-wirtschaften.at) und verwies auf den "Movement Action Plan" von Bill Moyer (https://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/kampagnen-und-aktionen/phase-ii-die-analyse/exkurs-der-movement-action-plan/). Wir brauchen Mut zur Utopie, sollten mehr anstreben, als erreichbar zu sein scheint.

 

Podium zur Vorstellung der Monetative

 

Das „Vollgeldkonzept“ – Geldschöpfung als Privileg des Staates, wurde von Dr. Raimund Dietz, Monetative A, Thomas Betz, Monetative D und Ewald Kornmann, Vollgeld Schweiz vorgestellt. Siehe www.monetative.at  www.monetative.de  www.vollgeld.ch

Raimund Dietz und Thomas Betz ergänzten einander in der Darlegung.

Geldschöpfung ist ein außerökonomischer Akt. Daher steht sie nur dem Souverän – einer unabhängigen Zentralbank – zu. Sie sollte dem Gemeinwohl verpflichtet, aber absolut unabhängig agieren (wie etwa der Verfassungsgerichtshof) und in den Rang einer vierten Macht im Staate, neben die Legislative, Exekutive und Judikative gehoben werden. Wirtschafts­subjekte, auch Banken, sollen nur normale Geldgeschäfte – Kauf und Verkauf, Kredit und Investments – auf ihre Verantwortung betreiben. Dabei soll jedoch kein Geld entstehen. Geldschöpfung und Geldverwendung würde dann getrennt sein. Das würde das ganze Finanzsystem beruhigen und auf ein vernünftiges Maß zurückführen.

Geld muss in einer bestimmten Menge vorhanden sein. Daher muss es von irgendwoher kommen. Modernes Zeichengeld (Papier- und Buchgeld) kann faktisch kostenlos und unbegrenzt geschöpft werden. Wer, wenn nicht der Souverän, soll für die Steuerung der Geldmenge verantwortlich sein? Außerdem: Die Schöpfung von Zeichengeld führt zu einer kostenlosen Kaufkraftaneignung. Dieses Vorrecht steht nur dem Souverän zu. Die Instabilität der historischen Geldsysteme beruht vor allem darauf, dass diese Grundregel nicht eingehalten wird. Das heutige Geldsystem ist gespalten. Das eigentliche, legale Geld (Banknoten und Münzen) macht nur mehr Bruchteile aus. Über 90% der Geldmenge sind Buchgeld, geschaffen von Banken.

Daher ist die Geldschöpfungsmacht, die nur dem Souverän – einer unabhängigen, und demokratisch zu legitimierenden Institution zusteht, den Geschäftsbanken zugefallen.  Mit schlimmen Folgen, wie die Finanzkrise, die noch lange nicht überwunden ist.

Unter Vollgeldbedingungen wäre das Geld (M1) völlig sicher. Das Geld würde schuldenfrei in die Wirtschaft kommen, die Gesellschaft würde viel weniger von Schulden bedrückt sein. Dem Staat, nicht den Banken, würde der Geldschöpfungsgewinn zufallen. Beim Übergang des alten zum neuen System würde ein Geldschöpfungsgewinn anfallen, der so hoch wäre, dass ein Großteil der Staatschulden getilgt werden könnte. Banken würden wie bisher agieren. Vollgeld bedeutet keine Zentralisierung des Kreditwesens! Es sei mit den liberalen Grundsätzen einer Gesellschaft voll kompatibel.

Das Konzept erfreute sich zunehmenden Interesses. Es gibt bereits in mehr als 25 Ländern eine Vollgeldbewegung.

Raimund Dietz auf die Frage zur Sicherheit von Sparguthaben und anderen Geldvermögen: Diese seien nie ganz sicher, weil die Zukunft nicht sicher ist.

 

Ewald Kornmann (Schweiz) erzählte von der Vollgeld Initiative Schweiz: In der Schweiz haben sich ca. 130.000 Menschen für dieses Konzept ausgesprochen. Es wird bald zu einer Volksabstimmung kommen. Es gibt hier 55 Mitarbeiter, ehem. Politiker, Leute aus dem IT- und auch Bankenbereich. Man hat sich tolle Ideen einfallen lassen, um das Konzept unter die Leute zu bringen. Man ließ z.B. ein aufblasbares riesiges rotes Sparschwein mit der Aufschrift: „Nur echte Franken für mein Konto!“ durch die Landschaften schweben.

Das gesamte Protokoll finden Sie hier.

 

 

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Nachruf auf Stephen Zarlenga (1941 - 2017)

Am 25 April verstarb Stephen Zarlenga in seinem Haus in Chicago. Er war auf dem Weg der Besserung nach einer Hirnoperation im Jahr zuvor, aber es stellten sich doch Komplikationen ein.

Mit Stephen verliert die neuere amerikanische und internationale Geldreformbewegung einen ihrer Wegbereiter und profiliertesten Köpfe. 1996 gründete er zusammen mit Lucienne DeWulf das American Monetary Institute (AMI), dessen Direktor er seither war. Die von ihm organisierten jährlichen Monetary Reform Conferences am Chicago University Center sind Legende. Sie waren – und bleiben hoffentlich – ein Treffpunkt von Geldsystemanalytikern und Reformern aus den USA, Europa und anderen Ländern, Leuten unterschiedlicher fachlicher Funktion in Wissenschaft, Finanzpraxis und Politik, und jeden Alters.

Stephen wurde 1941 in Chicago als Kind italienischer Einwanderer geboren. Nach Beendigung des Studiums an der University of Chicago 1963 bereiste er zunächst Europa und arbeitete dann in den USA über drei Jahrzehnte als institutioneller Anleger im Versicherungs-, Fonds- und Immobiliengeschäft.

In den 1990ern wandte er sich vom Investment Business ab, um sich der Finanzwissenschaft und besonders der Geldgeschichte zu widmen. 1999 erschien sein Hauptwerk, zuerst auf Deutsch in Zürich unter dem Titel Der Mythos vom Geld, die Geschichte der Macht, 2002 dann die amerikanische Ausgabe The Lost Science of Money. The Mythology of Money, the Story of Power – eine faktenreiche, in hohem Maß Wissens-bildende und exzellent geschriebene Geschichtsreise von der Antike bis zur Gegenwart.

Während der 2000er Jahre arbeitete Stephen vor allem an einer Geldsystemanalyse auf der Höhe der Zeit und der Entwicklung eines dementsprechenden Reformansatzes für die USA, anfänglich noch beeinflusst von den Ideen einer 100%-Reserve aus den 1930ern, bald aber im Sinn des heutigen Vollgeldansatzes jenseits des Reservebanking.

Das Ergebnis war der Entwurf des N.E.E.D. Act (National Emergency Employment Defense Act, HR 2990). Vorgesehen ist darin erstens die Verstaatlichung der immer noch privaten Federal Reserve der USA und ihre Weiterführung als eine National Monetary Authority (dt. Monetative), zweitens die Ersetzung des Bankengiralgeldes durch das Vollgeld dieser Monetative, dadurch drittens die Ablösung des heutigen geteilten Geldkreislaufs – einerseits unter Banken mit Reserven, andererseits unter Nichtbanken mit Giralgeld – durch einen allgemeinen Vollgeldkreislauf, sowie viertens die Inumlaufbringung neuen Geldes u.a durch umfangreiche öffentliche Infrastruktur-Investitionen. Fünftens sollte die einmalige Konversions-Seigniorage dazu dienen, die US Bundesschulden abzubauen. Der N.E.E.D. Act steht damit in einer Linie mit dem Reformprogramm des Vereins Monetative, der Londoner Positive Money und anderer Geldreform-Initiativen. Zwischen Stephen und diesen bestanden über die Jahre hinweg freundschaftliche Beziehungen.

Im Sept 2011 wurde der N.E.E.D. Act vom Demokratischen Kongressabgeordneten Dennis Kucinich aus Ohio ins Repräsentantenhaus eingebracht. An diesem Prozess wie schon der Ausarbeitung des Plans war auch Jamie Walton beteiligt. Kaoru Yamaguchi unternahm eine System Dynamics Modellierung des N.E.E.D. Act. Der Gesetzesentwurf wurde von vielen Abgeordneten unterstützt, eine schließliche Abstimmung blieb jedoch aus.

Stephen hinterlässt eine große schmerzliche Lücke. Es bleibt zu hoffen, dem Freundes- und Kooperantenkreis des AMI möge es gelingen, Stephen's Werk für eine Vollgeldreform in Amerika auf noch verbreiterter Grundlage fortführen.  

Joseph Huber

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Ergebnisse unserer Umfrage zu Arbeitsschwerpunkten von Monetative e.V.

Im April 2017 hatten wir bei Mitgliedern und Unterstützern eine Umfrage zu Schwerpunkten unserer Arbeit durchgeführt. Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:  Als Spitzenreiter bei den Schwerpunkten unserer Arbeit wurden zwei Themen gewählt: „Bildungsarbeit mit gut verständlichen Erklärungen über das Geldsystem“ und „Das Thema in die Medien bringen“.

Die beiden Forschungsthemen, die das meiste Interesse weckten waren „Auswirkungen von Vollgeld auf das Eurosystem“ und „Demokratisierung von Zentralbanken“.

Das politische Thema, das die Befragten am meisten besorgte, waren die extremen Vermögensunterschiede in unserer Gesellschaft, auf Platz zwei folgte der Klimawandel und die Zerstörung unserer Umwelt.

Wie wahrscheinlich sind konkrete Schritte Richtung Vollgeld in den nächsten Jahren: Das schätzten die Befragten sehr unterschiedlich zwischen „sehr optimistisch“ und „sehr pessimistisch“ ein (mit einem pessimistischen Übergewicht), die meisten Teilnehmer lagen ungefähr in der Mitte. Die genauen Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Als eine Konsequenz dieser Umfrage wird sich unsere nächste Jahrestagung in Frankfurt/Main am 11.11.2017 mit dem Thema „Vermögensverteilung und Geldschöpfung –  Zusammenhänge und Reformvorschläge“ (Arbeitstitel) befassen. Wer dazu etwas einbringen will bzw. interessante Referenten kennt, soll bitte mit uns in Kontakt treten (mail@monetative.de).  

Klaus Karwat

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Das Vollgeld-Wochenende 2017

ein Balkon lud ein, das FrühlingsWetter zu geniessen

ein Balkon lud ein, das FrühlingsWetter zu geniessen

Von Fr., 31.03. - So., 02.04.2017 fand zum nunmehr 2. Mal das „Vollgeld-Wochenende“ statt, das seit 2016 jeweils im Frühjahr der Monetative Mitglieder-Vollversammlung einen inhaltlichen, kommunikativen und sozialen Rahmen gibt. Hoch über den Dächern von Prenzlauer Berg ging’s im Berliner Veranstaltungszentrum Pfefferberg hoch her unter den 51 Teilnehmern und unter der Einwirkung der ersten Frühlings-Sonnenstrahlen und eines hervorragenden veganen Caterings, das uneingeschränkt und allseits gelobt wurde.

Noch deutlicher als im vorangegangenen Jahr war das Programm offen, flexibel, interaktiv und vernetzungsförderlich gestaltet. So standen Freitagnachmittag und -abend zunächst auch ganz im Zeichen von Begrüßung, Vorstellungsrunde und Kennenlernen. Den inhaltlichen Auftakt bildeten dann ein Einführungsvortrag zur Vollgeldreform für „die Neuen“ sowie mehrere kurze Impuls-Vorträge. 

Ralph Boes zu Reformen der Demokratie

Ralph Boes zu Reformen der Demokratie

Am Samstagmorgen wurde die Flexibilität dann gleich auf die Probe gestellt: Zwei ursprünglich nur als Workshop-Inputs im Rahmen des 1. OpenSpace-Blocks vorgesehene Beiträge fanden so grossen Zuspruch unter den Teilnehmern, dass es am Vormittag dann - ganz oldschool-mässig - Frontalunterricht für alle gab:

Marius Krüger stellte den Zins und insbes. den Zinseszinseffekt in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und veranschaulichte dessen Sprengkraft mit dem sog. Josephs-Pfennig: Ein Euro-Cent, im Jahre 0 zu 5% angelegt, hätte 2017 bereits zu einem Vermögenszuwachs i.H.v. 248 Mrd. Goldkugeln von der Grösse der Erde geführt. Der „Umverteilungsmechanismus Zins“ ist für ihn ursächlich für die Eskalation von Geldvermögen und Schulden. In Anlehnung an Bernd Senf ist er auch der Meinung, dass der Zins im Zusammenwirken mit der Geldschöpfungspotentialität der Geschäftsbanken zum Geldmengenproblem führt, aber auch zum Wachstumsdruck, zur sozialen Krise, zur Staatsverschuldung, zur ökologischen Krise und zur Schuldenkrise der 3. Welt.

Dag Schulze Stellt das Gleichgewichtsgeld vor

Dag Schulze Stellt das Gleichgewichtsgeld vor

Dag Schulze verglich die Wachstums- und Verteilungswirkungen von drei Geldsystemen: Das herkömmliche, real existierende, das Vollgeldsystem und das sog. Gleichgewichtsgeld (GGG):

In einem Wirtschaftssystem mit kreditgeschöpftem Schuldgeld bleibt gemäß Schulze der Geldkreislauf nur mit positiven Zinsen und Vermögensrenditen in Bewegung. Daher müssen die Geldmengen und die Geldvermögen im Laufe der Zeit immer
weiter anwachsen, damit der Geldkreislauf gewährleistet ist. Kreditgeschöpftes Schuldgeld führt durch seine Konstruktion aber auch unweigerlich zu Vermögenskonzentration und Polarisation zwischen Arm und Reich. Vermögensrenditen müssten bei Null liegen, um Verteilungsneutralität und Nullwachstum zu gewährleisten und negativ sein, um die Vermögenskonzentration abbauen und die Wirtschaft schrumpfen lassen zu können.  
Das von ihm daher favorisierte Konzept des Gleichgewichtsgeldes verbindet gewissermassen die Lösungsvorschläge aus drei Welten: Wie beim Vollgeldkonzept wird auf die Geldschöpfung der Geschäftsbanken verzichtet. Gem. der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens erfolgt eine tägliche Guthabengeldschöpfung mit einem festen Betrag pro Kopf. Und klassisch freiwirtschaftlich ist schließlich das Konzept der automatischen Geldvernichtung per Schrumpfung von Vermögen, progressiv ab einem gewissen Freibetrag.

Die darauf einsetzende Diskussion gestaltete sich erwartungsgemäss deutlich kontrovers und wurde auch noch am Nachmittag weitergeführt. Neben Fragen inhaltlicher bzw. konstruktionstechnischer Natur ging es dabei auch immer wieder um die strategische Ausrichtung der Vollgeldbewegung: Soll sie sich tatsächlich auf das ursprüngliche Anliegen beschränken, um sich nicht zu überfrachten und dadurch auch möglichst anschlussfähig für möglichst viele zu bleiben, oder doch auch mit anderen (durchaus geldreformerischen) Konzepten und Ideen verbrüdern - wie in den Referaten angedacht („Gemeinsam sind wir stark!“).

Eine Open Space Runde

Eine Open Space Runde

Der Nachmittag war aber ansonsten gekennzeichnet von OpenSpace-Blocks im ureigentlichen Sinne; d.h. diverse Inputs, (Kurz-)Referate und Diskussionen liefen parallel und wurden erst am Abend im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion für alle wieder zusammengeführt. Die Palette könnte bunter kaum sein: Das Fair Finance Institute und das Netzwerk Finanzwende wurden vorgestellt (Markus Duscha), ebenso die Idee eines Staatsfonds aus Vollgeld-Seignorage auf Basis des norwegischen Staatsfonds (Detlef Baer). Weitere Themen waren „Demokratie & Geldreform“ (Ralf Boes), „Euro und Vollgeld“ (Andreas Barke, Jürgen Hecht), „Möglichkeiten der Mitarbeit bei der Monetative“, „Entwicklungen der intl. Vollgeldbewegung“ (Lino Zeddies), „Wie machen wir Vollgeld zum Thema der Bundestagswahl?“ (Klaus Karwat), „Notenbank, bedingungsloses Grundeinkommen und Vollgeld“ (Alfred Reimann), „Konkret wie könnte/sollte Vollgeld eingeführt werden?“ (Thomas Betz), „Analogie der Mengenbilanz und Bilanzierungstechniken“ (Tobias Heinz), „Wie muss die Monetative konkret ausgestaltet werden?“ und weitere Themen, die sich zum Teil spontan ergaben und die ebenso spontan diskutiert wurden.

Im Rahmen der Fishbowl Diskussion „Die Zukunft des Geldsystems“ war man sich darin einig, dass sich die Monetative auch und gerade im Hinblick auf einen weiterhin zu erwartenden Crash inhaltlich schlüssig und auch beizeiten positionieren muss („Dann kommen wir und haben was zu bieten.“, „Krise als Chance!“). Dagegen wurde die Option, im Rahmen der bestehenden Verhältnisse die „Macht“ im klassischen Sinne und mit klassischen Mitteln zu bekämpfen, eher kritisch betrachtet. In absehbarer Zeit sei es durchaus auch denkbar, dass Banken in starke Bedrängnis geraten, durch finanztechnische Innovationen einerseits, andererseits aber auch durch den Umstand, dass z.Zt. Renten-, Staats- und auch andere Fonds schneller wachsen als Banken. In einer solchen Situation sei es sogar vorstellbar, dass „Banken auf uns zukommen, weil sie so noch eine Zukunft haben“. Hoffen lasse auch die Generation der gegenwärtigen Start Ups: Sie sei deutlich aufgeschlossener gegenüber Innovationen jedweder Art im Verhältnis zu vorangegangenen Unternehmergenerationen. Und sowieso gebe es zu Pessimismus keinerlei Anlass: Die Erfolge der Vollgeld-Bewegung, auf nationaler wir auf internationaler Ebene, stellten und stellen bislang alle in sie gesetzten Erwartungen in den Schatten. Das gelte schliesslich und letztlich auch, so die einhellige Meinung, für das sich nunmehr dem Ende zuneigende Vollgeld-Wochenende.

Das Abendbuffet

Das Abendbuffet

Das Money Makers Gesellschaftsspiel

Das Money Makers Gesellschaftsspiel

Der kulturelle Höhepunkt des Abends war in diesem Jahr die Vorstellung eines neuen Brettspiels, das Mitglieder unserer holländischen Schwesterorganisation „Ons Geld“ entwickelt haben und das sie mittlerweile auch bereits professionell vertreiben, mit sehr grossem Erfolg zum einen in kommerzieller, aber auch in didaktischer Hinsicht: Im Wortsinne spielerisch werden bis zu sechs Mitspieler mit den Problemen einer Realökonomie konfrontiert, in der auch geldschöpfende und dadurch privilegierte Geschäftsbanken real sind, ebenso wie die durch diese verursachten Krisen, Inflationen, Deflationen, Bankruns und massenhaften Bank-Zusammenbrüche. Nach der - seit der Weihnachtszeit restlos ausverkauften - holländischen Ausgabe ist nunmehr auch eine englische sowie eine deutsche Auflage in Vorbereitung. Unsere holländischen Freunde hatten dankenswerterweise mehrere Exemplare sowie fachkundiges Personal zur Verfügung gestellt. Und so konnte zu später Stund’ an mehreren Spieltischen das tagsüber theoretische Erarbeitete gleich in der Praxis erprobt werden - eine optimale Einstimmung und Vorbereitung auf die Mitgliederversammlung am darauffolgenden Sonntag…

Wirken die geldpolitischen Instrumente der Bundesbank noch?

Kritischer Kommentar zum Artikel der Bundesbank Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Bundesbank Monatsberichte, 69. Jg, Nr. 4, April 2017, 15–36.     

In ihrem Monatsbericht vom April 2017 beschreibt die Bundesbank zusammen­hängend und zutreffend, wie die Banken pro-aktiv Giralgeld schöpfen (Guthaben auf Girokonten) und die Zentralbank bei Bedarf diese Guthaben nachträglich refinan­ziert.  Veralteten Lehrmeinungen, etwa, die Banken seien Finanzinter­me­diäre, die Zentralbank-Reserven oder Kunden-Giralgeld weiterleihen, wird aus­drück­lich widersprochen. Damit wird faktisch auch das überholte Multi­pli­kator­modell verabschiedet. Klipp und klar wird gesagt, was unsereiner viele Jahre lang vertreten hat: Jede Zahlung von Banken an Nichtbanken erzeugt Giral­geld, jede Zahlung von Nichtbanken an Banken löscht Giralgeld.

Leider bleibt im Artikel der Bundesbank der ein oder andere Aspekt unter­belich­tet. Zum Beispiel wird nicht deutlich erklärt, dass Bargeld im bestehenden Giral­geld­regime nicht mehr System-bestimmend, sondern nur noch eine nachge­ordnete technische Wechselmenge des Buchgelds ist. Nur noch etwa 10% des öffentlichen Geldumlaufs ist Bargeld, 90% Giralgeld. Das hat Folgen fürdie Geld­politik.

Ebenso wichtig: die Bruchteiligkeit (Fraktionalität) der Reservenbasis wird nicht thematisiert, also die Tatsache, dass der Bankensektor, um 100 Euro Giralgeld zu schaffen und in Umlauf zu halten, nur etwa 2,5–3 Euro Zentralbankgeld benöti­gt – davon 1,40 Euro für die Geldautomaten, 10–50 Cents als liquide Interbanken-Zahlungsreserve (Überschussreserve) und 1,00 Euro für die Mindest­reserve­pflicht (die geldpolitisch längst keine Funktion mehr hat, nur noch, in Normal­zeiten, und falls überhaupt, zum Zinsgewinn der Zentralbank beiträgt).

Stattdessen wird gesagt, dass eine Bank für jede Auszahlung Bargeld in voller Höhe benötig und für jede Überweisung zu einer anderen Bank liquide Reserven in voller Höhe. Das ist zwar zutreffend, aber ohne weitere Erläuterung suggeriert es in unzutreffender Weise, das Giralgeld sei voll gedeckt, quasi im Sinn einer 100%-Reserve. Tatsächlich aber besteht nur die extreme Bruchteil-Refinan­zierung des Giralgeldes. Möglich ist dies dadurch, dass die Zahlungsreserven im Interbanken­kreislauf viele Male schneller zirkulieren (häufiger genutzt werden) als das Giralgeld im Publikumskreislauf. Dadurch benötigen die Banken nur für etwa 3% ihrer Geschäfte Zentralbankgeld, während 97% oder noch mehr des Geldes sie nichts kostet – ein fürstliches Privileg, in der Tat eine Quasi-Seigniorage, der freilich die Legitimität fehlt.

Trotz oder gerade wegen dieser Zusammenhänge verwendet der Bundesbank-Artikel etliche Seiten darauf, zu erklären, warum die Zentralbanken durch ihre Leitzinspolitik die Lage gleichwohl im Griff hätten. Was sollte eine Zentral­bank sonst sagen? Aber wer soll das noch glauben? Aufgrund der pro-aktiven Giral­geld­schöpfung der Banken ist eine Geldmengenpolitik schon lange nicht mehr möglich und folglich aufgegeben worden. Der Monetarismus war zum Scheitern verurteilt, weil er von falschen Annahmen ausging, darunter eine Transmissions­wirkung durch vermeintlich vor-gegebene Reserveposi­tio­nen.

Auch die kurzfristige Zentralbank-Zinspolitik ist längst zu einem schwachen Instru­ment geworden mit kurzem oder gar keinem Transmissions-Hebel mehr. Wo, jenseits der Interbanken-Reservenleihe, sollte eine Transmis­sions­wirkung auf das Giralgeld und den öffentlichen Geldkreislauf denn her­kommen, wenn nur noch 10% des Geldumlaufs aus Zentralbankgeld besteht (hier Bargeld) und nur 2,5–3% des Giralgeldes der Banken oder weniger refinanziert zu werden brauchen? In begrenztem Rahmen wirksam ist nur noch die büro­kratische Preis­admini­stration etlicher Banken, wenn sie ihre Zinsen für Überziehungs- oder Hypothekarkredit festsetzen in Anlehnung an einen zurück­liegenden Inter­banken­zins (z.B. EONIA) plus Aufschlag. Allein das 'unkon­ven­tionelle' massive Quantitative Easing (Monetisierung von Staatsschulden und ggf auch anderen Schuldverschreibungen) zum Zweck der Zinsrepression hat noch Wirkungen – wenn auch höchst fragwürdige.

Ungeachtet dieser Kritik stellt die Publikation der Bundesbank einen will­kom­menen, quasi amtlichen 'Leitartikel' dar, um die in Sachen Geldschöpfung gänzlich verstaubten Lehrtexte auf die Höhe der Zeit zu bringen.

Joseph Huber

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Bundesbank äußert sich zu Banken-Geldschöpfung - wir antworten!

Die Bundesbank äußert sich in ihrem Monatsbericht 4/2017 ausführlich zum Thema „Geldschöpfung der Banken“. Dies begrüßen wir, denn so kann weiter mit dem tiefsitzenden Mythos aufgeräumt werden, Banken seine reine Intermediäre, also Vermittler von Geld zwischen Sparern und Kreditnehmern. Die Bundesbank schafft so Klarheit darüber, wie unser Geldsystem tatsächlich funktioniert: Es sind die Geschäftsbanken selbst, die das Geld schöpfen/emittieren, das wir alle benutzen. Ein großer Fortschritt, denn es ist noch nicht lange her, dass sich Experten, die auf die Geldschöpfung der Banken hinwiesen, heftiger Angriffe erwehren mussten.

Bundesbank schreibt über 100%-Geld, nicht über Vollgeld

Auch befasst sich die Bundesbank erstmals öffentlich mit der Idee, den Banken die Kompetenz zur Geldschöpfung zu entziehen. Anders als teilweise dargestellt (z.B. in der FAZ vom 24.4.17: „Bundesbank gegen Vollgeld“) befasst sie sich aber nicht mit der Vollgeldreform, so wie sie demnächst in der Schweiz zur Abstimmung steht und auch vom Verein Monetative e.V. befürwortet wird. Sondern mit dem wesentlich älteren Vorschlag „100%-Geld“, der auf ein Buch des berühmten amerikanischen Ökonomen Irving Fisher von 1935 zurückgeht.

Vollgeld und 100%-Geld sind zwar von der Intention miteinander verwandt, denn beide Vorschläge zielen darauf ab, den Banken die Möglichkeit der Geldschöpfung zu entziehen. Diese Kompetenz soll allein einer öffentlichen Stelle übertragen werden. In einer Vollgeldreform, wie sie seit ca. 10 Jahren diskutiert wird, werden Zentralbankgeld und Bankengeld zu einer Geldart (Vollgeld) zusammengeführt, das nicht mehr als Verbindlichkeit, sondern als Aktivum in den Bank- und Zentralbankbilanzen verbucht wird. Vollgeld existiert als Bar- und als Buchgeld und ist per se vollgültiges gesetzliches Zahlungsmittel. Im 100%-Geld-Vorschlag hingegen soll eine Art von frei schöpfbarem Geld (Giralgeld = Bankengeld) mit einer anderen Art von Geld (Reserven und Bargeld = Zentralbankgeld) gedeckt werden. Das macht gerade heute keinen Sinn mehr, da ja Bargeld nicht mehr mit Gold gedeckt wird (anders als zu Zeiten von Irving Fisher). So argumentiert die Bundesbank dann auch aus unserer Sicht zutreffend, dass eine erhöhte Reservehaltung die Geldschöpfung der Geschäftsbanken gar nicht signifikant einschränkt. Denn es wären ja nach wie vor die Banken, die uns mit Geld versorgen, nicht die Zentralbanken. Diese müssten, wie schon bisher, nur im Nachvollzug dafür sorgen, dass die Banken genügend Zentralbank-Reserven zur Deckung zur Verfügung haben. Kontraproduktiv wird ein solcher Mechanismus, wenn diese Reserven von der Bundesbank verzinst werden, also eine Einnahmequelle für die Banken darstellen.

Mit einer Vollgeldreform hat sich die Bundesbank in diesem Bericht eben nicht befasst, und sie erwähnt den Begriff auch kein einziges Mal. Der Titel des entsprechenden Abschnitts heißt ja „Anmerkungen zu einer 100-prozentigen Deckung von Sichteinlagen durch Zentralbankreserven.“ Dabei verteidigt die Bundesbank das bisherige System, in dem private Banken selbst Geld produzieren.

Dünne Argumente der Bundesbank für Banken-Geldschöpfung

Die Bundesbank führt nur wenige Argumente an, um die Geldschöpfungs-Kompetenz der Geschäftsbanken zu verteidigen:

Da ist zum einen die Behauptung, die Beendigung der Bankengeldschöpfung würde dazu führen, dass die Banken zu keiner Fristentransformation mehr in der Lage seien. Den Begriff „Fristentransformation“ in der Diskussion über Geldschöpfung der Banken zu verwenden, ist aus unserer Sicht irreführend: Es wird der Eindruck erweckt, als würden Kunden ihr Geld mit kurzer Kündigungsfrist einlegen und die Bank dieses Geld langfristig als Kredite weiterverleihen. Das ist ein Denken, in dem Banken als Finanzintermediäre gesehen werden. Dass dies nicht so ist, hat die Bundesbank in ihrem Monatsbericht eindeutig klargestellt. In einem System ohne bankeigene Geldschöpfung können Banken, die die Anlagegewohnheiten ihrer Kunden kennen und genug Eigenkapitalpuffer haben, nach wie vor eine gewisse Fristentransformation betreiben. So wie das heute schon Verwalter von bereits bestehendem Geld machen. Aber sie können nicht mehr ihre sofort fälligen, also kurzfristigen Schulden zu Geld erklären und damit selbst Geld produzieren.

Darüber hinaus spricht die Bundesbank davon, dass die potentiellen Kosten einer Abkehr von der bankeigenen Geldschöpfung höher seien als deren Nutzen. Begründung: Die Banken könnten angeblich, wenn sie selbst kein Geld mehr schöpfen, nicht mehr genug „Liquidität“ bereitstellen. Wo ist der volkswirtschaftliche Nutzen der in Boom-Phasen fast unbegrenzt zur Verfügung stehenden „Liquidität“ der Banken? Ist es der ungehinderte Geldnachschub, um Spekulationsblasen im Immobiliensektor und bei Wertpapieren aufzublasen? Warum fließt nur ein kleiner Teil der Bankkredite in die Realwirtschaft? Gibt es nicht enorme Beträge auf Sparkonten, die von den Banken als Intermediäre weiterverliehen werden können? Gibt es nicht durch das Internet und neue Crowdfunding-Plattformen ganz neue Möglichkeiten, Geld weiter zu verleihen? Und wie viel Geld könnte eine Volkswirtschaft sparen, wenn sie nicht in immer kürzeren Abständen teure Bankenrettungen finanzieren müsste? Theoretisch könnte die Zentralbank in einem Vollgeldsystem die Banken genauso mit Geld fluten wie heute. Sie wird es aber nicht mehr machen müssen! Das liegt daran, dass die Geldproduktion in einem Vollgeldsystem wesentlich stabiler funktionieren wird und auch zielgerechter zugunsten der Realwirtschaft eingesetzt werden kann. Einige Spekulationsgeschäfte werden nicht mehr genügend „Liquidität“ zur Verfügung haben, aber das halten wir für volkswirtschaftlich eher nützlich als schädlich.

Gibt es bessere Instrumente, um Banken zu regulieren?

Die Bundesbank führt an, dass andere Regulierungen besser geeignet  seien, um unser Geldsystem zu optimieren. Solche Maßnahmen könnten, wenn noch nötig, auch in einem System ohne Banken-Geldschöpfung angewendet werden, zum Beispiel Eigenkapitalvorschriften für Banken. Aber: Wenn im Geldsystem die Banken für die Geldproduktion zuständig sind und das gesamte System am Kredittropf der Banken hängt, werden sich von den zahllosen Banken-Lobbyisten immer systemische Gründe finden lassen, eine für Banken als lästig empfundene Regulierung zu verhindern. Und da im Krisenfall der Zahlungsverkehr zusammenbricht,  werden sie dann immer wieder gerettet, wie es trotz der „Europäischen Bankenunion“ kürzlich in Italien (Monte dei Paschi di Siena) wieder gemacht wurde.  So haben die Banken ein Nötigungspotential, das marktwirtschaftlichen Prinzipien widerspricht und das Fundament eines modernen, demokratischen Staatswesens gefährdet. Das Geld, das uns allen dienen soll, darf unserer Meinung nach nicht mehr durch selbst gewinnmaximierende private Akteure bereitgestellt werden.

Wer darf in einer modernen Demokratie Geld schöpfen?

Wir wünschen uns, dass der große Sachverstand der Bundesbank dafür eingesetzt wird, sich intensiver als bisher mit der Frage auseinanderzusetzen: An welcher Stelle ist die Kompetenz zur Geldschöpfung am besten angesiedelt: Bei einer öffentlichen Stelle oder bei privaten Banken. Dazu gehört auch die ernsthafte Beschäftigung mit dem gut begründeten Reformvorschlag Vollgeld. Die im Monatsbericht April 2017 angeführten Argumente beziehen sich auf den Reformvorschlag 100%-Geld aus dem Jahr 1935 (!). Dass so ein Vorschlag nicht mehr unserer Zeit entspricht, ist nicht weiter verwunderlich. Das darf aber nicht als Begründung dafür dienen, eine fundierte Diskussion über die dringend notwendige Modernisierung unseres Geldsystems zu unterlassen. Diese Diskussion muss nicht nur in der Bundesbank, sondern auch in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft geführt werden.

Klaus Karwat, für den Vorstand Monetative e.V.

 (Die Stellungnahme als pdf hier)

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Bericht zum internationalen Geldreformer-Treffen in Berlin

Stan Jourdan, der bisherige INternationale Koordinator

Stan Jourdan, der bisherige INternationale Koordinator

Vergangenes Wochenende, vom 17.-19. Februar haben wir in Berlin ein Treffen der internationalen Geldreformbewegung (International Movement for Monetary Reform = IMMR) ausgerichtet und möchten in diesem Blogbeitrag von den Inspirationen, Erfolgen und Begegnungen berichten.

Der Hintergrund:

Ein erstes IMMR Treffen hatte genau ein Jahr zuvor in Brüssel stattgefunden, ausgerichtet von unserer Schwesterorganisation Positive Money zum Weitergeben ihrer Erfahrungen und Erfolgspraktiken (hier ein Bericht dazu). Generell hatte Positive Money als wohl größte und bedeutendste Vollgeldbewegung in den letzten Jahren die Führung übernommen, das IMMR errichtet und vor anderthalb Jahren Stan Jourdan als internationalen Koordinator eingestellt. Bedauerlicherweise war die Finanzierung für Stans Stelle jedoch mittlerweile ausgelaufen und er mit anderen Aufgaben vollauf beschäftigt. Dazu kam, dass ihm alleine im Prinzip die Legitimation fehlte, Entscheidungen im Namen des IMMR zu treffen, etwa bezüglich der Aufnahme neuer Mitgliedsländer. Daher stand das IMMR zuletzt vor großen Unsicherheiten und strukturellen Problemen. Da jedoch bisher kein zweites Treffen in Sicht war, hatten wir uns als Monetative e.V. entschieden, vor diesem Hintergrund selber die Initiative zu ergreifen und ein zweites IMMR Vernetzungstreffen in Berlin auszurichten.

HerkunftsLänder der Teilnehmer

HerkunftsLänder der Teilnehmer

Ziel des Treffens war somit einerseits das gegenseitige Kennenlernen und Vernetzen aber andererseits vor allem auch der Aufbau stärkerer Strukturen der internationalen IMMR Dachorganisation und dazu die Errichtung einer "Core Group", die dies koordiniert.
Gut 40 Teilnehmer aus über 20 Ländern nahmen schließlich an dem Treffen teil. Die meisten kamen aus dem Euroraum, aber es gab auch Vertreter aus ferneren Ländern wie Südafrika, Israel oder den USA.

Verlauf und Programm:

Das Programm begann Freitag Nachmittag mit mehreren kurzen Impuls-Kurzvorträgen zu verschiedensten Themen und Ideen. Lars aus Schweden berichtete beispielsweise von erfolgreichen Treffen mit der schwedischen Riksbank, die dadurch angeregt nun das Thema digital cash proaktiv aufgreift. Joseph Huber stellte sein neues Buch „Sovereign Money“ vor. Angela aus Spanien zeigte künstlerische Grafiken, um damit Menschen für das Thema Geldreform zu erreichen und Luuk aus den Niederlanden stellte deren brandneues Gesellschaftsspiel „The Money Makers“ vor, in dem die Mitspieler sich in die Rolle von Banken begeben, die wild spekulieren und dabei schließlich eine Finanzblase entstehen lassen. Ein Exemplar hatte er auch dabei, das an den Abenden intensiv bespielt wurde und sehr viel Begeisterung und auch Erkenntnisgewinn unter den Spielern hervorrief. In den nächsten Monaten soll das Spiel auch auf Deutsch und Englisch übersetzt werden und wir können es kaum erwarten, auch in Deutschland bald Exemplare zu verkaufen und zu bespielen!

Nach den Impulsvorträgen verbrachten wir den Rest des Abends mit einer Vorstellungsrunde, in der die verschiedenen Gruppen von ihrem Stand, ihren Herausforderungen und Erfolgen berichteten. Dabei war es sehr interessant, die Verschiedenartigkeit der Gruppen und der Teilnehmer wahrzunehmen. Von jung bis alt, Wissenschaftler über Künstler war es sehr spannend, die verschiedenen Herangehensweisen der Gruppen an das Thema Geldreform zu beobachten. Gerade die Diversität der Gruppen bietet natürlich extrem viel Potenzial für Vernetzung und Austausch der jeweiligen Stärken.

Abschließend spielte Stig aus Dänemark mit seiner Gitarre noch ein selbstkomponiertes Lied über Banker und den Wahnsinn des Geldsystems, ein wirklich stimmiger Abschluss für den ersten Tag!

Der Samstag begann mit einer offenen Fishbowl-Diskussion zur Zukunft des IMMR und den diversen Bedürfnissen, Herausforderungen und Ideen der Anwesenden. Nach diesem sehr offenen Format ging es nach dem Mittagessen weiter in Kleingruppen, in denen verschiedene Punkte diskutiert wurden, wie etwa die Kriterien für die Aufnahme neuer Mitgliedsländer, die Errichtung einer „Core Group“ als Quasi-Vorstand oder auch die Verabschiedung einer offiziellen IMMR Charta. Die Ergebnisse der Kleingruppen wurden dann zusammengeführt und in Fokusgruppen zu den jeweiligen Themen vertieft, um konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Am späteren Nachmittag gab es verschiedene „Open Spaces“, um sich entweder ganz anderen Themen und Ideen zu widmen oder um die Arbeit der Fokusgruppen weiter zu vertiefen. Nach einem langen Arbeitstag und dem Abendessen war es schließlich Zeit für etwas Unterhaltungsprogramm. Dafür hatten wir einen professionellen Zauberer engagiert, der im Gegensatz zu den Geschäftsbanken, die ja „nur“ Giralgeld schöpfen können, sogar echtes Bargeld aus dem Nichts zaubern konnte. Da staunten die Teilnehmer nicht schlecht!

Danach ließen die meisten den Abend gemütlich bei einem Kneipenbesuch und etwas Bier ausklingen oder spielten das „Money Makers“ Brettspiel. Lediglich die Fokusgruppe zur „Core Group“ arbeitete noch länger weiter und diskutierte deren Ausgestaltung und Aufgabenprofil.

Am Sonntag morgen wurde als Ergebnis ein konkreter Vorschlag für die „Core Group“ vorgestellt und nach einer angeregten Diskussion schließlich beschlossen! Daraufhin wurden die sieben Mitglieder der Core Group über ein sehr interessantes Konsent-Verfahren gewählt, darunter Vertreter aus Island, Schweden, den Niederlanden, Südafrika, Griechenland, Kroatien und auch ich, Lino Zeddies aus Deutschland.

Die frisch gewählte IMMR Core Group

Die frisch gewählte IMMR Core Group

Als die Core Group endlich stand, machte sich große Erleichterung und Begeisterung breit, denn deren Errichtung war eines der Hauptziele des Treffens gewesen und machte nun den Weg frei für eine erfolgreiche Zukunft des IMMR.
Während daraufhin sogleich das erste Treffen der Core Group stattfand, gab es für die anderen noch einmal „Open Spaces“ für verschiedenste Themen von Geldreform in der Eurozone über den gemeinsamen Aufbau von Datenbanken bis Social Media. 
Daraufhin wurden Ideen aus der ersten Core Group Sitzung zur Aufnahme neuer Mitgliedsländer präsentiert und von den Anwesenden auch gleich noch die Aufnahme einer Gruppe aus Italien ins IMMR offiziell beschlossen und gefeiert!

Abschluss, Fazit, Ausblick

Zum Abschluss fand im Stuhlkreis eine kurze Abschlussrunde zu Nachgedanken und Fazit des Treffens statt („I’m looking forward to looking back to this meeting“) sowie eine kleine Aufstellung im Raum unter anderem hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit, der Erschöpfung und dem Optimismus für die Zukunft des IMMR. Das Ergebnis: Alle waren mit dem Treffen sehr zufrieden, die Erschöpfung war sehr unterschiedlich (vor allem bei den Organisatoren aber ganz erheblich) und alle waren höchst optimistisch hinsichtlich der Zukunft des IMMR. Ein fantastischer Abschluss - mehr hätten wir uns als Ausrichter des Treffens wohl kaum wünschen können!

Erfreulich war auch noch, dass dank solidarischer, selbst-bestimmter Geldbeiträge der Teilnehmer am Ende des Treffens die Finanzen genau ausgeglichen waren und unser Verein somit auf keinen ungeplanten Kosten sitzen bleibt. Auch dies war ein schöner Ausdruck der erfolgreichen, solidarischen Zusammenarbeit und des Vertrauens. Zudem hatte es sehr gut funktioniert, viele der Teilnehmer in die Organisation vor Ort durch Freiwilligenteams einzubinden (z.B: Kaffee & Tee bereitstellen, Geschirrspüler ausräumen, Pausen/Zeit überwachen). Dies sparte nicht nur zusätzliche bezahlte Helfer ein, sondern förderte auch das Gemeinschaftsgefühl. Und zu guter Letzt hatten die verschiedenen interaktiven und teils selbstorganisierten Diskussionsformate und Methoden (Fishbowl, Open Spaces, Konsent-Wahl…) hervorragend funktioniert und das volle kreative Potenzial der Gruppe entfalten können.

Das Treffen war somit ein voller Erfolg und hinterlässt uns mit vielen neuen Impulsen und frischer Motivation. Wir sind höchst gespannt, was die nächste Zeit für die internationale Geldreformbewegung bringen wird und welche Überraschungen, Ideen und Erfolge auf uns warten. Bei dem positiven, kreativen Potenzial, das sich auf der ganzen Welt zum Thema Geldreform versammelt hat, sind wir jedoch voller Optimismus, dass ein neues, besseres Geldsystem im Dienst der Menschheit möglich und erreichbar ist!

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

EZB-Negativzinsen sind kein Grund für höhere Kontogebühren

Unser Geldsystem wird immer widersprüchlicher: Die EZB verlangt derzeit von den Banken Negativzinsen für Guthaben, die die Banken auf ihren Konten bei der EZB halten. Dies dient als Begründung dafür, warum Banken jetzt Gebühren für Konten erhöhen, die wir Bankkunden bei den Banken halten. Diese Argumentation hat allerdings einen Haken: Unsere Guthaben bei den Banken sind nur mit einer Mindestreserve von 1% bei der Zentralbank gedeckt. 99% unserer Kontoguthaben haben nichts mit dem Zentralbankgeld der EZB zu tun, und die Banken müssen dafür auch keine Negativzinsen zahlen. Die Negativzinsen der EZB für Banken können also nicht der Grund für höhere Kontogebühren sein. Timm Gudehus weist in einem Artikel im Februarheft der renommierten "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen" auf diesen Widerspruch hin, lesen Sie hier.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Bleiben Sie dran am Geldthema, Herr Plasberg!

Sehr geehrter Herr Plasberg,

Sie haben am 24.10.2016 in Ihrer Sendung "Hart-aber-fair" versucht, den "Nebel über das Geld" ein wenig zu lüften. Ab ca. Minute 48 durfte Prof. Thomas Mayer sogar in zwei Minuten erklären, dass in unserem Geldsystem die Banken selbst Geld schöpfen. Viel zu kurz natürlich, deswegen verstanden selbst Sie das nicht. Ab Minute 50 wiegelte Uwe Fröhlich vom Verband der Genossenschaftsbanken gleich ab: das sei nicht bedenklich, es gäbe ja jetzt in der Europäischen Bankenunion einen Fonds, der gefährdete Banken rettet. Weit gefehlt: Kurz vor Weihnachten wurde wieder eine Bank mit zig Milliarden Euro öffentlichen Steuergeldern gerettet: Die italienische Bank "Monte dei Paschi di Siena". Deswegen: Bleiben Sie dran, Herr Plasberg: Vertiefen Sie das Thema, woher denn unser Geld überhaupt kommt. Und warum unser Finanzsystem so krisenanfällig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Karwat, Monetative e.V.

Für alle Leser dieses Blogs: Wir alle finanzieren die öffentlich-rechtlichen Sender mit unseren Gebühren. Schreiben deswegen auch Sie an hart-aber-fair@wdr.de. Und fordern sie weitere Aufklärung darüber, wie unser Geldsystem funktioniert. Die Sendung vom 24.10. muss vertieft fortgesetzt werden!

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.