Wie funktioniert eine Vollgeldreform?

Anders als viele Menschen meinen, wird heute die wichtigste Geldart, das Giral- oder Buchgeld, durch private Geschäftsbanken geschaffen und in Umlauf gebracht. Diese weitgehend unkontrollierte private Giralgeldschöpfung ist eine der Hauptursachen für die steigende öffentliche und private Verschuldung, überschießende Konjunkturausschläge, Spekulationsblasen, Gefährdung des Geldwerts und wiederkehrende Finanzkrisen.

Um diese Probleme zu beheben, ist das Ziel einer Vollgeldreform, die gesamte Geldschöpfung der öffentlichen Kontrolle zurückzuführen.

Die Vollgeldreform hat die folgenden Eckpunkte:

  • Umwandlung des Giralgeldes in sicheres und wertstabiles „Vollgeld“, also in direkte Guthaben bei der Zentralbank, das zusammen mit Bargeld zu gesetzlichem Zahlungsmittel erhoben wird.
  • Ein vollständiges Geldschöpfungsmonopol der Zentralbank, die im Rahmen der demokratischen Gewaltenteilung zu einer vierten Gewalt - der Monetative - weiterentwickelt wird, und damit die Beendigung der privaten Giralgeldschöpfung
  • Das Vollgeld wird allein von der Monetative geschaffen und primär über öffentliche Ausgaben in Umlauf gebracht.

 

Was bedeutet Vollgeld?

Vollgeld ist die Abkürzung für vollgültiges gesetzliches Zahlungsmittel, herausgegeben durch die Zentralbank.

Das heutige Geld auf den Girokonten der Banken wird Giralgeld (Buchgeld) genannt. Es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur ein Anspruch an die Bank, dem Kunden auf Verlangen gesetzliche Zahlungsmittel (Bargeld) auszuzahlen. Geht eine Bank pleite, dann kann sie diese Forderung nicht mehr erfüllen und der Kunde geht im schlimmsten Fall leer aus (sofern die Bank nicht gerettet wird).

 

Was bedeutet Monetative?

In modernen Staaten ist die Staatsgewalt in drei Gewalten aufgeteilt und zwar in Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (Regierung, Verwaltung) und Judikative (Rechtsprechung). Analog dazu, soll in einem Vollgeldsystem die Zentralbank zu einer vierten Gewalt aufgewertet werden. Als solche hat sie die Aufgabe, über die Währung und das Geld zu wachen, insbesondere alles Geld zu schöpfen und die Geldmenge unter Kontrolle zu behalten. Die Zentralbank als Monetative sollte dabei einerseits unabhängig von den Weisungen der Regierung und des Parlaments sein aber andererseits auch von den Interessen der Bankenwelt. Sie soll allein dem Gesetz verpflichtet sein, einen klaren Auftrag haben und dem Allgemeinwohl dienen.

Der Name unseres Vereins ist an die Bezeichnung für diese Institution angelehnt.

 

Wie steuert die Zentralbank im Vollgeldsystem die Geldmenge?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie die Zentralbank in einem Vollgeldsystem die Geldmenge steuern kann. Primär sollte die Geldmengenerhöhung erfolgen durch schuldfreie Auszahlung von neuem Geld an den Staatshaushalt, sodass dieses Geld über Staatsausgaben zum Nutzen der Gesellschaft in die Realwirtschaft fließt. Außerdem könnte die Zentralbank insbesondere zur Feinsteuerung und bei Kreditknappheit Kredite an Banken vergeben, die das Geld dann weiterverleihen. Theoretisch wäre auch eine Bürgerdividende („Helikoptergeld“) als dritte Form denkbar.

 

Wie kann die Vollgeldreform in der Praxis umgesetzt werden?

Die angestrebte Reform der Geldordnung kann auf eine einfache und reibungslose Weise erfolgen.

Die Girokonten der Kunden werden aus der Bankenbilanz herausgelöst und separat bei der Zentralbank als Vollgeldkonten geführt. Die Guthaben auf den Girokonten bleiben eins zu eins bestehen, werden zu Vollgeld und somit zu gesetzlichem Zahlungsmittel. Danach ist nur noch die Zentralbank autorisiert, Geld zu schöpfen.

So geschieht mit dem unbaren Giralgeld das gleiche wie vor hundert Jahren mit den Banknoten. Damals wurden privat ausgegebene Banknoten durch staatliche Zentralbanknoten ersetzt. Heute geht es darum, das Giralgeld der Geschäftsbanken durch staatliches Vollgeld zu ersetzen, um das Geldsystem an den technischen Fortschritt anzupassen.

 

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem heutigen Geldsystem und einem Vollgeldsystem?

 

Was sind die wesentlichen Vorteile des Vollgeldes?

Eine Vollgeldreform hätte sieben bedeutende Vorteile:

  • Das Geldsystem wird einfach und transparent.
  • Vollgeld ist sicher, da die laufenden Konten außerhalb der Bankbilanzen geführt werden. Der Zahlungsverkehr ist deshalb bei Bankpleiten nicht mehr gefährdet. Der Staat wird dadurch aus der Geiselhaft der Banken (too big to fail) befreit und muss diese nicht mehr mit Steuermilliarden retten.
  • Die Zentralbank kann die Geldmenge effektiv steuern, wodurch die Entwicklung der Geldmenge verstetigt wird undKonjunktur- und Börsenzyklen moderater verlaufen werden.
  • Weil die Geldmenge sich im Einklang mit der Realwirtschaft verändert, ist Geldwertstabilität gewährleistet.
  • Neu geschöpftes Geld kommt zins- und tilgungsfrei in Umlauf, da es ohne Verschuldung entsteht. Das mindert den Zwang zum Wirtschaftswachstum und die gegenwärtige Umverteilung nach oben.
  • Die Gewinne aus der Geldschöpfung (= Seigniorage) und die Vorteile der Erstverwendung neuen Geldes kommen der öffentlichen Hand und damit allen Bürgern zugute.
  • Durch den einmaligen Umstellungsgewinn bietet sich die Möglichkeit, die Staatsschulden ohne Einschnitte ganz erheblich zu reduzieren.

 

Wer erfährt Nachteile durch eine Vollgeldreform?

Bislang können Banken das elektronische Buchgeld selber erzeugen und damit viele gewinnbringende Geschäfte machen. Davon profitieren vor allem Investment- und Grossbanken, die einen Wettbewerbsvorteil haben gegenüber Kleinbanken und anderen Finanzunternehmen wie Versicherungen oder Fonds. Da sich die Investment- und Grossbanken an diese staatliche Bevorteilung gewöhnt haben, werden sie sich erwartungsgemäss gegen die Abschaffung dieser Subvention wehren.

Da es weniger Berg- und Talfahrten an den Finanzmärkten gibt, haben Spekulanten weniger Chancen auf schnelle Gewinne.

Wenn als Folge der Vollgeldreform Staatsschulden getilgt werden, müssen Banken und andere Anleger das Geschäft mit der Staatsfinanzierung reduzieren.

 

Würde in einem Vollgeldsystem der Zahlungsverkehr bei einem Bankencrash beeinträchtigt? Müssten Banken im Krisenfall noch gerettet werden?

Nein, da in einem Vollgeldsystem die laufenden Geldkonten der Kunden getrennt von den sonstigen Bankgeschäften geführt werden, wird der Zahlungsverkehr durch Schieflage von Banken nicht beeinträchtigt. Um den allgemeinen Zahlungsverkehr und dadurch die Wirtschaft am Laufen zu halten, müssten Banken daher nicht mehr gerettet werden.

Gleichwohl kann bei Banken, die aufgrund ihrer Größe als 'systemrelevant' eingestuft werden, ein politischer Druck im Raum stehen, solche Banken weiterhin zu retten. Der politische Druck wäre in einem Vollgeldsystem aber bereits deutlich vermindert.

 

Welche Auswirkungen hat die Vollgeldreform für Banken?

Das traditionelle Bankgeschäft wird gefördert. Der einzige Unterschied zu heute ist, dass die Banken selbst kein Geld mehr erzeugen können.

Die Banken können weiterhin alle bisherigen Finanzdienstleistungen anbieten: Zahlungsverkehr, Kreditvergabe und Vermögensverwaltung. Hier ändert sich nichts. Die Banken können nach einer Vollgeldreform aber nur noch das Geld verleihen, das ihnen von Sparern, Investoren oder der Nationalbank zur Verfügung gestellt wurde oder das sie selbst besitzen. Damit haben sie keinen unfairen Vorteil gegenüber allen anderen Marktteilnehmern mehr, da sie Geld nicht mehr selber erzeugen können.

 

Welche Auswirkungen hat die Vollgeldreform für Bankkunden?

Das Geld auf dem Vollgeldkonto wird so sicher wie Bargeld.

Auf allen Konten, die dem Zahlungsverkehr dienen, befindet sich ab dem Zeitpunkt der Umstellung Vollgeld, das heisst von der Nationalbank garantiertes elektronisches Geld. Die Bank verwaltet diese Konten wie Wertschriften-Depots. Das Geld gehört den Kontobesitzern und geht nicht verloren, falls eine Bank in Schieflage gerät. Allerdings wird es nicht verzinst. Wer lieber Zins statt krisensicheres Geld möchte, kann der Bank nach wie vor sein Geld über ein Sparkonto oder alternative Anlagemöglichkeiten gegen Zins zur Verfügung stellen.

 

Was wäre in einem Vollgeldsystem der Unterschied zwischen Vollgeldkonten und Sparkonten? Wie sicher wären Guthaben vor Bankcrashs?

Guthaben auf Vollgeldkonten sind für den Kunden täglich verfügbar („Sichtguthaben“), sind gesetzliches Zahlungsmittel im alleinigen Besitz der Kunden und werden durch die Banken oder andere Zahlungsabwicklungsgesellschaften lediglich verwaltet. Daher ist das Geld auf einem Vollgeldkonto sicher vor Bankpleiten (so wie Bargeld im Portemonnaie). Es besteht dann die gleiche Situation wie Aktiendepots. Die Wertpapiere, die die Bürger in ihrem Depot haben, gehören nicht der Bank. Bei einem Crash der Bank können diese einfach auf eine andere Bank übertragen werden.

Bei den Spareinlagen handelt es sich nicht um jederzeit unbeschränkt verfügbares Vollgeld, sondern um verliehenes, der Bank anvertrautes Geld. Der Anleger erhält dafür jedoch Zinsen für sein verliehenes Geld aber wie es normalerweise ist: Kein Gewinn ohne Risiko. Nach einer Vollgeldreform würde das Einlagengeschäft der Banken so funktionieren, wie die meisten Leute es sich heute bereits fälschlich vorstellen. Die Banken nehmen Gelder von den Anlegern an und vermitteln diese Gelder an Kreditnehmer für Vorhaben, die die Banken geprüft haben. Die hierbei auftretenden Risiken tragen die Banken ebenso wie die Kunden.

 

Welche Auswirkungen hätte eine Vollgeldreform auf den staatlichen Geldschöpfungsgewinn?

Der Geldschöpfungsgewinn, die Seigniorage, entspricht der Differenz zwischen den Kosten für die Bereitstellung neuen Geldes und dessen faktischer Kaufkraft. Nach einer Vollgeldreform würden dem Staat nicht nur Einnahmen durch die Bereitstellung von Bargeld zufließen, sondern auch durch die Schöpfung von Giralgeld/Vollgeld, welches heutzutage den Großteil der Geldmenge ausmacht.

Nach heutigen Maßstäben würde der zusätzliche Geldschöpfungsgewinn je nach Wirtschaftswachstum in Deutschland jährlich etwa 15 - 40 Mrd. € umfassen. Damit ließen sich ca. 1,5 - 3,5% aller öffentlichen Ausgaben incl. Sozialversicherung bestreiten.

In den Jahren, in der die Umstellung von Giralgeld auf Vollgeld erfolgt, entsteht zusätzlich ein einmaliger Geldschöpfungsgewinn, mit dem bis zu 60% der heutigen Staatsverschuldung mit einem Schlag abgebaut werden könnte. Dieser hohe Gewinn entsteht, weil alles bisherige Giralgeld nach und nach ausgeschleust wird und durch neues, schuldenfreies Vollgeld ersetzt werden muss. Die Erstverwendung dieser Mittel kann und sollte vorrangig dazu dienen, die Staatsschuld auf ein weniger problematisches Niveau abzusenken.

 

Wodurch bekommt das Vollgeld seinen Wert? Wodurch wird es gedeckt?

Vollgeld wird durch die Leistungen und das Güterangebot unserer Volkswirtschaft gedeckt.

Geld kann grundsätzlich nicht durch anderes Geld gedeckt werden. Geld hat nur einen Wert, wenn man damit etwas kaufen kann. Daher entsteht die reale Deckung des Geldes, bzw. die Kaufkraft aus der Produktivität der Wirtschaft und damit aus dem Gegenwert des laufend erstellten Wirtschaftsproduktes in Form von Gütern und Diensten. Entscheidend für den Geldwert ist daher, dass die Geldmenge mit der realen Wirtschaftsproduktion im Einklang ist. Vollgeld behält daher seine Kaufkraft, wenn die Zentralbank durch eine vernünftige Kontrolle der Geldmenge die Preisstabilität gewährleistet.

 

Gibt es irgendwo auf der Welt bereits ein Vollgeldsystem?

Nein, noch nicht. In einigen Ländern, insbesondere Island und der Schweiz, wird die Reform gegenwärtig aber intensiv diskutiert, sodass sich dies in einigen Jahren bereits ändern könnte.
Es ist aber zu bedenken, dass das heutige Bargeld gewissermaßen Vollgeld ist und man historisch einem Vollgeldsystem sehr viel näher stand, als das Bargeld noch bedeutsamer war.

Wie entstand die Idee des Vollgeldes?

Die Kernidee hinter Vollgeld kam von dem berühmten Ökonomen Irving Fisher, der nach der Großen Depression in den 30ern erkannte, dass das Geldsystem grundlegende Reformen braucht und mit dem „100% Geld“ vorschlug, dass Zentralbanken ihre Kundeneinlagen mit 100% Reserveeinlagen decken müssen. Der Vorschlag wurde trotz breiter Unterstützung in Fachkreisen zugunsten anderer Finanzmarktreformen jedoch nicht umgesetzt und geriet in den nächsten Jahrzehnten in Vergessenheit. Der Bundesbanker Rolf Gocht griff die Idee dann in den 80ern wieder auf und unter Federführung von Joseph Huber wurde der Grundgedanke weiterentwickelt zur Vollgeldreform, in der die Einlagen nicht mehr mit Zentralbankreserven gedeckt, sondern komplett aus den Bankbilanzen ausgelagert werden.