Monetative-Infobrief September

Liebe Geldreform-Interessierte,

der ehrenwerte "Verein für Socialpolitik" ist die größte Vereinigung deutschsprachiger Volkswirte. Bisher fristete das Thema Geldschöpfung auch in der hiesigen Volkswirtschaftslehre ein Mauerblümchendasein, und deswegen hat es schon etwas zu bedeuten, dass auf Initiative von Monetative-Mitglied Prof.Helge Peukert im Programm der Jahrestagung 2014 des Vereins ein Vortrag von Michael Kumhof (IWF), Norbert Häring (Handelsblatt) und Joseph Huber (Vorstand Monetative e.V.) über Vollgeld aufgenommen wurde, der auch gut besucht war. Eine Video-Dokumentation ist in Bearbeitung, wir werden sie dann auf unserer Webseite publizieren. Ein Rückhalt in der Wirtschaftswissenschaft ist unerlässlich, um eine grundlegende Geldreform zur erreichen, und deswegen freuen wir uns sehr, dass auch dort jetzt anscheinend etwas in Bewegung kommt. 

Presseresonanz

Ein im letzten Rundbrief angesprochenes Tabu gerät ins Wanken: In verschiedenen Zeitschriften beschäftigen sich Autoren mit der Frage, warum denn das billige Zentralbankgeld zur Ankurbelung der Wirtschaft ausschließlich an Banken  quasi „verschenkt“ wird und nicht auch an uns alle (sogenanntes "Helikoptergeld"). Lesen Sie hier.

Ein prominenter politischer Außenseiter, dem manche auch eine Rückkehr in die aktive Politik zutrauen, hat sich kürzlich auch in einem gemeinsamen Artikel mit Monetative-Beiratsmitglied Richard Werner mit dem Titel „Wie Geld gemacht wird“ zu Wort gemeldet: Ex-Bundesminister Guttenberg  fordert, dass die Politik der zügellosen Geldschöpfung der Geschäftsbanken Einhalt gebietet und dafür sorgt, dass Kredite produktiven und gemeinnützigen Zwecken dienen .Die Vorbereitung eines politischen Comebacks durch Besetzung des bisher brachliegenden Themas „Geldschöpfung“? Zeit für andere Politikerinnen und Politiker, endlich aufzuwachen.

Und im Deutschlandfunk erläutert die Journalistin Barbara Eisenmann sehr anschaulich und kritisch die Koppelung von Geldschöpfung und Verschuldung. Ein hörenswerter Beitrag!

Lesen/hören Sie die Beiträge von Guttenberg und Barbara Eisenmann in unserem Monetative-Pressespiegel


Ist das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Zentralbank in unserem Geldsystem sinnvoll?

Rechtsanwalt Christopher Mensching, Monetative-Beirats-Mitglied, erörtert in einem juristischen Fachbeitrag, ob Sinn und Zweck ("ratio legis") von Art.123 EU-Vertrag (Verbot der Staatsfinanzierung durch die Zentralbank) im derzeitigen Geldsystem erreicht werden kann. Sinn und Zweck der Regelung soll sein, die Finanzierung von Staatshaushalten durch neu geschöpftes Geld zu unterbinden. Das funktioniert zwar bei Anwendung von Art.123 bezüglich Zentralbankgeldes, im jetzigen Geldsystem wird das aber dadurch außer Kraft gesetzt, dass eine Staatsfinanzierung über Verschuldung bei Geschäftsbanken erfolgen kann, wodurch ebenfalls neues Geld geschöpft wird. Art.123 wird heute also unterlaufen, dient aber den Geschäftsbanken zur Sicherung einer lukrativen und risikoarmen Einnahmequelle. Lesen Sie den Beitrag von Christopher Mensching hier 

Bedeutet Vollgeld Monetarismus?

Neuerdings kommt das Vollgeld-Konzept unter Beschuss von Anhängern einer nachfrageorientierten Politik, zum Beispiel von Heiner Flassbeck (ehemals Staatssekretär während Oskar Lafontaines kurzer Zeit als Bundesfinanzminister), aber auch das von Sven Giegold beauftragte Gutachten ist hier nochmal zu erwähnen. Tenor ungefähr: Es sei doch altmodisch und sozial ungerecht, wenn man die Geldmenge genau definieren und deren Emission einer öffentlichen Stelle (der Monetative) übertragen wolle. Es käme dann zu Geldknappheit, Zinssteigerung und damit zu Stagnation der Wirtschaft, weil die Nachfrage zusammenbreche. Viel besser sei es, die Banken würden selbst je nach Bedarf Geld schöpfen, dieser Prozess würde aber streng reguliert (und ggf. die Banken verstaatlicht). Dass dies nicht funktioniert, hat die Finanzkrise bewiesen, und beweisen auch heute noch die verzweifelten und wirkungslosen Versuche der Zentralbank, die Wirtschaft über Leitzinssenkung zu stimulieren. Einer Geldknappheit könnte die geldschöpfende Monetative/Zentralbank ja leicht durch öffentliche Geldschöpfung entgegenwirken, die viel zielgenauer eingesetzt werden könnte als die Geldschöpfung der Banken. Auch auf die Frage, ob es nicht eine ungerechte Privilegierung von Banken sei, wenn diese selbst Geld schöpfen können und von billigem Zentralbankgeld profitieren, andere Wirtschaftsteilnehmer aber nicht, wird überhaupt nicht eingegangen. Lesen Sie selbst die Kontroverse Huber/Flassbeck und vielleicht auch nochmal das Giegold/Fricke-Gutachten inkl. unserer Entgegnung, beides finden Sie hier. Wir widmen dem Thema auch einen eigenen workshop am Samstag, 27.9., Anmeldung bitte hier. Ergebnisse des workshops werden wir dann demnächst auf unserer Webseite publizieren.

Monetative-Jahrestagung 15. November in Berlin

Erstmals ist es uns gelungen, mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer einen hochrangigen Vertreter der Finanzwelt als Redner zu gewinnen. Thema wird sein, ob Vollgeld auch allmählich und je nach Wunsch des Bankkunden eingeführt werden könnte, oder ob eine umfassende Gesetzesänderung von "oben" notwendig wäre (so wie es ein Gesetzentwurf der Schweizer Vollgeld-Initiative vorsieht). Zu Wort kommen neben den Professoren Johann Walter (Gelsenkirchen) und Joseph Huber (Berlin/Halle) auch zwei Vertreter der Schweizer Vollgeld-Initiative, die dort Unterschriften für eine Volksabstimmung sammeln. Dann finden eine Podiumsdiskussion der Vortragenden und eine anschließende Diskussion mit dem Publikum statt. Das genaue Programm und die Modalitäten für Ihre Anmeldung finden Sie hier.

Neues Buch über Vollgeld

Die Monetative-Mitglieder Thomas Mayer (auch Kampagnenleiter der Schweizer Vollgeldinitiative, nicht zu verwechseln mit obigem Ex-Deutsche-Bank-Thomas Mayer) und Roman Huber (Geschäftsführer von Mehr Demokratie e.V.) haben im Tectum-Verlag ein neues Buch mit dem Titel "Vollgeld: Das Geldsystem der Zukunft" veröffentlicht. Die Vollgeldreform wird hier in gut verständlicher Sprache dargestellt, ohne dass die fachliche Präzision darunter leiden würde. Die Autoren zeigen anschaulich, dass das Vollgeldsystem keine Zauberei und keine Taschenspielertricks erfordern würde, sondern lediglich die Anwendung von bewährten Methoden, die viel besser ins digitale Zeitalter passen als das antiquierte fraktionale Reservesystem. Weitere Infos, Bestellformular und online-Ergänzungsbuch finden Sie hier.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das ebenfalls gut lesbare, erstmals schon 2008 erschienene Buch "Geldschöpfung in öffentlicher Hand" von Joseph Huber / James Robertson (aus dem auch in obigem Buch zitiert wird) inzwischen in einer Neuauflage im Metropolis-Verlag erscheint (und nicht mehr im Verlag für Sozialökonomie), zu bestellen hier.

Wir suchen Praktikanten

Derzeit leistet der erste Student ein Praktikum beim Verein Monetative e.V. Wenn Sie Student/in sind (gerne aus der Wirtschafts-/Politikwissenschaft, aber auch aus den Bereichen Marketing und Mediengestaltung) und Erfahrungen in einem zukunftsträchtigen Bereich der Wirtschaftspolitik sammeln wollen, sollten Sie sich bei uns für ein Praktikum bewerben (mail@monetative.de). Wir freuen uns über jede interessierte Student/in. Auch bei der Themensuche für Studienarbeiten sind wir gerne behilfllich.

Spenden an Monetative e.V.

Dieser Rundbrief und die Organisation von Monetative e.V. werden ehrenamtlich geleistet, zur Deckung der Kosten sind wir allerdings neben den Beiträgen unserer Mitglieder auf Spenden angewiesen. Falls Ihnen der Rundbrief gefallen hat, bitten wir Sie deshalb um eine Spende.

Wir hoffen, Sie auf einer unserer nächsten Veranstaltungen kennenzulernen.

Klaus Karwat
(für den Monetative-Vorstand)

Termine

-Samstag, 27.9.: Workshop zum Thema "Vollgeld im Spannungsfeld zwischen angebots- und nachfrageorientierter Politik", mit u.a. Joseph Huber, 14 - 18 Uhr, Merseburger Str.14, Berlin-Schöneberg, Beitrag 10 € inkl.Wasser/Kaffee/Kuchen,  5 € für Monetative-Mitglieder, Studenten, Bedürftige, Anmeldung unter mail@monetative.de
-Montag, 6.10. 19 Uhr 30 bis 21 Uhr:  Salzburg, Bildungshaus St.Virgil: Einführung in das Vollgeldsystem, Referent: Dipl.Pol.Klaus Karwat
-Montag, 6.10.19 Uhr: Einführung in das Vollgeldsystem mit Monetative, Eintritt frei, Referent: Dipl.Kfm.Thomas Betz, anschließend Monetative-Stammtisch
-Samstag, 15.11. 14 - 20 Uhr: Monetative-Jahrestagung, Programm und Anmeldung hier

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Sekretariat Monetative

Die Wurzel der aktuellen Banken- und Staatsschuldenkrise liegt im Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die Überschuldung vieler Beteiligter, nicht zuletzt die des Staates und der Banken selbst. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für Geldschöpfung in öffentliche Hand 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung der unabhängigen Zentralbank 2. die Beendigung der Giralgeldschöpfung der Banken 3. die Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.