Würden Sie einem System zustimmen, in dem der größte Teil des Geldes durch meist private, gewinnorientierte Banken erzeugt und in Umlauf gebracht wird und nicht durch staatliche Organe?

Nein, ein solches Geldsystem möchten wir nicht haben - so antworteten über 90% der Befragten in einer Umfrage, die Professor Richard Werner unter Frankfurter Bürgern durchgeführt hat zum Thema „Wer macht und verteilt das Geld“.

Wird der größte Teil des Geldes durch private, gewinnorientierte Banken erzeugt und in Umlauf gebracht?

Ja, ungefähr 82 % der Geldmenge in der Eurozone wird durch die Geldinstitute geschaffen und in Umlauf gebracht. Es handelt sich hier um das sogenannte Buch- oder Giralgeld, das nicht physisch existiert sondern nur elektronisch. Dennoch hat es die gleiche Kaufkraft wie Banknoten und Münzen. Das Bargeld - Banknoten und Münzen - wird von den Notenbanken hergestellt und macht weniger als 20% des gesamten Geldes in der EU aus.

Wie entsteht Giralgeldund wie kommt es in Umlauf? Wie schöpfen Banken das Geld?

Neues Buch- oder Giralgeld entsteht in der Regel durch die Vergabe von Krediten durch die Geschäftsbanken. Wenn der Kreditnehmer ein Darlehen in Höhe von EUR 150.000 für einen Hauskauf aufnimmt, dann stellt ihm die Hausbank diesen Betrag auf seinem Girokonto zur Verfügung, damit er das Geld an den Hausverkäufer überweisen kann. Das Geld beginnt im Geldkreislauf zu zirkulieren. Es verschwindet in dem Moment, in dem der Kreditnehmer das Darlehen zurückgezahlt hat.

Die Buchgeldschöpfung ist lediglich ein Buchungsvorgang in den Büchern der Bank. Es wird von Seiten der Bank eine Forderung erfasst in Höhe des Darlehensbetrages gegenüber dem Kreditnehmer und gleichzeitig wird eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kreditnehmer gebucht in Höhe des Guthabens auf dem Girokonto (Bilanzverlängerung).

Die Sichteinlagen auf den Bankkonten stellen für die Banken Verbindlichkeiten dar, da die Banken verpfichtet sind, dieses Geld jederzeit in Banknoten und/oder Münzen zu tauschen. Das Geld auf den Girokonten, das Giralgeld ist deshalb auch ein Kredit von uns Geldbesitzern an die Bank.

Sofern das von der Bank geschöpfte Giralgeld vom Konto des Kunden auf ein Konto bei einer anderen Bank überwiesen wird, wird aus der Schuld der Bank gegenüber dem Kunden eine Schuld gegenüber der anderen Bank oder gegenüber der Zentralbank, wenn die Zahlung über die Zentralbankkonten abgewickelt wurde.

Der Kreditnehmer zahlt für das von der Bank aus dem Nichts, durch einen Computereintrag geschaffene Geld Zinsen an die Bank und kann auch noch alle seine der Bank überlassenen Sicherheiten verlieren, wenn er es nicht schafft, den Kredit in voller Höhe zu tilgen.

Die zweite Form der Geldschöpfung besteht darin, dass das Geldinstitut jemanden einen Vermögensgegenstand abkauft und dem Verkäufer das Geld auf dessem Bankkonto gutschreibt.

Sind Banken Vermittler zwischen Anlegern und Geldsuchenden?

Wir stellen uns vor, dass die Banken das Geld der Sparer dazu verwenden, es den Kreditsuchenden zur Verfügung zu stellen. Dies erscheint schlüssig und wird auch meist so in der Öffentlichkeit dargestellt.

So funktioniert es aber nicht.  Die Bank muss bei einer Kreditvergabe nicht nachweisen, dass sie in Höhe des Kreditbetrages bereits über Spareinlagen verfügt.

Voraussetzung für eine Kreditvergabe ist, dass die Bank einen ausgeglichenen Saldo zwischen Zu- und Abgängen an Überweisungen hat und eine eventuell auftretende Lücke durch Kredite der Zentralbank oder anderer Banken refinanzieren kann. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass gerade große Banken täglich Millionen von Zu- und Abgängen haben und immer nur die Salden refinanzieren müssen. Kleinere Banken sind hier benachteiligt.

Auch die jeweiligen Mindestreservesätze der Zentralbank müssen erfüllt werden, was wiederum durch Kredit der Zentralbank erfolgen kann.

Voraussetzung für eine Kreditvergabe durch die Bank ist allein, dass die Bank über eine Rücklage in Höhe vonca. 3 % des neu geschaffenen Geldes auf dem Girokontoverfügen muss ( 1% für die Mindestreserve, ca. 1,4% für die Bargeldreserve und 0,1 - 0,6% für die Überschussreserve).

Da die Banken ( wie unter 3. beschrieben) sich gegebenenfalls bei anderen Banken oder bei der Zentralbank verschulden müssen bei der Kreditvergabe, werben die Banken um langfristige Geldeinlagen von Sparern, damit bei ihnen kein Reserveabfluß entsteht. Wenn die Banken von Sparern langfristige Spareinlagen erhalten, können sie verhindern, dass die Zinsen für die bei anderen Banken aufgenommenen kurzfristigen Refinanzierungskredite während der Laufzeit steigen und können somit das Risiko steigender Zinsen vermeiden.

Es ist somit für die Banken vorteilhafter für ihre Kreditvergabe, wenn sie über Einlagen verfügen, jedoch ist dies nicht Voraussetzung der Kreditvergabe.

Es wird bei einer Kreditvergabe nie das Geld von Sparern weiterverliehen, sondern immer neues Geld geschöpft.  

Dürfen Banken sich gegenseitig Kredite geben?

Banken dürfen nicht nur sich untereinander Kredit geben, sie müssen es sogar, um einen reibungslosen Geldfluß zu gewährleisten. Man spricht hier vom Interbanken-System, das im Zeitalter der Globalisierung nicht nur national sondern auf der ganzen Weltfunktionieren sollte.

Bedingt durch die verschiedenen Krisen der letzten Jahre hat das Vertrauen der Banken untereinander stark abgenommenund die Banken gewähren sich kaum noch gegenseitig Kredite.  Hier springen bereitwillig die Zentralbanken ein.

Länderübergreifende Zahlungen werden in Europa über das TARGET2-System abgewickelt und es haben sich hier in der Zwischenzeit erhebliche Ungleichgewichte aufgebaut ( Forderung der BRD Ende Februar 2013 über 616 Mrd EUR gegenüber den anderen EU-Staaten).

Darf eine Bank sich selbst Kredit geben?

Nein, nach dem Kreditwesengesetz dürfen Banken sich nicht selbst Kredite gewähren.

Wenn eine Bank aber einen Vermögensgegenstand, z.B. eine Immobilie, anschafft, so bezahlt sie den Kaufpreis für diesen Gegenstand, in dem sie den Betrag auf dem Girokonto des Verkäufers als Sichteinlage gutschreibt. So geht die Bezahlung des Anlagegegenstands im normalen Geschäftsablauf der Bank unter und die Bank muss für ihre Anschaffungen nicht - wie andere Unternnehmen - einen Kredit aufnehmen.

Ist Geld an sich zinsbelastet?

Das Bargeld, das wir von der Bank erhalten, hat diese sich bei der Zentralbank besorgt, sie hat es sich dort geborgt und hat dafür Zinsen an die Zentralbank zu zahlen. Um diesen Kredit von der Zentralbank zu erhalten, muss die Geschäftsbank - wie jeder andere Schuldner auch - Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegen. Der von den Banken zu zahlende Zins wird Leitzins genannt.

Da das Buch- oder Giralgeld allein aus der Gewährung von Krediten durch die Geschäftsbanken entsteht und diese bei den Geldinstituten aufgenommenen Kredite von den Kreditnehmern zu verzinsen sind, ist jeder Euro in unserer Tasche zinsbelastet. Wir haben ein Geldsystem, in dem Geld aus Kredit entsteht und dadurch mit Schuldzinsen belastet ist.

Warum verschulden sich Staaten bei Banken? Warum dürfen sich Staaten nicht selbst finanzieren?

Die meisten Staaten haben es sich untersagt, selbst Geld zu schöpfen oder direkt Zentralbankkredit aufzunehmen. So ist in Artikel 123 des Lissabon-Vertrages geregelt, dass die Staaten der europäischen Union auf ihr eigentliches Hoheitsrecht, Geld zu schöpfen, verzichten und dieses Recht auf das Geschäftsbankensystem überträgt.

Verschwindet Geld durch Tilgung der Kredite?

Giral- oder Buchgeldentsteht durch eine Schuld gegenüber den Geschäftsbanken, die getilgt werden muss. Durch die Tilgung dieser Schuld verschwindet das Geld aus dem Geldkreislauf.