World Social Forum - 10. & 11. August 2016 in Montréal

Dinero Positivo, comer und monetative

Dinero Positivo, comer und monetative

Dieser Bericht beschreibt die Erlebnisse und Eindrücke, die ich, Manuel Klein, auf dem World Social Forum in Montréal gesammelt habe. Joseph Pilon, ein in Montréal ansässiger Kanadier, hatte auf eigene Faust Zeitslots und Räume in der Université du Québec à Montréal für Mitglieder der Dachorganisation "International Movement for Monetary Reform" (IMMR) organisiert. Somit konnten Manfred Freund (Positive Money, Spanien), Ann Emmet und Herb Wiseman (Comer, Kanada) und ich (Monetative) am 10. August Vorträge über den Aufbau des heutigen Geldsystems, das Vollgeldsystem als alternative Geldordnung und den Gerichtsprozess Comers gegen die Bank of Canada (Zentralbank Kanadas) halten und am darauffolgenden Tag über Möglichkeiten diskutieren, wie man gemeinsam strategisch im Namen des IMMR vorgehen kann, um Geldreformen voranzubringen.

Mehrere tausend besucher kamen zum world social forum

Mehrere tausend besucher kamen zum world social forum

Die Universität UQÀM (Université du Québec à Montréal) war der Austragungsort des diesjährigen World Social Forums. Zum ersten Mal in seiner dreizehnjährigen Geschichte tagte das Forum in einem westlichen Industriestaat, nachdem es bisher immer in Drittweltstaaten stattgefunden hat. Am 10. August fanden insgesamt drei Veranstaltungen im Namen des IMMR statt, die aus Vorträgen von Manfred Freund, Ann Emmet, Herb Wiseman und mir bestanden. Herb Wiseman (Comer) moderierte die Veranstaltungen und führte in das Thema Geld und Geldsystem ein, Manfred Freund (Dinero Positivo) stellte die Geschichte und den Aufbau des heutigen Geldsystems dar,  Ann Emmet stellte die Geschichte der kanadischen Zentralbank dar, sprach über den Rechtsstreit zwischen dem Verein Comer und der Bank of Canada und zeigte Videos aus einer öffentlichen Veranstaltung von Comer und dem Rechtsanwalt Rocco Galati, der die Klage gegen die Bank of Canada führt (unten als Video angeführt). Ich habe eine Präsentation über das heutige Geldsystem mit seinen zwei getrennten Geldkreisläufen gehalten, die resultierenden Probleme aufgezeigt und im Folgenden das Vollgeldsystem und seine Implikationen dargestellt. Die Zuhörer stellten interessante Fragen und ich habe gemerkt, dass sie neue Erkenntnisse bzgl. des Geldsystems und seinen Implikationen und Problemen erlangt haben. Besonders interessant waren die Darstellungen und Berichte von Ann Emmet von Comer über die Bank of Canada, über die ich nun berichten möchte.

https://www.fraserinstitute.org/blogs/a-really-quick-history-of-canada-s-federal-debt

https://www.fraserinstitute.org/blogs/a-really-quick-history-of-canada-s-federal-debt

http://www.michaeljournal.org/images/debtcan.jpg

http://www.michaeljournal.org/images/debtcan.jpg

Die Bank of Canada wurde Mitte der 30er Jahre gegründet, um dem Staat und den Gemeinden zinslose Kredite bereitzustellen. Bis zu 30 % der Ausgaben des Staates durften im Zeitraum von 1938 bis 1974 von der Zentralbank durch Geldschöpfung finanziert werden. Die kanadische Regierung finanzierte dadurch zum Beispiel ihre Aktivitäten im zweiten Weltkrieg oder den Trans-Canada-Highway und -Railway. Die Staatsverschuldung blieb über diese vier Jahrzehnte erstaunlich niedrig und wetestgehend stabil.

 

Ann Emmet beschrieb ihre Zeit als Highschool-Lehrerin als eine sehr erfüllte Zeit, da der Staat jegliche Ideen in der Bildung unterstützte und großzügig finanzierte. 1974 ordnete die Bank of Canada sich jedoch der Bank of International Settlement (Basel) unter, die ihr untersagte, den Staat zu finanzieren. Seitdem leiht sich der Staat das Geld bei privaten Geschäftsbanken, die es selber erzeugen, und muss auf dieses Geld Zinsen zahlen. Die Staatsverschuldung ist dadurch stetig angestiegen. 2015 lag sie laut Statista bei 91,5 % des BIP oder bei rund 630 Milliarden Can$. Das besondere an der Situation der Bank of Canada ist, dass sie bis heute gesetzlich dazu verpflichtet ist, dem Staat zinslose Kredite bereitzustellen. Diese Aufgabe und Pflicht übt sie jedoch seit 1974 nicht mehr aus. Aus den angehängten Grafiken geht die Staatsverschuldung Kanadas über den Zeitraum von 1936 bis in die Gegenwart hervor.

Die folgenden Videos geben einen tieferen Einblick in den Prozess der kanadischen Zentralbank aus der Perspektive von Ann Emmet (Comer), aber auch aus der rechtlichen Perspektive von Rocco Galati in Montreal (April 26, 2015) (Dauer ca. 2 Stunden) sowie in einem Interview im größten Nachrichten-Sender Kanadas "CBC News" (Dauer 17 Minuten).
Außerdem stellt eine Kurzdokumentation den Fall der kanadischen Zentralbank aus der Sicht von Bill Abram dar, einem bereits verstorbenen Comer-Mitglied. (25 Minuten)

Die Reise nach Canada hat sich nicht nur wegen der internationalen Vernetzung sehr gelohnt. Auch den Rechtsstreit comers mit der kanadischen Zentralbank aus erster Hand kennen zu lernen, war sehr interessant. Außerdem waren die gemeinsamen Diskussionen auch durch das mehrere Generationen umfassende Alter der Referenten sehr fruchtbar.

Ich möchte mich für die Möglichkeit, in Montreal auf dem World Social Forum sprechen zu dürfen, beim Verein Monetative bedanken und hoffe, die internationale Zusammenarbeit innerhalb des IMMR durch die Präsenz in Montreal weiter gestärkt zu haben.

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.